„Ein Mensch ohne Freude ist ein Invalide!“

Bot mit ihren Werken ein sehenswertes Wochenende: die versammelte Künstlerschaft in Schloss Sigmundsried RS-Foto: Unterpirker

Ergreifende Durnwalder-Rede bei Eröffnung von Graffiti & Unplugged

 

Jedes Jahr noch schöner, noch angenehmer, noch -erstaunlicher. So einfach könnte das Kulturwochenende „Graffiti & -Unplugged“ in Ried im Oberen Gericht umschrieben werden, das am -vergangenen Wochenende zum bereits siebenten Mal seine -Pforten -öffnete. Einmal mehr im grandiosen Ambiente vom altehr-würdigen Schloss Sigmundsried. Über 30 bildende -Künstler und eine gediegene bunte musikalische Vielfalt wussten mit -ihrem Œuvre ebenso zu überzeugen, wie die mahnenden Worte vom ehemaligen Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder.

 

Von Albert Unterpirker

 

Ich bin der Meinung, dass das hier eine ganz besondere und wichtige Initiative ist“, sagte Luis Durnwalder bei der Eröffnungsfeier im bis auf den letzten Platz gefüllten gotischen Saal von Schloss Sigmundsried. „Es ist viel über Europa geschimpft worden, aber Europa hat uns sehr viel gebracht – auch dass wir so lange in Frieden leben konnten. Wir sollten demnach auch in Demut zurückschauen, was schon alles gemacht worden ist. Jeder, der einen Kopf, ein Herz und zwei Hände hat, soll was tun, und an diesem Beispiel heute sehen wir, dass was getan wird. Das hier ist heute ein kleines Europa“, lobte der ehemalige Südtiroler Landeshauptmann das Engagement vom Kulturverein Sigmundsried. Vor allem auf die verbindende Völkerkomponente ging Durnwalder ein, stand „Graffiti & Unplugged“ heuer doch im Zeichen des Dreiländerecks Nordtirol, Südtirol und Graubünden. Kritisch schloss Durnwalder aber ebenfalls hinsichtlich zerstörerischer (nationalistischer) Tendenzen an: „Die Freude fehlt vielfach. Und ein Mensch, der keine Freude hat, ist ein Invalide!“ Jene Freude, die so vielen Bürgern in diesen gefährlichen Zeiten abhanden gekommen ist, war zumindest für dieses Wochenende in beeindruckender Weise im Schloss zu spüren. Von der „schieren Freude“, mit der Kunst etwas Schönes und dem Menschen eigentlich Würde verleihendes zu schaffen, sprach auch die Innsbrucker Universitätsprofessorin Sybille Moser-Ernst, gleichfalls wie Landtagsvizepräsident Toni Mattle, der auf die Verbindung zwischen Kultur und Politik hinwies. Etwa, „wenn ein Künstler auf die Schrecklichkeiten des Krieges aufmerksam macht“. Mahnend dann wie zuvor Durnwalder: „Bezüglich der Demokratie soll man immer wachsam bleiben!“ Und anspielend auf populistische Strömungen und frühere kriegerische Umwälzungen: „Was einmal passiert ist, kann folglich wieder passieren.“

 

PLATTFORM. Passiert ist allerdings im Schloss Sigmundsried auch wieder einiges. Die siebente Auflage dieses im Tiroler Oberland, ja vielleicht in ganz Tirol (mit Ausnahme von Innsbruck) wohl einzigartigen Kulturevents, ließ wieder Scharen von Besuchern in das Schloss strömen. Bewundert werden konnte im Zuge dieses grenzüberschreitenden Projekts eine breite (und vortreffliche) Palette an ausgestellter bildender Kunst von über 30 Künstlern aus dem In- und Ausland. Geboten wurde an den drei Tagen außerdem eine große, hörenswerte Vielfalt an Konzerten. „Wir verstehen die Veranstaltung als offene Plattform für junge Künstler zur Förderung der Kultur und bildenden Kunst“, erklärt Kulturvereinsobmann Sascha Pedrazzoli. Dass dieses brillante Projekt funktioniert, liegt freilich am unermüdlichen und vorbildhaften Einsatz der Vereinsverantwortlichen und deren Mitglieder. Aber es ist nicht nur „Graffiti & Unplugged“, das dieser famose Verein auf die Beine stellt. Denn das Kulturjahr in Sigmundsried bietet regelmäßig vorzügliche Veranstaltungen, die jährlich von rund 5000 Besuchern in Anspruch genommen werden. Nicht zuletzt deshalb zählt Ried im Tiroler Oberland mittlerweile zu den ersten Adressen am Kultursektor. Bravo!

 

Freuten sich über ein tolles „Graffiti & Unplugged 7.0“: Günter Patscheider (KV Sigmundsried), Toni Mattle, Sybille Moser-Ernst, Luis Durnwalder und Bürgermeister Elmar Handle (v.l.) RS-Foto: Unterpirker
Melanie Thöni aus Zams vor ihrem superben Werk „Ertrinken“ (Acryl auf Holz) RS-Foto: Unterpirker
Einfach nur sensationell: die Ausstellung im Freien von der Künstlergruppe Innsekte (Hubert Patsch, Christian Ladner und Othmar Senn) RS-Foto: Unterpirker
Starke Musik aus Imst: Maria Leiter von „Triple Mix“. RS-Foto: Unterpirker

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