„Der Gipfel bleibt unberührt“

Das Skizentrum unterhalb der Braunschweiger Hütte soll als neue Schnittstelle im Osten des erweiterten Skigebietes Pitztaler Gletscher fungieren. Foto: Bergbahnen Sölden

Projektbetreiber Gletscherzusammenschluss Pitztal-Ötztal wehren sich gegen Falschmeldungen

„Die Behauptungen sind völlig unrichtig und widersprechen in jeder Hinsicht den Tatsachen“, heißt es in einer Presseaussendung der Bergbahnen Sölden und des Pitztaler Gletschers. Gemeint sind einige, kürzlich erschienenen Berichte, die behauptet hatten, für den Zusammenschluss der Gletschergebiete im Pitztal und Ötztal sei „die Sprengung des Linken Fernerkogels“ erforderlich. Die Verantwortlichen wehrten sich in der vergangenen Woche mit einer Informationsveranstaltung vor Ort.

Von Barbara Heiss

Beim betreffenden Zusammenschluss der Gletschergebiete Pitztal-Ötztal seien zwei Zehner-Kabinenbahnen, eine 3S-Selbahn, ein neues Skizentrum, ein Skitunnel sowie die Präparierung von Pisten mit einer Gesamtfläche von rund 64 Hektar geplant. Die Projektplanung für den Zusammenschluss Pitztal-Ötztal wurde bereits 2016 bei den zuständigen Behörden eingereicht. Diese sieht vor, dass neben dem Joch unterhalb des Linken Fernerkogels eine Zwischenstation für die Seilbahn „10EUB Fernerkogel II und III“ errichtet werden soll. Dafür soll eine Gratspitze begradigt und um rund 36 Meter abgetragen werden, wofür 120000 Kubikmeter Erdbewegung nötig sind. „In der gesamten Planungsphase wurden alle Projektbestandteile ausführlich in Abstimmung mit der zuständigen Behörde vorgeprüft. Dabei sind keine Ausschließungsgründe aufgetreten, die gegen einen Zusammenschluss von Pitztaler und Ötztaler Gletscher sprechen. Die zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereichten Projektbestandteile umfassen 11200 Seiten und 700 Pläne. 45 Sachverständige seien beim Amt der Tiroler Landesregierung für das Erstellen ihrer Fachgutachten in 38 Fachbereichen zuständig. Die UVP-Behörde gab zudem nun einen neuen zeitlichen Ablauf des aktuellen Verfahrens bekannt: „Nachdem mit Ende letzter Woche noch nicht alle vorzulegenden Gutachten vollständig vorgelegen und diese in das Gesamtgutachten (Umweltverträglichkeitsgutachten) einzuarbeiten sind, wird der Verhandlungsbeginn voraussichtlich am 22. Jänner 2020 stattfinden.“ Damit soll eine angemessene Vorbereitungszeit für  alle beteiligten Parteien gewährleistet werden. Das Ergebnis der mündlichen Verhandlung entscheidet dann, welche ergänzenden Verfahrensschritte notwendig sind, bevor der UVP-Bescheid erlassen werden kann. Bereits seit 2005 sei der Bereich um den Linken Ferner Kogel für die Verbindung Pitztal-Ötztal mit einer raumordnungstechnischen Widmung des Landes Tirol für eine skitechnische Erweiterung freigegeben.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Standort der zukünftigen Mittelstation für die beiden Zehner-Kabinenbahnen Fernerkogl ll und lll.Foto: Bergbahnen Sölden
„Touristische und wirtschaftliche Aufwertung“

„Die rein privat finanzierte Investition liegt bei 131,6 Millionen Euro, wovon 64 Millionen Euro unmittelbar in Tirol investiert werden. Die Bauzeit zur Gesamt-Realisierung des Projekts würde rund sechs Jahre dauern“, heißt es seitens der Projekttreiber.  Eberhard Schultes, Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahnen, und Jakob Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, betonen: „Mit dem Zusammenschluss können wir ein neues Angebot schaffen, das große Chancen bietet und zu einer touristischen und wirtschaftlichen Aufwertung beider Täler führen wird.“ Zudem sprechen die Projektverantwortlichen von einem „geringen Ressourcenverbrauch bei dem größtmöglicher Nutzen entsteht“. Denn für den geplanten Zusammenschluss würden 58 Hektar (0,6 Prozent) der gesamten bestehenden Gletscherfläche in den Gemeinden St. Leonhard im Pitztal und Sölden im Ötztal für Pisten genutzt. 

Estermann wehrt sich ebenfalls

Gerd Estermann von der „Bürgerinitiative Feldring“ spricht bei der momentanen Berichterstattung über den Gletscherzusammenschluss von einem „Hype, den wir gerne nutzen, um dem Naturschutzgedanken mehr Gehör zu verschaffen“. Die Falschmeldungen über die Sprengung des Linken Fernerkogels seien aber nicht von seiner Bürgerinitiative ausgegangen, sondern durch „ungenaue Recherchen und falsche Zuordnungen von Zahlen und Begriffen durch die Medien zustande gekommen“. Zudem wolle er in einer Aussendung klarstellen, dass sich seine Petition nicht gegen die Pitztaler Bevölkerung richte. Vielmehr sehe er „die große Chance für das Pitztal, einen touristischen Weg zu gehen, der durch Nachhaltigkeit und Naturverträglichkeit geprägt ist“.

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