Die Landwirtschaftsvertreter auf Bezirkstour

Andreas Ostheimer (l.) und seine Familie bekamen Besuch von Interessenvertretern der Landwirtschaft: LK-Präsident Hechenberger, Vize-Präsidentin Helga Brunschmid, Bezirksbäuerin Lisbeth Fritz, Bezirksobmann Christian Angerer (v.r.). Otmar Juen (2.v.l.) RS-Foto: Weber

Nicht Masse produzieren, sondern Qualität!

Die Landwirtschaftskammer widmet sich heuer intensiv dem Thema Tierwohl. Den Spitzenvertretern geht es um Information – denn der Begriff „Tierwohl“ ist von der Gesellschaft zum landwirtschaftlichen Modeschlagwort herangezüchtet worden. 

Von Michaela Weber

Tierwohl ist mehr als nur Haltung. Es geht auch um die Beziehung zwischen Mensch und Tier, Landwirtschaft und Konsument.
Auch die Beweidung auf den Almen und der damit verbundene Gesundheitszustand der Tiere ist ausschlaggebend für die Erzeugnisse. Beeindruckt waren LK-Präsident Hechenberger und seine unterstützenden Vertreter von den Vorzeigebetrieben im Außerfern. Bezirksobmann Christian Angerer bestaunte den Stall von Andreas Ostheimer mit den Worten: „So schia isch es in viele Wohnzimmer ita!“ Im Bezirk Reutte kann seit zwei Jahren ein Wachstum der Mehrfachanträge für Ausgleichszulagen verzeichnet werden. Darüber ist Angerer ebenfalls erfreut. Die Liebe zur Landwirtschaft besteht bei Ostheimer seit seiner Kindheit. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und sagt: „Wenn einen die Leidenschaft zur Bauernschaft packt, lässt sie ihn nicht mehr los.“ Den Tieren fehlt es an nichts. Auch im Stall hat der gelernte Tischler auf liebevolle Details geachtet, verzierte Balken und schöne Holzarbeiten ins „Wohnzimmer“ der Kühe eingebaut. Ostheimer hat sich auf seinem Hof für eine Kombinationshaltung entschieden. Laufstall mit teilweiser Anbindehaltung. Die Kühe können auch im Winter ins Freie. Im Sommer suchen sie bei Hitze Abkühlung im Stall, außerdem verbringt ein Teil der Tiere die Sommerfrische auf der nahe gelegenen Sennalm. Die Spitzenvertreter besuchten auch den Kälberaufzuchtbetrieb von Christian Forstinger in Elbigenalp. Sein landwirtschaftlicher Betrieb ist ebenfalls ein Paradebeispiel für eine nachhaltige, artgerechte und moderne Landwirtschaft. Die rund 150 Kälber werden von Forstinger gemästet und bleiben zur Schlachtung im Bezirk. Die Direktvermarktung der Qualitätslebensmittel wirkt sich durch die kurzen Transportwege positiv auf das Klima aus.

Standards.

Wie jede andere Branche gibt es auch in der Landwirtschaft unterschiedliche Trends und Bedingungen. Die Entwicklung zu immer neuen Tierwohl-Standards einzelner Handelsketten geht oft zulasten der Bauern. Da ein landwirtschaftlicher Betrieb nicht von heute auf morgen umgestellt werden kann, arbeitet die Landwirtschaftskammer gemeinsam an einer möglichen Weiterentwicklung für das Berggebiet. Die erschwerten Bedingungen brauchen Verständnis für die Wirtschaftsweise und Produktion. Gemeinsam an Verbesserungen arbeiten, lautet das Motto.

Werbung versus Realität.

LK-Vizepräsidentin Brunschmid sieht die realitätsfremde Werbung kritisch. „Werbung verfolgt das Ziel des Verkaufs, nicht der Information. Die Interessenvertreter der Landwirtschaft will der Bevölkerung ein reales Bild vermitteln, die Landwirtschaft so präsentieren, wie sie ist, inklusive Modernisierung. Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft mangelhaft, deshalb geht die Entwicklung auch Richtung Technisierung, ohne dabei Masse zu produzieren.
Eine nachhaltige Landwirtschaft braucht Rahmenbedingungen, die es den Bauern ermöglicht, selbstständige Entscheidungen zu treffen. Tierwohl steht ganz oben – nur, wenn es den Tieren gut geht, sind sie wirtschaftlich und Landwirtschaft macht Freude. Für eine Weiterentwicklung ist die regionale Direktvermarktung in Tirol wichtig, so kann die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben.“
Zum Thema „Tierwohl“ erarbeitet ein Student eine wissenschaftlich fundierte Diplomarbeit, deren Ergebnisse im Frühherbst erwartet werden.

 

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.