„Ein Leistungsfreiraum“

Ein Teil der Besucher des Jugendraums „Club 0816“ mit den Betreuerinnen Alice Platz (3. v. l.) und Leiterin Sieglinde Rudigier (6. v. l.) RS-Foto: Zangerl

Jugendraum Kappl ist Treffpunkt der Zwölf- bis 19-Jährigen

 

Ein geschützter Ort des geselligen Zusammentreffens, der Vernetzung und der Kommunikation wurde in Kappl 2011 mit dem Jugendraum geschaffen. Neben zahlreichen Aktivitäten bieten die Betreuerinnen Sieglinde Rudigier und Alice Platz einen offenen Umgang anstelle von strikten Verboten – mit Erfolg.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

08/15 ist eine gebräuchliche Bezeichnung für etwas Gewöhnliches, Unspektakuläres oder Durchschnittliches. Deshalb würde sie auch nicht zum Jugendraum Kappl passen – er nennt sich daher „Club 0816“. Der Jugendraum ist ein „offener und toleranter Raum“, ein Treffpunkt für Zwölf- bis 19-Jährige. „Jeder kann etwas tun, keiner muss. Es stehen verschiedene Angebote zur Verfügung, über die Nutzung entscheidet jeder Jugendliche selbst …“, wird im Jahresbericht geschildert. Dort besteht kein striktes Alkoholverbot, ab 16 Jahren wird „Softalkohol“ (Bier, Radler) ausgeschenkt. Interessant dabei ist aber der Umgang damit: „Die Jugendlichen konsumieren kaum Alkohol, wenn überhaupt, dann ab und zu ein Bier – aber meis-tens trinken sie Limo“, erzählen die beiden Betreuerinnen, „vermutlich hätten wir dies mit einem Verbot vielmehr zum Thema gemacht – Alkohol spielt in unserem Jugendtreff nicht wirklich eine Rolle.“ Etwas ist unübersehbar: „Wir sind wohl einer der wenigen Jugendtreffs, welcher einen regen Besucherandrang bei den 17- bis 19-Jährigen verbuchen kann“, so die ausgebildete Sozialarbeiterin und Leiterin Sieglinde Rudigier. Sie ist seit Oktober 2013 20 Stunden pro Woche als Jugendbetreuerin der Gemeinde Kappl angestellt, unterstützend zur Seite steht seit Dezember 2015 Alice Platz, Studentin der KPH in Stams.

 

„AM LIEBSTEN SPONTAN“. Die Gemeinde Kappl hat 2011 mit dem Neuaufbau einer offenen Jugendarbeit signalisiert, dass sie der Jugend Raum in der Gemeinde geben will. Und als Treffpunkt hat sich „Club 0816“ längst etabliert: Zwischen 50 und 60 Jugendliche gehen an einem Freitag (Öffnungszeiten sind von 16 bis 22.30 Uhr) ein und aus, an den stärksten Tagen (meist die Wochenendtage) kommen über 60 Jugendliche. Geöffnet ist der Jugendraum zudem mittwochs und samstags (18 bis 22 Uhr). Ein Blick auf die Aktivitäten zeigt, dass auf Eigeninitiative der Jugendlichen gesetzt wird: „Unsere Themenabende wie Koch-, oder Filmabende veranstalten wir am liebsten spontan und auf Initiative der Jugendlichen“, so die Betreuerinnen, auch Ausflüge werden regelmäßig durchgeführt (Skyline Park, Paintball etc.). Finanziert wird der Jugendraum von der Gemeinde, Mobiliar konnten die Teenies teils auch durch Sammelaktionen lukrieren.

 

„EINE ANGENEHME ATMOSPHÄRE“. „Bei uns gibt es keinen Druck, alles erfolgt freiwillig – wir versuchen den Jugendlichen eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, sozusagen einen Leistungsfreiraum“, so die Betreuerinnen. In diesem findet sich auch ein umfangreiches Angebot – von der Chill-Ecke über Billard bis zu Tischfußball oder Tischtennis, aber auch kreativ betätigen sich die Jugendlichen: „Oft wird auch gemeinsam gemalt, gebastelt, Karten gespielt oder gekocht“, erzählt Alice Platz, ihre Kollegin fügt hinzu: „Wir behaupten, wir machen Sozialarbeit – wir versuchen stets, die Jugendlichen da abzuholen, wo sie sind. Wir hören auch viel zu und sind offen für Gespräche.“ Neben dieser Betreuungs- und Beratungsaufgabe ist noch ein Anliegen wichtig: „Wir sind kein Gasthaus, es gibt keinen Konsumzwang – auch sonst sind wir in unserer leistungsfreien Einrichtung so ausgelegt – es gibt keinen Druck, Jugendliche müssen weder gut in Mathe sein noch ein Instrument spielen – es sollte eine Einrichtung sein, in der jeder gerne seine Freizeit verbringen möchte.“ Es gibt selbstverständlich auch No-Gos im Jugendraum: Mobbing, körperliche Gewalt oder sonstige grobe Verstöße werden selbstverständlich nicht toleriert – da greifen die beiden Jugendbetreuerinnen ein, wobei es sehr selten sei, dass solche Verstöße vorkommen. Auch im präventiven Bereich werden Akzente gesetzt: „Im Vorjahr haben wir mit den Mädchen einen Sexualworkshop abgehalten, selbiges ist auch für die Jungs geplant“, erzählen die Betreuerinnen. „Eigentlich ist unser ganzer Jugendraum präventiv – Prävention ist unser Grundkonzept“, erläutern die beiden.

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