Die eigenen Stärken als „Währung“

Im Internet kann man sich über das Talentenetz in Tirol und dem Außerfern informieren sowie Angebote von anderen einsehen oder eigene machen. RS-Foto: Gerrmann

Der Tauschkreis im Außerfern ist ein soziales Netzwerk der ganz besonderen Art Nachbarschaftshilfe bieten und annehmen, nette Leute kennenlernen, Gemeinschaft pflegen: So sehen die Ideale im Talentenetz Tirol aus. Im Moment freilich muss der Reuttener Tauschkreis durch eine Schwächephase.

Von Jürgen Gerrmann

Über Ziele und aktuelle Situation unterhielt sich die RUNDSCHAU mit Siegfried Kerle vom Führungsteam, der als Ansprechpartner für Interessierte fungiert. Ihm stehen in diesem Gremium noch Gabriele Prieth, die für die regelmäßigen Themenabende verantwortlich zeichnet, und Alexandra Posch, die die Aufnahmegespräche führt, zur Seite.
Das Prinzip des Talentenetzes setzt auf den Austausch von persönlichen Begabungen und Stärken. Kerle: „Da kann man zum Beispiel eine Lampe montieren. Wegen einer einzigen Leuchte kommt ja kein Elektriker mehr. Oder eine Spülmaschine muss angeschlossen, Transporte sollten erledigt oder kleine Reparaturen im und am Haus vorgenommen werden.“

Wie der Tauschkreis funktioniert.

Derlei Dienste werden dann auf ein Konto eingetragen. Eine Arbeitsstunde gilt dabei ein Talent, dem als rein fiktiver Gegenwert etwa zehn Euro entsprechen. Dieser Tausch der „Alternativwährung“ muss indes nicht direkt zwischen dem, der die Hilfe braucht, und dem, der sie bietet, verrechnet werden. Man kann sie auch mit anderen Dingen „einwechseln“. Kerles Beispiele: „Sich Nussschnecken für den Geburtstag backen lassen, Arbeiten mit der Motorsäge buchen oder auch Übernachtungen in einer anderen Stadt in Anspruch nehmen.“

Handwerkstalente gesucht.

Und wie sieht die Zielgruppe aus? „Einfach Leute, die Nachbarschaftshilfe suchen, aber auch gerne anbieten. Anbieter und Empfänger sollen einfach zusammenfinden. Denn zumeist kennt doch der eine die Talente des anderen gar nicht. Jeder kann etwas anderes gut, und so kann man sich gegenseitig helfen.“
Im Moment hätten sich 52 Menschen im Außerfern diesem Prinzip verschrieben. Wobei der Riedener einräumt: „Wir waren schon mal stärker. Jetzt stockt es etwas.“
Und warum? „Es mangelt an Angeboten von handwerklichen Tätigkeiten.“ Es seien einfach zu wenig Leute da, die auf diesen Sektor helfen könnten und wollten. Wobei das doch im Grunde eine ideale Aufgabe für Pensionisten sei: Nach dem Ende des Berufslebens seine Fähigkeiten weiter einsetzen und das schöne Gefühl, noch gebraucht zu werden, erleben zu können.
Der Tauschkreis sei auch so etwas wie ein reales soziales Netzwerk, das die Menschen auch wirklich zusammenbringen: „Man lernt nette Leute kennen. Und vor allem Frauen nutzen gerne die Möglichkeit, sich zu treffen, auch wenn sie im Moment konkret nichts brauchen.“
Dafür sind nicht zuletzt die Themenabende in der Bücherei Reutte da, bei denen man sich zunächst einem ganz beliebigen Gebiet widmet und sich dann darüber austauscht. So geht es etwa um nichts Geringeres als den Sinn des Lebens, aber auch das bedingungslose Grundeinkommen oder den Film „Das Wunder von Wörgl“, der anhand einer wahren Begebenheit aus den 30er-Jahren das Thema Alternativen zum normal kursierenden Geld behandelt.

Info.

Wer sich beim Tauschkreis mit einbringen will, kann sich gerne beim Außerferner Team unter kerle@gmx.at melden.
Detaillierte Informationen gibt es zudem im Internet unter talentenetztirol.net/ausserfern.

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