Der Mann am Grill

Liebe Freunde des kulinarischen Genusses in geselligen Runden!

Es ist wieder so weit. An lauen Abenden verlagern wir das Essen ins Freie. Statt der Frau hinterm Herd steht jetzt der Mann am Grill. Schluss mit Halbe-Halbe. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen beginnt die schönste Jahreszeit für die holde Weiblichkeit. Der Herr, Gebieter und Meister entdeckt seinen Urinstinkt. Der einstige Jäger und Sammler schlüpft nun – mit stolz geschwellter Brust – in die Rolle des Ernährers.

Und das geht so: Der Mann lädt Gäste ein. Verwandte. Freunde. Arbeitskollegen. Jedenfalls mehr, als der Frau lieb ist. Der Chef plant alles bis ins letzte Detail. Würste, Hühnerfilet, Schweineschopf, ein paar Rindersteaks. Natürlich auch Kartoffeln. Frisch vom Bauern. Dazu knackiges Gemüse. Und jede Menge Getränke. Cola für die Kinder. Fruchtsaft und Sekt für die Damen. Ausreichend Pils und Weizen für die Herren. Großmütig schreibt der Gastgeber alles auf einen Zettel. Drückt seiner Gattin die Kreditkarte in die Hand und schickt sie los. Zum Metzger. In den Supermarkt. Zum Bauern. Und in den Getränkegroßmarkt: „Aber dass du mir ja nichts vergisst, Schatzi!“

Er selbst tut das Wichtigste. Er holt noch Zigaretten und Grillkohle von der Tankstelle. Dort trifft er ein paar Kollegen, die auch noch schnell eingeladen werden. Kurzer Anruf bei der Frau Gemahlin. Nur ein paar schnelle Nachbestellungen, die Menge betreffend. Am frühen Abend geht’s dann los. Während er die Grillzange einölt und seinen originellen Schurz umbindet, schwitzt die Frau in der Küche. Saucen machen. Salate marinieren. Wenn sie Glück hat, helfen die Kinder beim Tischdecken. Draußen wischt sich der Meister den Schweiß von der Stirn. Sie ist heiß, diese feuerrote Glut. Danach ein schöner Abend. Der Grillmeister wird beglückwünscht. Nach ein paar Bier wird er müde. Vom weiteren Verlauf des Geschirrs bekommt er nichts mit. Die Frauen der Freunde zeigten sich dankbar.                 

Meinhard Eiter

 

E-Mail an den Verfasser? Ihre Meinung ist gefragt!