Die Qual der Wahl

Liebe Freunde der Europäischen Union!

Demnächst schreiten wir wieder zu den Urnen. Um mit unserer Stimme die Zukunft unseres Kontinents zu bestimmen. Viele von uns hegen Zweifel. Sind verunsichert. Was bewegen wir mit unserem Votum? Garantiert die EU Sicherheit und bewahrt sie uns vor drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen? Wird sie endlich zur Sozialunion? Oder lässt sie die Kluft zwischen Arm und Reich noch mehr auseinander driften? Alle diese Fragen sind für uns schwer zu beantworten. Der Rechtsruck in vielen Staaten forciert nationales Gedankengut. Streichungen von sozialen Leistungen stoßen in breiten Teilen der Gesellschaft auf Applaus. Der auf dieses Phänomen ausgerichtete Populismus kommt gut an. Die Drohung, dass andere auf unsere Kosten leben, ist ein stichhaltiges Argument. Mittellose Ausländer lassen wir erst gar nicht mehr rein. Solche mit Kohle schon. Seit kurzem gehört die heimische Skifirma „Atomic“ zu mehr als 90 Prozent den Chinesen. Davor hielten die Finnen die Mehrheitsanteile an den Brettern, die unserem Nationalhelden Marcel Hirscher zu Weltruhm verholfen haben. Ein paar russische Oligarchen, die über Öl und Gas zu Milliardären wurden, sind längst Eigentümer von hiesigen Hotels. Kanzler Sebastian Kurz besuchte unlängst mit dem Multi-Unternehmer Rene Benko einflussreiche Scheichs, mit denen Österreich in Handelsbeziehungen steht. Als Geschenk wurde ein Lipizzanerhengst überreicht. War wohl nicht ganz billig, dieser Transport. Aber die Wirtschaft blüht. Und die Armut ist an den Rand vertrieben. Was kann da Europa dafür? Im dortigen Parlament werden wichtige Entscheidungen getroffen. Wie zum Beispiel, ob unsere Wirte für Leitungswasser Geld verlangen dürfen. Oder dass Tirols Luftgüte nicht so wichtig ist wie freier Warenverkehr. Gut ist, dass wir unsere Zeche mit derselben Währung zahlen. Ist der Euro ein Teuro? Wir wissen es nicht. Sollten aber trotzdem wählen gehen.

Meinhard Eiter