Die falsche Frisur

Liebe Freunde waghalsiger politischer Prognosen!

Wir haben jetzt endgültig genug gewählt. Gefühlte drei Mal den Bundespräsidenten, danach den Nationalrat und den Landtag. Und als i-Tupfer durften die Innsbrucker noch zur Stadtwahl streiten. Sorry: Schreiten! Dort wurde alles Bis- und Vorherige auf den Kopf gestellt. Die Grünen, von vielen totgesagt, zelebrierten eine nahezu biblische Auferstehung. In Gestalt von Messias Georg Willi, der – allen internen Hexenverbrennungen zum Trotz – eine Art Wunder vollbrachte. Die toten Grünen allein haben in der Landeshauptstadt mit zehn Mandaten jetzt mehr als Schwarz (5) und Rot (4) zusammen. Die beiden Letzteren hieß man hierzulande noch bis vor kurzem Großparteien. Unglaublich. ÖVP und SPÖ haben zusammen von 40 Sitzen im Gemeinderat nicht einmal mehr ein Viertel. Das ist maximal noch ein Schrebergarten voller Zwerge!

Was ist geschehen? Das Volk ist müde. Der Hälfte der Wähler gehen Urnengänge und die dort zur Wahl stehenden Personen längst am A…h vorbei. Die übrig gebliebenen 50 Prozent wollen Themen und Programme nicht mehr hören und sehen. Weil sie nicht glauben, dass nach der Wahl kommt, was vor der Wahl versprochen wird. Also bleibt nur eines: Die Wahl nach Sympathie. Und eben diese gewann der grüne Willi. Er schob wochenlang sein altes Fahrrad durch die Innenstadt, grüßte freundlich und erzählte den Menschen, dass er kein Fundi sei. Das gefällt selbst denen, die sonst gerne nach dem Rechten sehen. Und für den eloquenten Kirchensänger lassen sogar viele die Roten links liegen. Der SPÖ fehlte ohnehin eine zugkräftige Spitzenkandidatin. Die Irene, die laut Plakat so heiß auf Zukunft war, ließ jeglichen Quereinsteiger-Effekt vermissen. Für viele Damen hatte die Gute schlicht die falsche Frisur. Dieser haarscharfe Schnitt der Stirnfransen erinnerte an Mister Spock vom Raumschiff Enterprise. Was nicht einmal die gezielt anvisierten Intellektuellen antörnte.

Meinhard Eiter


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