Die Gletscher werden grüner

Birgit Sattler erklärt, dass Leben im Eis durchaus möglich ist. RS-Fotos: Schretter

Schüler der NMS Königsweg erforschen Zusammenhänge zwischen Leben im Eis und Gletscherschmelze

„Sparkling Science” ist ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, das seit 2007 einen unkonventionellen und in Europa einzigartigen Weg der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung beschreitet. Black.Ice ist eines der Projekte dieser Initiative. Jungforscher der Neuen Mittelschule Königsweg beschäftigen sich dabei mit der Frage, ob Leben im Gletscher möglich ist.

Am Montag, dem 28. Mai, waren Schüler, Eltern, Lehrpersonen und Interessierte zu einem Vortrag zum Thema Gletscherschmelze eingeladen. Die drei projektbegleitenden Wissenschaftler, Birgit Sattler, Klemens Weißleitner und Sabrina Obwegeser berichteten interessant und kurzweilig über bestehendes Leben im Eis, Expeditionen in scheinbar lebensfeindliche Regionen und ihre Erfahrungen über die Zusammenarbeit mit den Schülern.
Gerda Bubendorfer begleitet als Lehrerin das Projekt. Eines ihrer Ziele ist es, die Schüler aufmerksam und neugierig zu machen, sie für Umweltthemen zu sensibilisieren. „Die Schüler nehmen begeistert an diesem Projekt teil. Es macht ihnen großen Spaß, den Wissenschaftlern über die Schulter zu schauen und selbst Teil der Forschung zu werden. Leider war der Zulauf so groß, dass wir gar nicht alle mit ins Projekt nehmen konnten“, so Gerda Bubendorfer. Auch NMS-Direktor Hanspeter Wagner stößt ins selbe Horn: „Für diese einmalige Chance bin ich als Schulleiter sehr dankbar. Unsere Schule soll nicht nur Bildungsstätte sein und Wissen vermitteln, wir wollen unsere Schüler mit der Umwelt und unserem Lebensraum vertraut machen. Solche Projekte machen unsere Schule einzigartig. Mein ganz besonderer Dank gilt Gerda Bubendorfer, die mit so viel Engagement das Projekt begleitet.“

Der Funke soll überspringen.

Birgit Sattler vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck möchte erreichen, dass mit „sparkling science“ der Funke an Jungforscher überspringt.
„Die Welt des Eises“, so beginnt Birgit Sattler mit ihrem Vortrag, „liebt man entweder, oder man hasst sie. Wir wollen die Kinder mit dem Polarvirus anstecken, sie in eine unbekannte Welt mitnehmen und an der einzigartigen Erforschung dieser Welt teilhaben lassen.“ Als Wissenschaftlerin beschäftigt sie sich unter anderem mit der Frage, ob im Eis überhaupt Leben möglich ist. Denn das Eis, so die Ökologin, vereint alles, was Menschen eigentlich nicht so gerne mögen – es ist kalt, in den Regionen lange dunkel, es gibt kaum Nahrung – dennoch gibt es Lebewesen, die gerade auf diese Bedingungen perfekt eingestellt sind. Die sogenannten „Extremophilen“ können sich auf die Gegebenheiten einstellen. Sie können in dieser Kryo-Biosphäre existieren.
„Als Beispiel sei hier die Blaualge genannt, die im Eis überleben und sich reproduzieren kann. Der König des Überlebens ist allerdings das „Bärtierchen“, dem man alles antun kann. Man kann es kochen, radioaktiv bestrahlen, einfrieren oder ins Weltall schießen – ein Bärentierchen überlebt das alles, weil es ganz bestimmte Eiweiße besitzt, die dies ermöglichen“, steckt Birgit Sattler die Besucher mit ihrer Begeisterung an.
Leben im Eis ist ein Leben in Superzeitlupe. Viele Faktoren, die in anderen Regionen gelten, sind hier ausgesetzt.

Gletscher werden grüner.

