Eierlegende Wollmilchsau

Liebe Freunde lukrativer Gesamtangebote!

Der Mensch von heute ist ein Alles-Woller. Und das möglich gleichzeitig. Die Bedürfniskette kennt keine Grenzen. Und man will so schnell wie möglich alle Wünsche erfüllt bekommen. Rasch, unkompliziert und am besten aus einer Hand. Nicht nur Supermärkte decken diese Sehnsucht ab. Auch politische Parteien. Und da ist im Moment in Österreich die Volkspartei die absolute Nummer eins. Jüngstes Beispiel sind die Arbeiterkammerwahlen in Tirol. Mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer wählten den schwarzen Erwin Zangerl erneut zu ihrem Präsidenten. Es gingen zwar kaum Wähler hin. Aber die wenigen, die zur Urne schritten, bescherten dem Tiroler Arbeiterfürsten erneut einen Kantersieg. Und für eine weitere Periode die absolute Macht. Das zugkräftigste Argument des schwarzen Gewerkschafters war sein versprochener Kampf gegen die soziale Kälte. Als deren Hauptverursacher ortet der AK-Chef die Bundesregierung. Und eben diese wird angeführt von Türkis. Der neuzeitliche Ableger von Schwarz ist ein Erfolgsmodell. Eine Art Schutzmantel. Während sich an der Basis und in den einzelnen Provinzen die Vertreter der Bünde – wie zuletzt Wirtschaftsboss Franz Hörl und Arbeiterführer Erwin Zangerl – Scheingefechte liefern, läuft im Bund dank Sebastian Kurz alles smart, elegant und einfach. Der jüngste Kanzler aller Zeiten hat der ÖVP einen neuen Anstrich verliehen. Und einen Freilaufstall für grunzende Schweine und gackernde Hühner gebaut, die sich in der Außenwirkung als eierlegende Wollmilchsau vermarkten. Egal ob Bauern, Wirtschaftstreibende, Konservative, Moderne oder letztlich eben auch die Arbeiter – die Menschen wollen eine Heimat, die allen Ansprüchen genügt. Die Leute sind halt gerne bei den Siegern. Solange beim Schlachten der Sau für alle Wolle, Milch und Eier bleiben, liebt der Knecht den Bauern. Und Katz und Maus genießen den Frieden im Speck.

Meinhard Eiter