Die Welt zu Gast in Reutte

Bei der Eröffnung in der ersten Reihe: Vorstand Dipl.-Ing. Bernhard Schretter, Vorstandsvorsitzender Dipl.-Ing. Dr. Michael Schwarzkopf, Vorstand Mag. Karlheinz Wex und Prof.Dr. Lorenz Sigl, Leiter F&E Plansee Hochleistungswerkstoffe (v.l.). RS-Fotos: Claus

Wissenschaftler tauschten sich beim 19. Plansee Seminar aus

Ob Solarzellen, LEDs, Röntgengeräte, Implantate, Displays oder Werkzeuge für die Zerspanung – ohne die Werkstoffe Molybdän und Wolfram wären weite Teile der Hightech-Welt kaum vorstellbar. Vergangene Woche tauschten sich Experten aus aller Welt beim 19. Plansee Seminar über Trends, neue Herstellverfahren und geschlossene Wertstoffkreisläufe aus. Zu Gast in Reutte waren rund 470 Wissenschaftler aus der ganzen Welt. 

Im Rahmen der feierlichen Eröffnungsveranstaltung, die vom Streichorchester der Landesmusikschule, unter Leitung von Tobias Lämmle, musikalisch umrahmt wurde, sprach Gastredner und Buchautor Michael E. Raynor über die wesentlichen Zutaten für erfolgreiche Innovationen. Es folgten Vorträge über die Entwicklung des Markts für hochschmelzende Metalle von Ulrich Lausecker und die globalen Trends im Hartmetallmarkt von Christoph Gey. Lausecker ist Geschäftsführender Direktor bei Plansee, Gey ist Entwicklungsvorstand beim amerikanischen Unternehmen Kennametal.

Innovationen sind der Schlüsselerfolg. In seiner Begrüßung erinnerte Vorstand Karlheinz Wex daran, dass das erste Plansee Seminar vor 65 Jahren stattfand, organisiert von Professor Paul Schwarzkopf,  dem Gründer von Plansee. Seine Absicht war es – im Jahre 1952 – die akademischen und industriellen Werte der Pulvermetallurgie zu vereinen. Das Unternehmen sei stolz darauf, dass dies die größte metallurgische Konferenz der Welt ist. „Das Seminar finde in ökonomischer und politischer Ungewissheit statt, auch die Umweltbürokratie und die Hürden zwischen den USA und dem Rest der Welt machen es nicht leichter“, sagte Wex und fügte hinzu: „In unserer Industrie genügt es nicht, nur die Materialien bereitzustellen, sondern auch Lösungen für die Probleme der Kunden zu finden.“ Er glaube fest daran, dass nur permanente Innovationen der Schlüsselerfolg für unsere Industrie sind.

Energie, Transport, Maschinenbau, Unterhaltungselektronik, Medizintechnik: Die Liste der Industrien, in denen pulvermetallurgisch hergestellte Produkte auf Basis von Wolfram und Molybdän benötigt werden, lässt sich fast beliebig lang erweitern. Meist sind diese Produkte unmerklich für den Anwender verbaut oder es werden Werkzeuge aus Hartmetall für deren Herstellung benötigt. In jedem Fall sind diese Produkte nahezu unersetzlich für die steigenden Anforderungen hinsichtlich Qualität, Leistungsfähigkeit und Lebensdauer. Um diese Eigenschaften auch in Zukunft sicherzustellen und weiterzuentwickeln, arbeitet die Wissenschaftsgemeinde intensiv daran, den Aufbau und die Herstellung von Produkten aus Molybdän und Wolfram in anspruchsvollen Anwendungen noch besser zu verstehen. Dieses Verständnis ist insbesondere auch dafür notwendig, um Fertigungsverfahren wie das Additive Manufacturing (3D-Druck) weiterzuentwickeln und Produkt- und Herstellprozesse zunehmend zu simulieren, bevor sie realisiert werden. Zu den weiteren Herausforderungen gehören die Entwicklung neuer Beschichtungen, um Werkzeuge noch verschleißfester und langlebiger zu machen und der konsequente Aufbau geschlossener Werkstoffkreisläufe. Dies zeigt, dass die Wissenschaftler aus 29 Nationen aus den Bereichen der Industrie sowie der Forschungsinstitute und Universitäten eine breite Diskussionsgrundlage und wissenschaftliche Plattform zum Erfahrungsaustausch beim Planseeseminar vorfanden.

Von Uwe Claus

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