Ein Bierlein

Liebe Freunde von Regierungskrisen!

Ein Video aus Ibiza hat Österreich erschüttert. Neben traurigen Fakten bleiben Randnotizen, die Satiriker erfreuen. Während Politiker noch um Argumente ringen, haben Humoristen bereits treffsichere Sprüche und Pointen parat. Wie zum Beispiel: Erst haben zwei Besoffene die Regierung gesprengt, jetzt sorgt ein Bierlein für Beruhigung. Gelungen fand ich auch einen Cartoon mit Sprechblasen von Ex-Innenminister Herbert Kickl und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Kickl versprach dabei vollmundig eine flächendeckende Videoüberwachung. Und Strache ließ den Wiener Proleten raus: „Holt die Pappn, Oida!“ Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Die blauen Skandalbrüder haben ihren Rausch ausgeschlafen. Und nach intensiver Katerstimmung zündete sich unser Bundespräsident genüsslich ein paar Tschick an, um danach die gesamte Ministerriege zu entlassen. Statt Sprücheklopfer haben wir jetzt Experten. Zumindest bis Herbst. Angeführt von Brigitte Bierlein, der Übergangskanzlerin, die bisher als oberste Richterin unsere Staatsverfassung hütete, haben nun Beamte das Sagen. Deren Erstreaktion auf das deftige Geschwätz der turbulenten Maitage war erst einmal kollektives Schweigen. Den Verwaltern waren kaum Worte abzuringen. Sie hätten jetzt zu arbeiten, nicht zu reden, ließen sie verkünden. Für Ruhe sorgte auch „Sascha“, der neue Ehrenbürger des Kaunertals, der das Volk über seine Vertreter stellte und nach dem Ibiza-Theater meinte: „So sind wir Österreicher nicht!“ Und Staatskrise hätten wir laut Van der Bellen ja auch keine. Dank der Eleganz der Verfassung, die uns letztlich eine funktionierende Politik ohne Politiker garantiert. Das bleibt freilich nur ein Momentum. Bald ist Wahlkampf. Und es geht wieder der blaue Dunst auf. Wie die aktuelle Debatte um das Rauchverbot zeigt. Bleibt die Frage: Kommt Rot-Weiß-Rot mit einem blauen Auge davon oder erleben wir erneut ein blaues Wunder?

Meinhard Eiter