Die Kehrseite

Alpintote sind im Bezirk meist in Ausübung einer Wintersportart zu beklagen, beim Wandern oder Bergsteigen verstarb im vergangenen Jahr ein Mensch. Foto: Haueis

Elf Alpintote im Jahr 2019 im Bezirk Landeck

 

Der Bezirk Landeck hat im Alpingeschehen eine Sonderstellung: Jeder 28. Alpintote Österreichs im vergangenen Jahr ist im Bezirk Landeck verstorben, bei den Verunfallten ist es rund jeder Zehnte.

 

Von Daniel Haueis

 

Laut Alpinunfallstatistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit und der Alpinpolizei sind im Jahr 2019 304 Menschen in Österreichs Bergen ums Leben gekommen. Ein Drittel davon ist in Tirol verstorben: 102. Elf Menschen mussten auf den Bergen des Bezirkes Landeck ihr Leben lassen. Auf Piste bzw. Skiroute starben drei Menschen, zwei bei Variantenfahrten. Zwei Menschen ließen bei der Jagd ihr Leben, jeweils einer bei einer Skitour, beim Rodeln und beim Wandern oder Bergsteigen. Öster-reichweit liegt die Kategorie Wandern/Bergsteigen vor Forstarbeiten und (Ski-)Tour. Von den 304 Todesopfern starben 56 an Herz-Kreislauf-Versagen (18%), Sturz/Stolpern/Ausgleiten sowie Absturz (16%) folgen. 101 Lawinenunfälle im Jahr 2019 in Österreich forderten 22 Todesopfer (7%). Der Tod am Berg ist männlich: 85 Prozent der tödlich Verunglückten sind Männer, davon sind 59% Österreicher und 28% Deutsche. „Jeder Todesfall ist einer zu viel und zeigt, wie wichtig die Präventionsarbeit im Bergsport ist“, analysiert Karl Gabl, aus St. Anton stammender Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit.

 

EIN ZEHNTEL. Karl Gabl berichtet von 11986 Verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte) – 1180 davon im Bezirk Landeck. Das bedeutet: Rund jeder zehnte Bergunfall in Österreich passiert im Bezirk. Spitzenreiter ist in einem (winter-)tourismuslastigen Bezirk wie Landeck natürlich die Kategorie Piste/Skiroute mit 810 Verunfallten. Wandern und Bergsteigen folgt mit 113 Verunfallten vor „Variante“ (90), Mountainbiking (35), (Ski-)Tour und Liftunfall mit jeweils 28 Verunfallten und Rodeln (26). Ein ausführlicher Bericht zu den Winter- und Sommerbergsportdisziplinen wird in der kommenden Ausgabe von analyse:berg — jahrbuch Winter 2019/20 und Sommer 2020 präsentiert (www.alpinesicherheit.at/de/analyse-berg-abo – auf der Homepage kann auch die Lawinenfibel bestellt werden). „Eine wirkungsvolle Aufklärungs- und Präventionsarbeit zur Ausübung des Bergsports be-ginnt am besten bereits im Kindesalter, und dies nicht nur im Inland, sondern auch in den Herkunftsländern der Alpinsportler. Kurse, Aus- und Fortbildungen bei alpinen Vereinen und Verbänden bieten hier vielzählige Möglichkeiten und können ein zielführender Ansatz sein“, rät das Kuratorium für Alpine Sicherheit.

 

Viele Unverletzte

Der Anteil der Unverletzten hat in den vergangenen zehn Jahren signifikant zugenommen und machte 2019 rund ein Drittel aller Notrufe aus. Alpine Notrufe werden nicht nur bei Unfällen mit Toten und Verletzten abgesetzt, sondern auch von unverletzten Personen, die sich in einer misslichen Lage befinden (sogenannte Blockierung). Dazu gehören Personen, die mit einer Tour und den Verhältnissen überfordert sind oder sich selbst überschätzt haben und in der Folge in eine alpine Notlage geraten.

 

Karl Gabls Berg-Bilanz: elf Todesopfer und 1180 Verunfallte im Bezirk Landeck RS-Foto: Archiv