Das Rad der Zeit

Liebe Freunde gesunder Bewegung in der frischen Luft!

Die Tage werden wärmer. Und die Menschen suchen wieder die Erholung in der Natur. Das merke ich sogar beim Autofahren. Ich muss jetzt verdammt aufpassen. Das Tempo drosseln. Und mit einem Fuß nah an der Bremse bleiben. Denn am rechten Straßenrand da tummeln sich die Rennradfahrer. Schlank, bunt und von Adrenalin gesteuert. Oft sogar in Zweier- und Dreierreihen nebeneinander dahin strampelnd okkupieren sie die Asphaltfläche. Irgendwie ist das rücksichtslos. Und aus meiner Sicht gar nicht so gesund. Neben der Gefahr, überfahren zu werden, finde ich das Einatmen der Auspuffgase nicht unbedingt lebensverlängernd. Doch nicht nur auf Autostraßen, auch auf Wald- und Feldwegen wird es ab Frühjahr eng. Als Fußgänger fühlst du dich nicht selten bedroht. Da rauschen sie vorbei, diese älteren Herren mit versteinerter Miene unterm Helm. Das ewige Leben anstrebend. Und mit gefühlten 50 Stundenkilometern unterwegs. Lacher kommt denen keiner aus. Obwohl ihr gefühlt achtfärbiges Outfit durchaus dem von Kasperln ähnelt. Der vermeintliche Hass allen nicht Radelnden gegenüber verstärkt sich drastisch, wenn sie meinen Hund sehen. Nicht nur einmal fauchte mich einer an: Nimm den Köter an die Leine! Selbst ein bisschen leiser treten käme denen nicht in ihren Sinn. Zwischendurch wird meine Wahrnehmung aufgehellt. Eine junge Mutter am Drahtesel macht einen entspannten Eindruck. Mit Einkaufskörberl vorne unterm Lenkrad und den Kinderwagen hinten an der Stange schaut das nach echtem Freizeitvergnügen aus. Fast ein bisschen Öko, aber gemütlich. Im Zweifel wird sogar geschoben. Und hinten am Horizont sehe ich jetzt auch noch das Rad der Zeit. Ein gefühlt 130 Kilo schwerer untrainierter Koloss schwebt ohne Schweiß scheinbar mühelos auf einem E-Bike durch die Landschaft. Schnaufend spreche ich mit meinem Hund: Komm Sina, wir gehen in unseren Garten. Da darfst du von der Leine!

Meinhard Eiter