Die Göttin und der Wolf

Liebe Freunde emotionsgeladener Diskussionen!

Letztens verriet die Redakteurin der Leserbriefseite einer Tageszeitung eine interessante Statistik. Die weitaus häufigsten Zuschriften bekam sie in jüngster Zeit zu den Themen Wiederaufstellung der Kunsttafel „Grüß Göttin“ und die Rückkehr des Wolfs in die heimischen Wälder. Eindringlinge dieser Art in unser gelobtes Revier sind offensichtlich nicht willkommen. Im Heiligen Land ist immer noch Gott der Herr im Haus. Obwohl kaum noch jemand in die Kirche geht. Außer an hohen Feiertagen, wo wir unsere Trachten und Dirndln die Runde tragen. Für mich ein Bild für Götter, wenn unsere Herrinnen ihre Weiblichkeit bunt verpackt zur Schau stellen. Fast so wie bei der Trophäenschau. Wo grün gemäntelte Männer mit Gamsbärten Hörner zeigen. Und längst auch Frauen auf Geweihe zeigen, deren Körper sie selbst erlegt haben. Ohne die hohe Kunst des Hegens und des Jagens hätten wir Chaos im Wald. Jedenfalls verbissene Bäume. Und kaum haben unsere Waidmänner und -frauen Ordnung hergestellt, droht Feindliches. In Gestalt von Wölfen. Und auch Bären. Was nicht nur die Grünröckler und -rinnen verstört. Sogar Mountain- und E-Biker fürchten um Sättel und Akkus. Droht der Radschlauchverbiss? Oder die steinzeitliche Reinkarnation von Räubern und Hexen? Zweiteres als hohe Weiblichkeit göttlich grüßend an jeder Weggabelung aufgestellt. Spätestens hier würde ich, wäre ich Bär oder Wolf, wieder umkehren. Denn im Rudel marschieren immer noch die Rüden voraus. Und lassen sich auch ungern von Jägerinnen erschießen. Jüngst hat übrigens ein Hund ein Kind gebissen. Und ein zweiter in die Wiese geschissen. Mehren sich diese Vorfälle, wird sich alsbald die Themenlage bei Leserbriefen dramatisch ändern. Bis sich herausstellt, dass Besitzer von Vierbeinern sich mehr bewegen, tendenziell weniger rauchen und sich gesünder ernähren. Das verunsichert. Nicht nur die Oma. Auch das Rotkäppchen.

Meinhard Eiter