Der Tanz der Eier

Liebe Freunde kulinarischer Genüsse rund um die Feiertage!

Im Reigen der Köstlichkeiten, die uns kirchliche Festtage bescheren, fällt vielen die Wahl schwer. Schokoladenikoläuse. Kekse. Weihnachtsgans. Karpfen. Palm-brezen. Osterschinken. All das klingt und schmeckt hervorragend. Aber ich komme nicht vorbei am Osterei. Dieser bunt bemalte, ovale Eiweißsnack mit gelbem Dotter. Leicht gesalzen. Oder mit einem Tupfer Senf. Ein wahrer Hit im Reigen aller Gaumenfreuden. Und daher gebührt mein ganzer Dank der Henne. So ein Huhn, das hat zu tun. Speziell vor Ostern. Für mich als Nichtlandwirt grenzt das an ein Wunder. Woher wissen die gefiederten Tiere, dass sie vor Ostern mehr Eier legen müssen? Und wie schafft das der Gockel? Wahrscheinlich sind wir Menschen Ausbeuter. Und daher müssen wir uns entschuldigen. Vielleicht bräuchten Hähne und Hühner ja Gewerkschaften. Bürgerinitiativen gibt es ja schon. Aber eher wegen des Gestanks des Mistes. Oder der Lärmbelastung. Sozusagen gegen die „Gacker-Plage“ im Doppelpack. Unlängst las ich auch einen originellen Text zum Karriereende eines Legehuhns: Eier legende Eierlegende erreichte ihr Eierlegende! So etwas nenne ich Wertschätzung. Ein Geschöpf, das hart wie weich, im Glas, am Teller, auch als Spiegelei, in Mehlspeisen und in Shakes den Menschen dermaßen große Dienste erweist, gehört geadelt. Und nicht in den Suppentopf. Das Huhn vom Grill machen wir zur Ausnahme. Das hat ja von Anfang an eine andere Bestimmung. Bei Eier-Witzen bin ich heikel. Auch bei hinkenden Vergleichen. Oliver Kahn, der legendäre Fußballtormann von Bayern München, meinte einmal: Kicker brauchen Eier. Wozu? Wo doch eigentlich per Kopf und mit den Füßen die Tore geschossen und mit den Händen die Treffer verhindert werden. Aber alles muss ich nicht verstehen. Es bleibt die Frage, ob Henne oder Ei zuerst das Licht der Welt erblickten. Klar ist nur, dass auch zu Ostern nicht der Hase Eier legt.

Meinhard Eiter