Mit steigenden Temperaturen und der Erderwärmung werden die Gletscher immer grüner, mehr Leben dadurch möglich.
Um die Gletscher zu schützen bzw. zu erhalten, werden Gletscherflächen während der warmen Jahreszeit mit speziellen Fleecen bedeckt. Dieser Gletscherschutz hilft der Tourismuswirtschaft.
Die Gefrierproteine, die es Mikroorganismen erlauben, im Eis zu überleben, liefern Erkenntnisse für die Medizin und die Wissenschaft im Allgemeinen. So werden etwa Schneealgen als Antiagingcrème genutzt. Auch die Biotechnologie zieht also ihren Nutzen aus der Erforschung des Lebens im Eis.

Expeditionen.
Klemens Weißleitner berichtet von seinen Expeditionserfahrungen.

Grundlage für die Forschung im Eis sind Expeditionen in die entsprechenden Regionen.
Klemens Weißleitner nahm die Besucher des Vortrags mit auf eine spannende Reise zu den verschiedenen Forschungsstationen. „Wir haben ganz wichtige Einrichtung direkt vor unsere Haustür“, erklärt er. „Am Stubaier Gletscher forschen wir etwa an Versuchsfeldern, die mit Gletscherfleece bedeckt sind. Wir beobachten dann eine gesamte Saison über und ziehen unsere Schlüsse. Im Kühtai betreiben wir eine limnologische Forschungsstation. Dort waren wir auch schon mit Schülern, und im Zillertal steht uns ein Labor zur Verfügung, das in einer Gletscherspalte angelegt wurde.“
Auch an Forschungsstationen der Poleisregionen sind Innsbrucker Wissenschafter tätig. So etwa in Spitzbergen, wo auch Klemens Weißleitner schon mehrmals war. „Diese Station ist recht gut von Oslo aus erreichbar. Es ist nicht immer ganz ungefährlich“, berichtet er, „man muss sich vor den Küstenseeschwalben in Acht nehmen, die gerne auf Köpfen herumpicken. Glück hat man, wenn ein groß gewachsener Forscher mit dabei ist, denn diese Vögel attackieren immer den höchsten Punkt“, ergänzt er mit einem Schmunzeln. Auch vor dem Eisbären muss man sich vorsehen, ein Schießkurs und die Mitführung eines Gewehres sind Pflicht.
In der Antarktis hingegen kann die große Isoliertheit zum Problem werden. „In der Antarktis erforschen wir einen See, der mit einer vier Meter dicken Eisschicht bedeckt ist“, stellte Klemens Weißleitner auch die entlegendste Forschungsstation vor.

Im Labor.
Mit Sabrina Obwegeser erkunden die Schüler Labore.

„Ich bin die Laborratte im Team“, stellte sich als Dritte im Bunde Sabrina Obwegeser vor. Wir wollen die Verbindung zwischen Schule und Wissenschaft zustande bringen. Das ist uns hier in Reutte besonders gut gelungen. Die Schüler sind sehr motiviert und wurden von Gerda Bubendorfer perfekt auf das Projekt eingestellt“, streut sie Rosen.
Die Bio-Albedo nannte sie als zentral für das Projekt. Die Albedo beschreibt die Reflexionsfähigkeit von Oberflächen. „Wir befassen uns mit der Frage, welchen Einfluss Mikroorganismen auf den Albedoeffekt haben.“
Auch für die Schüler der NMS Königsweg geht es im Juni auf den Gletscher ins Jamtal. „Dort werden sie mit sterilen weißen Anzügen ausgerüstet und dürfen selbst Proben aus dem Eis bohren, die wir dann gemeinsam im Labor der Universität Innsbruck auswerten“, erklärt Sabrina Obwegeser.
So können die Schüler den Wissenschaftlern über die Schulter schauen, neugierig gemacht und an Umweltthemen herangeführt werden.
In einem Blog kann man sich unter www.blackice.blog informieren, was im Projekt Black-Ice gerade passiert und schon passiert ist.