Die Kasperlnazis

Liebe Freunde der Dichtkunst!

Nicht alles, was sich reimt, ist auch gleich Poesie. Ganz im Gegenteil. So manches ist schlichtweg Schund. Menschenverachtendes Gedankengut. Jüngstes Beispiel ist das sogenannte Ratten-Gedicht, das über „Menschen mit Kanalisationshintergrund“ zum Vergnügen strammer Rechter in den Wind gereimt wurde. Und das ausgerechnet in Braunau, der Geburtsstadt von Adolf Hitler. Der Verfasser, ein gewisser Schilcher, war dort FPÖ-Vizebürgermeister und musste jetzt den Hut nehmen. Quasi ein Braunschlag mitten ins eigene Gesicht. Was als kleines Witzerl gedacht war, endete im Selbstfall. Die Betroffenen werden zur Verantwortung gezogen. Politisch wie rechtlich. Da muss die Politik dem Recht folgen und nicht umgekehrt. Womit vor allem die Blauen ein Problem zu haben scheinen. Seit die FPÖ eine Regierungspartei ist, wird sie laufend von der eigenen Vergangenheit überholt. Burschenschafter, Kontakte zur Identitären Bewegung und so mancher einzelne Scherzkeks schrammen mit ihren Aussagen, Liedertexten und Versen hart an der nationalsozialistischen Wiederbetätigung vorbei. Diese Form des „Gasgebens“ sorgt laufend für Rücktritte von blauen Vertretern in den Gemeindestuben. Bis hin zu Verurteilungen. Warum tun diese Menschen das? Wo es letztlich doch am meisten ihnen selbst schadet? Vor allem auch, weil sie ihren großen Vorbildern nacheifern. Zum Beispiel dem jetzigen Innenmister Kickl, der einst als FPÖ-Generalsekretär mit Slogans wie „Daham statt Islam“ die eigenen Reihen scharf machte. Und damit Wahlen gewann. Für viele, die das „Ausländer raus“-Dogma als wichtigstes politisches Thema sehen, ist dieser Herbert Kickl ein großer Dichter. Ein Vorbild, das es nachzuahmen gilt. Weil ja „die anderen“ immer an allem Schuld sind. Oft auch wir Journalisten, die wegen dieser lästigen Fragen „weg gehören“. Wehe, wenn aus diesen „Späßchen“ Ernst wird. Und die nicht ganz dichten Dichter dicht machen!

Meinhard Eiter