„Ein sehr sicheres Eck von Tirol“

Martinitreff zum Thema Sicherheit im Raum Landeck RS-Foto: Haueis

Kriminalbeamter Dietmar Wachter über die Situation im Talkessel Landeck-Zams

 

Im Talkessel passieren relativ wenige Straftaten – das schützt aber wohl nicht vor der Angst vor ihnen. Kriminalbeamter Dietmar Wachter plädiert deshalb für einen bewussten Umgang mit Medienberichten über Straftaten (und vor allem Fake News) und betont, dass jeder einzelne für seine Sicherheit mitverantwortlich ist.

 

Von Daniel Haueis

 

Dietmar Wachter ist seit 33 Jahren im Polizeidienst – seine Erfahrungen in dieser Zeit hat er am 8. März im Martiniladen in Landeck im 20-minütigen Vortrag mit dem Titel „Sicherheit im Raum Landeck“ weitergegeben. „Für die Bevölkerung zählt das Empfinden, nicht Statistiken“, gesteht er zu, dass Schlagzeilen präsenter sind als echte Zahlen. Österreicher haben oft vor Haus- und Wohnungseinbrüchen Angst – im Raum Landeck gab es im vergangenen Jahr fünf und zwei Versuche. Fünf dieser sieben Fälle wurden geklärt. Autodiebstähle (wovor sich Österreicher ebenfalls oft fürchten) hat es im Talkessel gar keinen gegeben, Autoeinbrüche fünf. Raubüberfälle (einen in zwei Jahren) und Internetkriminalität kommen ebenfalls selten vor. Und die Angst vor jugendlichem Vandalismus lässt sich mit der Statistik ebenfalls kaum begründen: 46 Sachbeschädigungen hat es im vergangenen Jahr gegeben, nur acht davon wurden von Jugendlichen begangen. Angst vor einem Terrorangriff hat jeder dritte Österreicher – Wachters Frage in die Runde: „Für wie wahrscheinlich halten Sie einen Terrorangriff in Falterschein?“ Angst bei Waldspaziergängen entbehrt ein wenig der realen Grundlage: An einen Vorfall in 33 Jahren kann sich Wachter erinnern. Also: „Im Wald ist man sicherer als in der Stadt.“ Im übrigen lebe man als Österreicher ohnehin im drittsichersten Land der Welt, und in Landeck in einem „sehr sicheren Eck von Tirol. Es passiert ganz wenig.“

 

TAKTE JUGEND. Dass früher alles besser war, kann Wachter nicht nachvollziehen: Er ist am Lötzweg in Perjen aufgewachsen und erinnert sich an Prostituierte, Mörder und Kinderschänder in der Nachbarschaft. Und er selbst war auch immer wieder in Raufereien auf dem Schulweg verwickelt: „Ein Schultag ohne Rauferei am Schulweg war kein richtiger Schultag.“ Im Vergleich dazu muss er der Jugend im Talkessel einen kleinen Orden umhängen: „Mit der Landecker und Zammer Jugend sind wir sehr zufrieden. Die sind takt. Das war vor 20 Jahren schlimmer.“

 

FAKE NEWS UND EIGENVERANTWORTUNG. Wachter, der für die anschließende Diskussion die Kollegen Klaus Wolf und Christian Berger (aus Salzburg, derzeit in Landeck) mitgebracht hat, gibt zu bedenken, ob man alles mitbekommen muss, alles was irgendwo auf der Welt passiert ist – Verbrechen werden einem, wenn man will, rund um die Uhr ins Haus geliefert. Und: „Wie gehe ich mit Fake News (Anm.: Falschmeldungen) um?“, fragt Wachter, der zuletzt etwa mit einer via Facebook verbreiteten „Messerstecherei“ in Landeck beschäftigt war – es war eine Rempelei unter Jugendlichen, bei der einer leicht verletzt wurde, Messer war überhaupt keines im Spiel. Und der Kriminalbeamte bricht für die Wahrnehmung der Eigenverantwortung eine Lanze: Wer begrapscht wird, soll ebenfalls handgreiflich werden – diese „Sprache“ wird verstanden. „Jeder ist zu einem sehr großen Teil für seine Sicherheit zuständig“, stellt Wachter fest und gibt anderen damit das Gefühl, nicht ausgeliefert, sondern selbst handlungsfähig zu sein. Hilfe findet man natürlich bei der Polizei, die auch oft in Zivil unterwegs ist. „Wir fühlen uns schon gut aufgestellt“, ist er mit der personellen Ausstattung der Inspektion Landeck zufrieden.

Kriminalbeamter Dietmar Wachter: „Für wie wahrscheinlich halten Sie einen Terrorangriff in Falterschein?“ RS-Foto: Haueis