Ein wunderbares Herz

Geschätzte Gäste bei der Buchpräsentation von Annemarie Regensburger (l.): Schwester Evangelista vom Orden der Trinitarierinnen und Professor Peter Stöger von der Universität Innsbruck, der sich viele Jahre lang mit dem Leben von Schwester Angela beschäftigte. RS-Foto: Matt

Regensburger würdigt Schwester Angela

Der fast vergessene Triumph einer Einzelnen über die beispiellose Grausamkeit eines mörderischen Regimes: Mit ihrem 13. Buch stemmt sich die Imster Schriftstellerin Annemarie Regensburger eindrucksvoll gegen das Vergessen der Trinitarierinnen-Schwester Angela Autsch und ihrer Menschlichkeit während langer Jahre im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Offiziell präsentiert wurde das Werk vergangenen Donnerstagabend in der Imster Tyrolia-Filiale – pünktlich vor der 75. Jährung des Endes eines außergewöhnlichen Lebens.

Von Manuel Matt

„Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“ soll laut Dante Alighieri über der Höllenpforte geschrieben stehen. Ein Irrtum, ist es doch „Arbeit macht frei“, Ausdruck nationalsozialistischer Menschenverachtung und die Inschrift über dem Tor des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, wo fleischgewordene Teufel in Willkür und Uniform über gebrochene Menschen richteten. Was bleibt angesichts solch grenzenlosen Hasses? Zum Engel werden, das Feuer von Hoffnung und Leben entfachen – so wie es Maria Cäcilia Autsch, Schwester Angela Maria vom Heiligsten Herzen Jesu getan hat.

Gedenken

Dass dieses überlebensgroße Symbol von Menschlichkeit einst ein kleines Mädchen war, dass Beeren im Garten pflückte und von einem eigenen Fahrrad träumte, erzählt die heimische Schriftstellerin Annemarie Regensburger in ihrem jüngsten, mittlerweile 13. Buch „Angela Autsch: Der Engel von Auschwitz“ – und höchstpersönlich vergangenen Freitag in der Imster Tyrolia-Filiale. Ihr klarer Stil führt durch das Leben der Ordensschwester, beginnend bei der Kindheit im Sauerland, hin zum Klostereintritt bei Mötz und ihrer Inhaftierung in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Auschwitz-Birkenau, wo sie Schwangere tröstet und Schutz verspricht, lieber hungert, als kostbares Brot für sich zu behalten, und heimlich, unter Lebensgefahr die Wäschekammer aufsperrt, nur um ihren Mitgefangenen zumindest für den Bruchteil einer Stunde das allgegenwärtige Grauen vergessen zu lassen. „Ein Sonnenstrahl“, sagt der anwesende Leiter des Tyrolia-Verlags, Gottfried Kompatscher, über Schwester Angela – nach den Kriegsjahren und in Tirol selbst während des Seligsprechungsprozesses wenig wahrgenommen. Regensburger errichtet ihr ein eindringliches Denkmal, gemäß ihrer Vorsätze als Schreibende: Benennen, nicht umschreiben. Aussprechen, nicht andeuten. Reden, nicht schweigen. Dabei hebt Regensburger auch die Bedeutung von Barbara Cia-Egger hervor, die in Mötz die Erinnerung an Schwester Angela wieder zum Leben erweckt hat.

Heldin in Elend und Leid

Nach zahlreichen, sorgfältig ausgewählten und vorgelesenen Stellen enthüllt Regensburger das sterbliche Ende von Schwester Angela: Vermutlich der Tod aufgrund von Herzversagen während eines Bombenangriffs. Ein letztes Urteil lässt die Schriftstellerin schließlich die Mitgefangene Rosa Jochmann über Schwester Angela sprechen: „Dass sie am Herzen sterben musste, kann ich, ohne Arzt zu sein, verstehen – denn sie trug von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr das Elend und Leid in dieser Welt in ihrem so wunderbaren Herzen.“