Der Hulk von Landeck

Ehefrau Sabine und Enkel Fabio freuen sich mit Udo in der Perjener Wohnung. RS-Foto: Unterpirker

Udo Carpentari zieht beim Strongman-Finale alle Kraftregister

Als er heuer im Frühjahr zum Show-Truck Pull beim Kika in Imst antrat, wusste Udo Carpentari noch nicht, welche Sprossen er in der -heimischen Strongman-Hierarchie im Herbst noch erklimmen würde. Doch dann ging alles Schlag auf Schlag. Beim Finale in Langkampfen kürte sich der Landecker zum Austria Cup-Champion 2018 – Aufstieg in die 1. Liga! Ab sofort hebt und zieht Udo in der österreichischen -Königsklasse.

von Albert Unterpriker

Kenner der Szene schnalzen mit der Zunge, denn das, was Udo Carpentari bis dato geleistet hat, sucht seinesgleichen. Nach dem Staatsmeistertitel im Truck Pull und einem dritten Platz beim Oilers-Truck Pull in Haiming stand für den Landecker das große Saison-Highlight ante portas: das Strongman-Finale im Austria Cup in Langkampfen. Kurzum: Dort explodierte der Perjener regelrecht, ließ alle (namhaften) Gegner hinter sich und kürte sich zum Austria Cup-Champion 2018. Damit ist Carpentari der stärkste Mann von der gesamten zweiten österreichischen Liga und steigt durch den Titelgewinn in die 1. Liga auf. „Das ist schneller gegangen, als ich gedacht habe“, erzählt der Perjener, der dreimal pro Woche trainiert, jeweils für zwei Stunden nach seiner Arbeit. Trainiert wird zum Beispiel Kreuzbeinheben mit 200 kg oder Latziehen mit 160 kg. „Das Training ist absolut geil, da bist du voll fokussiert. Du hast einfach ein Ziel vor Augen und das willst du erreichen!“, so Carpentari. Das Ziel Aufstieg in die 1. Liga wurde nun im Eiltempo erreicht.

AUFREGUNG. Die lange und intensive Vorbereitung auf zwei Wettkämpfe im Unterland (mit Ausscheidungsgefechten in Buch bei Jenbach, Anm.) haben sich – gekoppelt mit jeder Menge Schweiß, Fleiß und vorbildhafter Einstellung – gelohnt. Rückblick, Finale Langkampfen, Ende September: „Es war schweinekalt“, blickt Udo zurück, „und im Finale (10 Teilnehmer) war ich ziemlich aufgeregt. Mein Betreuer hat gemeint, so kennt er mich gar nicht. Aber während dem Wettkampf habe ich dann gemerkt, dass es was wird!“ Fünf Disziplinen entschieden, ob sich der Perjener die Krone aufsetzen durfte. Dies waren: Reifenstürzen (180 kg, Traktorreifen, 8x flippen), Autokreuzheben (lupfen, Udo schaffte da 310 kg), Yoke-Race (280 kg, 20 Meter laufen, zurück mit 100 kg Sandsack), Traktor-Ziehen (3,5 Tonnen), und Viking Press (150 kg auf der Schulter in die Höhe stemmen). Allein beim Gedanken an diese Hulk-ähnlichen Einsätze kommt unsereiner da ins Schwitzen. Als sein Sieg schlussendlich feststand „hat es mir das Wasser in die Augen getrieben“, gibt der Späteinsteiger zu, ist er in seinem Alter bzw. dem vorgerückten Beginn seines Sports doch allein auf weiter Flur. „Viele haben mich belächelt, aber das hat mich noch mehr motiviert“, sagt Udo. Nur wenige glaubten an ihn. Wie seine Frau Sabine, Trainer Wolfgang Hell und Betreuer Armin Klima. Wie fühlt er sich heute, wenige Wochen nach seinem Bravourstück? „Ich realisier’ es noch immer nicht“, schüttelt der 40-Jährige den Kopf.

STOLZ. Ziel ist es nun, in der ersten Liga mitzuhalten. Dort geht es noch brutaler zur Sache. Beim Yoke-Race etwa hat man schon zu Beginn statt den 280 kg supersatte 350 kg auf der Schulter, Steigerung erwünscht. Wie läuft es derzeit physisch? „Momentan halte ich meinen Körper einen Monat auf Null, aber mein Trainer hat schon einen Plan. Und im Winter beginnt das Disziplinen-Training!“ Allein das liefert ein Drehbuch für einen Hollywood-Film. Denn Udo verlegt die (monströsen) Geräte, die er alle selbst bezahlt hat, zum Trainieren in die Halle bei den Bergbahnen. Unkonventionell waren bzw. sind seine Trainingsmethoden ohnehin. Das Reifenstürzen ging auf einem Müllplatz über die Bühne. Rocky lässt grüßen. Die Liga beginnt am 1. Mai in Graz. „Ich bin schon schweinestolz, dass ich das geschafft habe“, sieht man Carpentari seine immense Freude an. Stolz darf das ganze Oberland sein.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.