Die „Perlenkette“ Burgenensemble Ehrenberg wird länger

Heutzutage Gott sei Dank nur noch bei Festakten im Einsatz – doch der Donner der Kugeln hallt immer noch eindrucksvoll: ein dreifacher Schuss aus der Kanone gehörte beim Feiern auf Ehrenberg dazu! RS-Fotos: Schretter

Zwei Highlights hinzugefügt und eingegliedert

Die Burgenwelt Ehrenberg ist ein über die Bezirksgrenzen hinaus bekannter Ort, an dem Geschichte begreifbar und erlebbar wird. Jetzt wurde wieder ein wichtiger Schritt gesetzt und die „Bühne“ Ehrenberg um zwei weitere Kulissen bereichert.

Der Vorhang fällt! Zu sehen ist das rekonstruierte barocke Portal, das 1733 errichtet worden war.

Armin Walch, Geschäftsführer des Vereins Burgenwelt Ehrenberg, konnte bei traumhaftem Herbstwetter zahlreiche Gäste vor einem verhüllten Tor begrüßen. Das Besondere daran: im Zuge der Sanierungsarbeiten beim 1730 erbauten Hornwerk am Schlossanger wurden bei Grabungen historische Originalteile des barocken Haupteingangsportals gefunden. Die Idee, das ehemalige Portal zu rekonstruieren, war geboren. Ein Aufruf über die Medien, eventuell an altes Fotomaterial zu gelangen, blieb erfolglos. Historiker Dr. Richard Lipp konnte helfen. Er wusste, dass im Trauungszimmer in Reutte ein Bild des Tiroler Malers Edmund von Wörndle hängt, das die Situation um 1900 zeigt. Die Daten für eine Rekonstruierung waren ausreichend; Armin Walch gelang es, Fördermittel für die Sanierung, Rekonstruktion und Inszenierung des Hornwerks zu lukrieren. Anhand der gut erhaltenen Portalelemente war es möglich, das „barocke Eingangsportal“ zu rekonstruieren. Ziel war es, eine größtmögliche Übereinstimmung mit dem ehemaligen Erscheinungsbild des barocken Portals zu erreichen. „Ziel war es, den Besuchern ein geschlossenes Erscheinungsbild der Sperrmauer zeigen zu können. Wir wollen den Besuchern eine repräsentative Eingangssituation bieten“, erklärte Armin Walch in seinen einleitenden Worten. Unterstützt wurde er maßgeblich von Burgenforscher Dr. Joachim Zeune.
Die Enthüllung des Portals erfolgte stilecht durch die Landsknechte von Ehrenberg. Schützen der Schützenkompanie Reutte/Bataillon Ehrenberg durchschritten als Erste das barocke Portal.

Durch das Tor ins Hornwerk.

Wer durch das barocke Portal schreitet, gelangt ins ebenfalls rekonstruierte Hornwerk und erfährt in der neu eingerichteten Ausstellung „Angriff und Verteidigung“ Interessantes über das rasante Wettrüsten zwischen Belagerungs- und Verteidigungstechnik seit 1200, vor allem aber seit der Einführung der Feuerwaffen.
1732 wurde die Südseite des Schlossangers zwischen Burgberg (Burgruine Ehrenberg) und Hornberg (Festung am Schlosskopf) mit einem Hornwerk befestigt. Diese strategische Absicherung war zur Verteidigung der Anlage notwendig.
Das ruinöse und nun rekonstruierte Hornwerk zeigt mit der Ausstellung eindrucksvoll, wie wichtig eine strategische Verteidigung war.
Die Kosten für die Adaptierung der Gebäude und die Einrichtung der Ausstellung beliefen sich auf 712 000 Euro, 70 Prozent wurden über Förderungen, 30 Prozent aus Eigenmitteln gestellt.

Heutzutage Gott sei Dank nur noch bei Festakten im Einsatz – doch der Donner der Kugeln hallt immer noch eindrucksvoll: ein dreifacher Schuss aus der Kanone gehörte beim Feiern auf Ehrenberg dazu!

Armin Walch betonte, dass das Hauptinteresse des Vereins Burgenwelt Ehrenberg die Erhaltung des Festungsensembles für die Nachwelt sei. Diesem kulturellen Schwerpunkt stellt er den touristisch-wirtschaftlichen gegenüber. Die Erhaltung des Festungsgürtels ist wichtig für die Region, besuchen doch 350 000 Gäste pro Jahr die Burgenwelt. Der Verein hat sich zudem auch zu einem Arbeitgeber in der Region entwickelt, der derzeit 30 Mitarbeiter zählt.
„Wir agieren nachhaltig, denn jeder verdiente Euro wird wieder in die Burgenwelt Ehrenberg reinvestiert. Diese Entwicklung wird weitergehen. Die Burgenwelt wirkt heute verbindend und völkerverständigend und nicht mehr verteidigend“, schloss Armin Walch seine Ansprache ab.
TVB-Obmann Hermann Ruepp freute sich, dass: „Investoren Brücken bauten und Ehrenberg zu einem Ort der Begegnung machten.“ Ruepp hofft auf weitere Visinen von Armin Walch.
Armin Tschurtschenthaler sprach im Namen der Grundeigentümer und betonte, er teile mit dem Geschäftsführer nicht nur den Vornamen sondern auch die Liebe zu Ehrenberg.
Auch Alexander Oberlechner vom Bundesdenkmalamt streute Rosen. Der schmale Grat zwischen Rekonstruktion und freier Gestaltung sei nicht überschritten worden.
WK-Bezirksobamnn Christian Strigl wünscht sich weitere Umtriebigkeit und intensives Graben, lässt sich doch mit „einem Stoanerhaufen ganz gut Geld verdienen.“
Für Bgm. Alois Oberer reihten sich mit dem barocke Portal und dem rekonstruierten Hornwerk zwei weitere glänzende Perlen in die Kette der Burgenwelt Ehrenberg. Sein Wunsch: eine gedeihliche, leistbare Weiterentwicklung.
NR Elisabeth Pfurtscheller weiß, dass es auf Ehrenberg seit 20 Jahren eine Konstante gibt, den Wandel. „Alle zwei bis drei Jahre kann der Perlenkette ein weiters Highlight hinzugefügt werden. „Immer wieder schafft es Armin, Projekte auf die Füße zu stellen. Er schreitet nicht, wie einst die Landknechte mit gezücktem Schwert, sondern mit gezücktem Plan voran.“ So soll es auf Ehrenberg weitergehen.