Das Volk fragen

Liebe Freunde der direkten Demokratie!

Was unsere Mütter und Väter einst hart und mitunter sogar blutig erkämpft haben – die Wahlfreiheit – wird von uns im Moment stark strapaziert. Gut die Hälfte aller Wahlberechtigten nimmt von ihrem Recht gar nicht mehr Gebrauch. Und so sind die, die uns regieren, quasi nur das Halbe vom Ganzen. Was verunsichert. Und unsere Politiker in ihren Entscheidungen schwächt. Was wiederum auf uns Bürger zurückfällt. Denn immer dann, wenn unsere Volksvertreter der Mut verlässt, kommt der Ruf nach der Wählermeinung. Und schon schreiten wir wieder zu den Urnen. Um bei Befragungen unser Votum abzugeben. Das Spiel beginnt von vorne. Nur noch dramatischer. Wenn bei einer Entscheidungsfrage nur die Hälfte antwortet und von den übrigen 50 Prozent gerade mal 26 Prozent mit Nein stimmen, dann hat ein Viertel der Bevölkerung gewonnen. Soweit die Mathematik. Doch viel schlimmer ist die Emotion. Rein psychologisch sind Menschen eher motiviert, sich offiziell zu äußern, wenn sie etwas ablehnen. Einen Ist-Zustand, mit dem man so gut leben kann, per Stimmzettel zu bestätigen, klingt da schon ziemlich fad. Nun will ich ja nicht grundsätzlich jedes Unbehagen, das zu Volkes Begehren und letztlich zu Abstimmungen führt, verdammen. Ich denke, dass sich die Österreicher seinerseits gegen den Bau eines Atomkraftwerkes zur Wehr gesetzt haben, wird sehr gut gewesen sein. Aber es gibt dramatische Gegenbeispiele. Wie das Brexit-Votum in England. Aufgehetzt von Nationalisten wurden dabei vorwiegend die Alten motiviert, den Jungen ihre Zukunft zu verbauen. Die Aufwiegler haben sich nach dem Entscheid großteils vertschüsst und keinerlei Verantwortung übernommen. Was einen ganzen Kontinent in die Krise führte. Lasst uns neu beginnen. Politiker wählen, die entscheiden. Und uns während der Legislaturperioden in Ruhe lassen. Damit bald wieder viele zu den Urnen schreiten, wenn es zählt – bei Wahlen!

Meinhard Eiter