Die schönen Saiten des Advents

Besinnliche Klänge im Advent spielten nicht nur Michael Haas, Waltraud Tapler, Christine Friedl-Ostheimer und Heinz Strele (v.l.) in der evangelischen Kirche zu Reutte – alle Schüler und Lehrer der Saiten-Ensembles der Musikschule Reutte-Außerfern ließen eine wundervolle vorweihnachtliche Stimmung aufkommen. RS-Foto: Jürgen Gerrmann

Vorweihnachtliche Musik in der evangelischen Kirche Reutte

(jg) „Siehe, Dein König kommt zu Dir!“, zitierte Pfarrer Mathias Stieger zum ersten Advent den Propheten Zacharias. Und diese Botschaft wurde in der evangelischen Kirche in Reutte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen musikalisch verkündet. Auf zwei unterschiedliche Arten.

Den Gottesdienst am ersten Adventssonntag hatte nämlich ein Bläserensemble der Musikschule Reutte-Außerfern unter der Leitung von Sándor Somogyi und Svetlana Zheleva musikalisch bereichert. Nicht nur „Macht hoch die Tür“ erklang dabei mit der vollen Kraft dieser Instrumente, sondern unter anderem auch „O Heiland, reiß die Himmel auf!“ – und Pfarrer Stieger machte das (heute ökumenische) Lied des Jesuitenpaters Friedrich Spee denn auch zur Basis seiner Predigt.

Die für den Tiroler Advent eher typischen leisen Töne, die zum Nachdenken und/oder Träumen einluden, ließen dann am Montagabend darauf Lehrer und Schüler der Landesmusikschule erklingen.

MAL HÖFISCH, MAL ALPENLÄNDISCH.

Mal herrschte eine höfisch-feierliche Atmosphäre (wie bei der Alamande von Samuel Scheidt und der Gaillarde von Tielman Susato, die Christine Friedl-Ostheimer, Waltraud Tapler und Michael Haas mit ihren Gitarren sowie Heinz Strele mit dem Kontrabass interpretierten oder bei Entrée, Sarabande und Menuett von Christian Friedrich Witt, die Edeltraud Wöhry, Joachim Weirather und Markus von Wyschetzky auf ihren Gitarren spielten) – mal fühlte man sich an die Hausmusik in einer Tiroler Bauernstube erinnert – wie beim Rittner Menuett, das Renate Partner und Aiga Lobmayr-Schmied mit dem Hackbrett, Notburga Ihrenberger mit der Gitarre und Julia Sonnweber mit dem Kontrabass intonierten.

Den Engeln wird ja oft eine Harfe als Musikinstrument zugeschrieben. Und deswegen gehört eine Harfe auch unabdingbar zum Tiroler Advent. Wie vielseitig man darauf zu spielen vermag, machten an diesem Abend Caroline Zabernig, Angelika Sprenger, Evelyn Holl und Werner Gratl bewusst. Und das alpenländische Flair machte dann Barbara von Eyck mit der Zither komplett.

Es ist schlichtweg unmöglich, all die Stücke, die da das Herz mit adventlicher Vorfreude erfüllten (beim „Hirtenstückl“ und der „Andachtsweis“ waren auch noch Margarete Kleiner, Christl Budde, Anita Weratschnig und Joseph Tinzl mit ihren Gitarren dabei), im Detail zu beschreiben. Sie umgaben die Zuhörer wie ein wärmender Mantel in einer kalten Zeit, der vor all dem Trubel und der Hektik draußen schützt. Man erlebte buchstäblich die schönen S(a)eiten des Advents. Und das machte Mut zu dem, was Pfarrer Stieger den vielen Zuhörern mit auf den Weg hinaus in die Nacht gab: „Mache Dich auf und werde Licht! Denn Dein Licht kommt.“

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