Die weiße Dame und der Klausenhund

Sie ziehen an einem kreativen Strang: Ritter Rüdiger-Mastermind Toni Knittel und Ehrenberg-Visionär Armin Walch (v.l.). RS-Fotos: Schretter

Sagenverlies, Ritter Rüdiger-Kinderspielplatz und Freiluftarena erweitern Ehrenbergs touristisches Angebot

Wer auf der Fernpassbundesstraße, der B179, in Nord-Süd-Richtung unterwegs ist, folgt dem Verlauf historischer Verbindungslinien. Hier stellten schon die Römerstraße Via Claudia Augusta und die mittelalterliche Salzstraße Lebensadern für die Region „extra verren“ – außerhalb des Fern(-pass) gelegen – dar. Imposante Bauwerke, historische und topmoderne, sind unübersehbare Zeugen.

Was in vergangenen Zeiten über Jahrhunderte hinweg ein trennendes, abwehrendes Element in der Region Außerfern war, ist heute eine Drehscheibe, die Natur und Kultur in einzigartiger Weise miteinander verbindet. Die Burgenwelt Ehrenberg ist die Bühne, auf der Geschichte begreifbar und erlebbar wird. Der touristische und wirtschaftliche Mehrwert für die Region ist enorm.
Die Geschichte der Festungsanlage ist gleichermaßen wechselvoll wie einzigartig: 1268 gingen die Staufischen Besitzungen im Außerfern an den Tiroler Landesfürsten Meinhard II. über. 1296 ließ er die Burg Ehrenberg erbauen und setzte damit den Grundstein für die Entstehung der einst größten zusammenhängenden Sperranlage Nordtirols. Die Ära dieses einzigartigen Festungsgürtels – Talsperre in der Klause, Burg Ehrenberg, Fort Claudia auf der gegenüberliegenden Talseite, Festung auf dem Ehrenberg überhöhenden Schlosskopf und die Ehrenberg umgebenden Vorwerke – endete 1784 mit der Auflassung und Plünderung der Anlage nach dem Erlass von Kaiser Josef II. Es folgten ca. 200 Jahre Dornröschenschlaf.
Vergleichbares ist jedoch kaum zu finden, denn das Festungsensemble Ehrenberg zeigt eindrucksvoll die Entwicklung des europäischen Festungsbauwesens von der mittelalterlichen Höhenburg bis zum italienischen und französischen Artilleriebau. Dem endgültigen Verfall war Einhalt zu gebieten.
So starteten 1970 erste Aktivitäten, diese Anlage zu retten. Im Jahr 2000 wurde ein visionäres Gesamtkonzept, das von Armin Walch entwickelt worden war, beschlossen. Zwei wesentliche Säulen tragen diesen Masterplan: 1. Das Festungsensemble Ehrenberg muss als wertvolles Kulturgut der Region für die kommenden Generationen erhalten werden. 2. Es soll eine kulturtouristische Attraktion als Mehrwert für die Region entstehen, die auch die wirtschaftliche Basis für den Betrieb der Burgenwelt Ehrenberg darstellt.

Die Burgenwelt wächst.

Klause, Burgruine Ehrenberg, Fort Claudia und die Festung am Schlosskopf wurden saniert und inszeniert. In der Klause sind ein hochwertiges Besucherzentrum als Informationsdrehscheibe mit Kassenbereich und Shop, das Museum „Dem Ritter auf der Spur“ und die Naturausstellung „Der letzte Wilde“ eingerichtet worden. Gastronomie und Veranstaltungsorte ergänzen das Angebot. Das der Burgruine Ehrenberg zu Füßen liegende Hornwerk erstrahlt seit Oktober 2018 in neuem Glanz und bietet Raum für die kostenfreie Ausstellung „Angriff und Verteidigung“. Die spektakuläre Fußgängerhängebrücke highline 179 verbindet über das Tal hinweg die Anlagen miteinander und der Schrägaufzug Ehrnberg Liner erschließt das Festungsensemble barrierefrei.

In diesem ehemaligen Pulverraum wird schon bald der Klausenhund hausen.

Diesem Mosaik Burgenwelt Ehrenberg werden schon bald weitere Steine hinzugefügt. Am Schlossanger beim Hornwerk wird eine Freiluftarena mit Bühne und Zuschauerbereich errichtet, die ein einzigartiges Ambiente für verschiedene Veranstaltungen – Konzerte, Theateraufführungen usw. – bietet. Ein unverwechselbares, authentisches Bühnenbild stellt ja die Burgruine Ehrenberg selbst dar, erhebt sie sich doch direkt hinter der Bühne.
Als ganz besonderes touristisches Angebot wird das Sagenverlies im Hornwerk eingerichtet. Damit wird dem Defizit eines Kinderangebots im Bereich der highline, der Ruine Ehrenberg und des Hornwerks entgegengewirkt. Bei diesem komplett wetterunabhängigen, ganzjährig nutzbaren und kostenfreien Angebot für Familien und Kinder wird auch das Ehrenberg „Maskottchen“, Ritter Rüdiger, wieder verstärkt eingebunden.
In zwei mystischen Gewölberäumen entsteht eine fantastische Kinderebene, die die Ehrenbergsagen und ihre Gestalten authentisch präsentiert. Ein Torwärter begrüßt Groß und Klein. Der Klausenhund stellt den Mut der Besucher auf die Probe. Und was hat es mit der weißen Dame und ihrem Diadem auf sich? Ein Geheimis, das es zu lüften gilt. In einem abgedunkelten weiteren Raum zeigt eine Multivisionsshow Ritter Rüdiger, den Zauberer Nebukator, den Drachen Feuermaul, den Babydrachen Juhui und all die anderen Ehrenberger Sagenfiguren. Sie erzählen den Besuchern ihre spannende Geschichte.
Im Außenbereich kann an einer Schandgeige ein ganz besonderes Erinnerungsfoto gemacht werden und der Ritter-Rüdiger-Kinderspielplatz lädt zum Toben ein.

Es geht weiter.
Hat stets neue Visionen im Blick: Der Geschäftsführer des Vereins Burgenwelt Ehrenberg, Armin Walch.

Und weil damit immer noch nicht genug ist, zieht Visionär und „Pfleger von Ehrenberg“ Armin Walch ein weiteres Ass aus dem Ärmel: Er konnte an der äußeren Ringmauer, die auf der Südseite die Burg Ehrenberg schützt, 24 Zangenscharten für Kanonen freilegen.
„Wenn wir die jetzt sichtbar machen, erleben unsere Besucher noch eindrucksvoller, wie ausgefeilt und funktionell die Verteidigung der Burg angelegt war. Auch die Exaktheit der Ausführung ist gewaltig – enorm, was die Handwerker damals geleistet haben“, gibt Armin Walch den Ausblick, dass wohl bereits 2020 auch diese Vision umgesetzt werden wird.