Denkmalamt winkt ab

Vom Abriss bedroht: Der Durchfahrtshof in der Floriangasse. RS-Foto: Matt

Imst: Kein Schutz für Durchfahrtshof in der Floriangasse

Wie im Oktober berichtet, soll ein im Kern spätmittelalterlicher Durchfahrtshof in der Imster Floriangasse einer Wohnanlage weichen. Das Bundesdenkmalamt sieht sich nach Anfrage und Lokalaugenschein nicht zuständig.

Von Manuel Matt

Den großen Brand von 1822 wusste der Durchfahrtshof in der Floriangasse zu überstehen, doch seine Tage scheinen gezählt, ein Abriss zugunsten einer Wohnanlage mit zwölf Einheiten nur wenige Wochen, vielleicht Monate entfernt. Ein Lokalaugenschein durch das Bundesdenkmalamt (BDA) fiel negativ aus. Für den Denkmalschutz würden zu wenige maßgebliche Kriterien vorliegen, heißt es in einer der RUNDSCHAU vorliegenden Stellungnahme.

Schwindene Imster Geschichte

Konkret als Grund genannt wird die „Anbringung eines Vollwärmeschutzes an der westlichen Gebäudehälfte“, was einer starken Veränderung des Erscheinungsbildes gleichkomme – aber: „Der geplante Abbruch bedeutet einen weiteren Verlust für die historische Bausubstanz von Imst, die in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Abbrüche ohnehin schon stark dezimiert wurde und sich nur mehr auf einige wenige ,Traditionsinseln‘ beschränkt“, stellt das das Bundesdenkmalamt fest. Angeregt wird in der Stellungnahme eine Erhaltung im Rahmen des Stadt- und Ortsbildschutzgesetzes (SOG) als charakteristisches Gebäude – „eine Möglichkeit, das Objekt sinnvoll und mit der notwendigen öffentlichen Unterstützung zu bewahren“. Zuständig sei dafür aber nicht das Bundesdenkmalamt, sondern die Stadtgemeinde „in Abstimmung mit dem Land Tirol“.

Unverständnis.

Deutliche Worte findet Barbara Stillebacher-Heltschl, Tochter des bekannten Architekten Norbert Heltschl. Sie sei es nicht gewesen, die sich an das Bundesdenkmalamt wandte, der Erhalt von historischer Bausubstanz scheint ihr aber ein Herzensanliegen. Der vorliegende Bebauungsplanentwurf „berücksichtigt offensichtlich nur die Interessen des Investors“, ärgert sich die Imsterin in einem Schreiben an die Stadtgemeinde und kritisiert auch die Stellungnahme des Bundesdenkmalamts: „Eine fadenscheinige Begründung“, urteilt die Architekten-Tochter. Der Durchfahrtshof sei „vermutlich verloren“, aber es gehe auch darum, „die weitere Zerstörung historischer Strukturen“ zum Thema zu machen und „die Verantwortlichen zu sensibilisieren“. Historische Strukturen seien übrigens nicht nur Gebäude, sondern auch „Wege, Waale, Plätze, Gärten, Hecken“ und eben auch Mauern wie jene, die den beim Durchfahrtshof gelegenen Garten umschließt und zugunsten einer Verbesserung der Zufahrtsmöglichkeit ebenso verschwinden soll. Ein Schicksal, das sich die Mauer mit einem der beiden umsäumenden Wege teilt. Damit werde ein „jahrhundertelanges Durchgangsrecht verletzt“ und Fußgänger auf eine „voraussichtlich viel befahrene Straße gezwungen“, ärgert sich Stillebacher-Heltschl.

„Für Aussenstehende unbegreiflich“

In Skepsis übt sich auch abermals der Imster Bauhistoriker Stefan Handle. Eine Sanierung wäre nicht unmöglich, bemerkt Handle trocken, denn der Durchfahrtshof sei nicht in einem so hoffnungslosen Zustand, wie es von außen gesehen den Anschein macht: „Ich war mehrmals im Inneren, beispielsweise hat es nie hereingeregnet.“ Kritik am Bundesdenkmal sei in diesem und auch in anderen Fällen zudem durchaus berechtigt, allerdings müsse man auch sehen, dass das Amt personell völlig unterbesetzt und das Denkmalschutzgesetz in Österreich äußerst schwach sei, so Handle: „Umso wichtiger ist ein funktionierender Stadt- und Ortsbildschutz.“ Für Außenstehende – wie etwa Besucher aus der Partnerstadt Rottweil – sei der Imster Weg mit der alten Bausubstanz jedenfalls „unbegreiflich“, schüttelt Handle den Kopf.