„Ein extremes Szenario“

Der Schnanner Dorfbach, der vermurt wurde. RS-Foto: Zangerl

Pettneu/Schnann: Heftige Unwetter und Murenabgänge am 1. August

 

Am frühen Abend des 1. August suchten heftige Unwetter mit Hagel das Stanzertal heim – Murenabgänge in Schnann und Pettneu waren die Folge. Insgesamt 180 Feuerwehrmänner und -frauen aus dem Bezirk Landeck und aus Imst sowie Mitglieder der Feuerwehrschule waren im Einsatz – über 1000 Sandsäcke wurden eingesetzt. Größere Schäden entstanden hauptsächlich im Bereich der Bahnstrecke und des Gewerbegebiets.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

Vorab die persönliche Wahrnehmung des Murenereignisses in Schnann: Gegen 18.30 Uhr am Abend des 1. August, nach geschätzt einer halben Stunde andauernder, heftiger Regenfälle, wurde registriert, dass im Bereich des Schnannerbachs (Dorfmitte) das Wasser fünf bis zehn Meter regelrecht in die „Höhe spritzt“ – kurz darauf kamen sintflutartig große Wassermengen entlang der Dorfstraße unter anderem in Richtung Westen, teils trat das Wasser in die umliegenden Felder. Diese Wahrnehmung bestärkt der Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, Gebhard Walter: „Solche Schilderungen sind typisch – das passt zusammen“ und: „Starkregenfälle kommen sehr schnell, dauern maximal eine halbe bis dreiviertel Stunde. Allerdings glaube ich, dass es im Gebirge schon zuvor zu Hagel und Starkregenfällen gekommen ist. Die Murenkatastrophe 2005 war anders – dieser sind lang andauernde Regenfälle vorausgegangen, das Ereignis am 1. August war ein typisches Starkregen-ereignis.“ Laut einer Schätzung der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) fielen im Bereich Pettneu innerhalb von kurzer Zeit über 60 Liter Regen. Vor zwei Jahren wurde der neue Murenschutz in der Schnanner Klamm eingeweiht, auch der Mündungsbereich in die Rosanna wurde komplett erneuert – 2005 kam es bekannterweise auch zu einer verheerenden Murenkatastrophe: „Die Hauptsperre in der Schnanner Klamm war am Morgen des 2. August pumpvoll, die Sperre hat dennoch eine große Geschiebemenge zurückgehalten – das war einfach ein extremes Szenario“, so Walter, und: „Wenn man sieht, welche Menge zurückgehalten wurde (laut Walter circa 30000 bis 35000 Kubikmeter allein in diesem Becken), muss man sagen, dass der Murenschutz sich dennoch bewährt hat.“

 

Sofortmaßnahmen-Programm“ gestartet. „Die Witterungsverhältnisse am 1. August waren so nicht vorhersehbar – wir wussten um die großen, freien potenziellen Geschiebemengen, die in der Klamm und im Gridlontobel vorhanden sind“, ergänzt Gebhard Walter, „Es ist eine große Menge an Regen zusammengekommen, durch diesen Starkregen kam es zu den schwallartigen Abgängen.“ Walter informierte zudem, dass am Morgen des 2. August gleich ein Sofortmaßnahmen-Programm gestartet wurde. Auch am Folgetag konnte man in Schnann noch nicht aufatmen, weitere Regenschauer waren prognostiziert: „Im Rahmen der Einsatzleitersitzung wird über mögliche Evakuierungen gesprochen“, informiert Bürgermeister Manfred Matt am selben Tag. Das Hauptaugenmerk in den Tagen nach der Murenkatastrophe lag bei Räumungsarbeiten: „Wir wissen, dass wir ein pumpvolles Becken haben, jedes weitere Gewitter kann zusätzliche Muren verursachen“, erklärt Gebhard Walter am 2. August.