Dora Czell

Dora Czell bietet der RUNDSCHAU einen Blick in ihr Atelier. RS-Foto: Friedle

Die bedeutende Tiroler Künstlerin im Portrait

Die Museums-Galerie von Schloss Landeck würdigt die Tiroler Künstlerin Dora Czell vom 28. September bis 26. Oktober diesen Jahres mit einer Ausstellung. Unter dem Titel „Die Erde, der Himmel und DU“ zeigt die Schau sowohl aktuelle Werke als auch eine Retrospektive über das Lebenswerk der Künstlerin.

Von Bernhard Friedle

In der Kunst von Dora Czell sind Raum und Zeit relative Koordinaten, formal und inhaltlich verfolgt sie in ihren Werken aber einen klaren Weg. Die in Innsbruck geborene Künstlerin eignete sich auf der Wiener Akademie bei Professor Lehmden, einem Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die altmeisterliche Maltechnik zu. Die Kunst von Dora Czell sagt viel über ihre Persönlichkeit aus. So begegnen uns in ihren Bildern persönliche Werte, Emotionen aber auch Landschaften, Mythen sowie Lyrik und Musik, die Dora Czell bewegten und die sie mit ikonografischen Mitteln in ihrem eigenen, technisch meisterlichen Stil umsetzt. Die Arbeiten spiegeln die multiplen Gravitationsfelder des Lebens der Künstlerin wider. So unterschiedlich die Werke auch sind, scheinen sie durch ein unsichtbares Netz miteinander verwoben zu sein.Ein Netz, das die Künstlerin beim Kunstmachen webt, aber auch in ihrem Alltag. Etwa bei Begegnungen mit Menschen. Ein Besuch in ihrem Oetzer Privathaus und Atelier wird auch eine Entdeckungsreise durch das Universum der Künstlerin oder vielmehr durch die mannigfachen Universen, die sie bewohnt. Seit 2008 lebt Dora Czell am Oetzer Kirchweg mit einem weiten Blickfeld in die Ötztaler Bergwelt, die sich natürlich auch in ihren Bildern wiederfindet. Einen offenen Zugang zur Welt und zur Kultur entstand bereits in ihrer Kindheit, die geprägt war durch das großbürgerliche Leben ihrer Eltern. Beide waren Akademiker und besonders in der Mutter, einer Wissenschaftlerin für Bodenkultur, erlebte sie eine Förderin ihres künstlerischen Bewusstseins. Bereits als Jugendliche konnte Dora Czell den europäischen Kulturraum bereisen und lernte etwa durch Langzeitaufenthalte in Yorkshire die englische Kultur und Sprache gut kennen oder fuhr als 16-jährige bereits nach Paris, um im Louvre die Mona Lisa zu betrachten. Jahrzehnte wirkte Dora Czell auch prägend als Kunsterzieherin im Gymnasium in Imst und pflegt über zehn Jahre nach ihrer Pensionierung zu vielen ihrer ehemaligen Schüler noch Kontakt. Gern erzählte sie im Unterricht über die alten Meister Bruegel, van Eyck und da Vinci, die ihr auch persönlich wichtig sind und deren Werke sie in den Museen Europas besuchte. Auch heuer bereiste Dora Czell wieder die Toskana, wo sie früher auch viel Zeit mit ihrem verstorbenen Mann, dem Künstler Manfred Wagner und ihrem Sohn Rafael verbrachte und erlebte. Inspiration für die geplante Ausstellung, welche Dora Czell im Schloss Landeck ausrichtet, fand sie auch durch einen Vortrag im Frauenmuseum im Bregenzerwald über die „Frau am Kreuz“. Ein Thema, mit dem sie sich schon vor 40 Jahren in ihrer Kunst auseinandersetzte. Eines der zentralen Werke ihrer kommenden Schau bildet das Bild „Metamorphose“. Hier begegnet dem Betrachter eine Frau mit ausgebreiteten Armen, die mit Ballettschuhen bekleidet tänzerisch über dem farbenfrohen Meer schwebt und von einem Goldregen den Segen von oben erfährt. Dieses Werk entstand aus einem 1979 begonnenen Werk, das in Grau gehaltenem Farbton eine gekreuzigte, leidende Frau darstellte und für das aktuelle Bild als Objet trouvé hergenommen, übermalt und dadurch neu und ergänzend interpretiert wurde. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft fallen hier zu einem bewusstseinserweiternden Moment zusammen und entfalten eine neue Dimension. Nach der großen Ausstellung in der Hörmanngalerie in Imst im vergangenen Jahr bezieht die Kunst von Dora Czell Quartier im Schloss Landeck und bietet einen Blick über das vielseitige Wirken der Tiroler Künstlerin, die mit ihren Werken ein dichtes Netz an Referenzen geschaffen hat. Wie der Titel der Schau „Die Erde, der Himmel und DU“ besagt, findet sich der Betrachter in einer Situation einer Gleichzeitigkeit wieder, Dora Czell zeigt in ihren Werken die vielen Seiten der menschlichen Seele, wobei es ihr nie um eine Nabelschau geht, sondern um das Darstellen geistiger Werte und das über alle Dimensionen hinweg verbindende Element der Liebe.

Mit dem Werk „Metamorphose“ der Darstellung einer gekreuzigten Frau verknüpft die Künstlerin Vergangenes mit Gegenwärtigem und vollzieht den Übergang von Leid und Schmerz zu Heilung und Liebe. RS-Foto: Friedle
Emma, die Hündin, ist stets die Begleiterin und treue Freundin der Künstlerin. Auch heuer bei ihrem Aufenthalt an der ligurischen Küste zur Studie des Meeres war Emma mit dabei. RS-Foto: Friedle

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