„Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“

Nach den Regeln vom Kaspar wird um dessen Existenz gezockt. RS-Foto: Dorn

Im Zirkuszelt am Thöni-Festplatz spielen Tod und Kaspar um Tod und Leben

Ein Klassiker unter den Volksstücken hat gerade die heurigen Tiroler Volksschauspiele eröffnet und bis Anfang September dürfen sich nun die Theaterfreunde daran erfreuen, wie der Boandlkramer um das Leben vom Brandner Kaspar zockt. Herrlich rumpelig begegnet dabei Markus Völlenklee dem so gar nicht sterben wollenden Alfred Kleinheinz, der den schmalen Grat zwischen Witz und Tragik gekonnt zu balancieren versteht.

Eigentlich hätte der Kaspar ja bei einer Treibjagd das Zeitliche segnen sollen, doch dem Tod, alias Boandlkramer, gelingt nur ein Streifschuss und der Getroffene überlebt. Das bringt den „Exekutor der himmlischen Vorsehung“ ins Dilemma und er bittet den Kaspar, doch freiwillig mitzukommen, um dem Schicksal Genüge zu tun. Doch der will partout nicht, muss er sich doch um seine Enkelin kümmern, deren Mutter im Kindbett verstorben ist und ihr noch das Erbe sichern. So lädt er den Jenseitigen auf einige Stamperln Schnaps ein und als der genug eingeflaschelt ist, überredet er ihn zu einem Kartenspiel, das über den sofortigen Abgang Kaspars oder dessen weiteres Fortleben entscheiden soll. Der Brandner Kaspar gewinnt dabei weitere 18 Jahre Leben, ohne jedoch zu ahnen, dass seine geliebte Enkeltochter bald dafür bezahlen soll.

ZWEI WELTEN. Das urbayrische Volksstück „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ aus der Feder von Kurt Wilhelm nach Franz von Kobell hat Regisseur Markus Völlenklee ins Tirolerische übertragen, sonst aber sehr klassisch inszeniert. Die volkstümliche Welt der Wilderer trifft auf die himmlische Welt der Unsterblichen, die vor allzu Menschlichem auch nicht gefeit sind. Markus Völlenklee als Boandlkramer ist wie gewohnt vollpräsent in seiner Darbietung eines Todes, der zwischen der himmlischen und irdischen Welt verloren scheint. Mit seinem gelegentlichen Wechsel zwischen der gestelzten Hochsprache des Mystischen und dem derben Dialekt des Volkstums bringt Völlenklee diese Ausgesetztheit auf die Spitze und lässt den Tod als intellektuellen Sandler zum einsamen Streiter zwischen den Welten werden. Alfred Kleinheinz als Kaspar gibt dagegen denjenigen, der mitten im Leben steht und so gar nicht weichen will. Immer für einen Schalk zu haben und dabei trotzdem bodenständig bleibend zeigt er gekonnt den Gegensatz zur Liederlichkeit des Todes.

DRUMHERUM. Und die Gegensätze der Figuren pflanzen sich auch bei den anderen fort: Auf der einen Seite der Bürgermeister und der Jäger Simmerl, die dem Herzog dienen  und dem Brandner Kaspar und dessen Sippschaft an den Kragen wollen, auf der anderen Seite Marei, die Enkelin vom Brandner, die gemeinsam mit ihrem Flori und ihrem Großvater der Wilderei frönt und dabei die Obrigkeit blamiert. Der Wettkampf zwischen den Klassen und den Welten findet bei den Volksschauspielen passenderweise im Zirkuszelt statt, auf dem Boden ein Haufen Erde, an der Decke das himmlische Gestirn.  Untermalt werden die Szenen akustisch durch eine Tonkulisse von Wolfgang Fadi Dorninger, dem es gelingt das Gezwitscher der Vögel auf die Bühne zu bringen, ohne aufdringlich zu werden. Die Kostüme sehr klassisch, das Bühnenbild dagegen reduziert, ergänzen sich wunderbar und geben dem Stück den notwendigen, passenden Rahmen. Dass die Vorführung schon bis zur Pause Spielfilmlänge hat, schmälert das ansonsten empfehlenswerte Theatererlebnis ein wenig, Sitzfleisch sollte beim Besuch des Zirkuszelts am Thöniplatz auf jeden Fall mitgebracht werden.

Von Agnes Dorn

Seinen 75er feiert der Brandner Kaspar groß, doch das Unglück schwebt bereits über ihm. RS-Foto: Agnes Dorn

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