Der kleine Mann

Liebe Freunde von Wahlanalysen!

Österreichs Wähler haben Watschen ausgeteilt. Die FPÖ traf es mitten ins Gesicht. Minus zehn Prozent. Der SPÖ wurde ein blaues Auge verpasst. Minus fünf Prozent. Interessant dabei: Beide Parteien rittern um die Stimmen des sogenannten kleinen Mannes. Dieser fühlte sich missverstanden. Den Freiheitlichen wurden Nazi-Rülpser und selbst die Ibiza-Affäre verziehen. Doch dann kam der Spesenskandal. Ein Ex-Vizekanzler, der monatlich 10.000 Euro Taschengeld und einen Mietzuschuss für seine Villa in der Höhe von 2.500 Euro erhalten haben soll – das war dann doch des Guten zu viel! Auch die Roten, die einst für die Arbeiterklasse Schulen und Universitäten bauten und das Gesundheits- und Sozialsystem auf ein Top-Niveau hievten, sind out. Weniger wegen der Themen. Eher wegen der handelnden Personen. So mancher Nadelstreif-Sozi erweckt nicht mehr den Eindruck, er würde sich hemdsärmelig um die Hackler kümmern. Und Konrad Adenauers Spruch „Freund – Feind – Parteifreund“ trifft hierzulande auf keine Partei so stark zu wie auf die Roten. So wurde jüngst der zurückgetretene Bundesgeschäftsführer fotografiert, wie er mit seinem Porsche in die Parteizentrale fuhr, um sein Büro auszuräumen. Der Verdacht liegt nahe, dass das Foto von einem „Freund“ den Medien zugespielt wurde. Solidarität sieht anders aus. Die Wähler haben für hohe Spesen und luxuriösen Lebenswandel ein feines Gespür. Sie wollen, dass Politiker das Ohr am Volk haben. Und so haben mehr als ein Drittel der Urnengänger jenem Mann ihr Vertrauen geschenkt, der über die allergrößten Hörorgane verfügt. Und die Grünen sind wiederauferstanden. Weil dieses Mal die Angst vor dem Weltuntergang noch größer war als die Furcht vor Ausländern!

Meinhard Eiter