Eine besondere Frau

Es geht nur gemeinsam. Ein „Familienbild“ von Künstlern und Organisatoren. RS-Foto: Bundschuh

Dietlinde Bonnlander – Malende, Schreibende, Mahnende und Helfende

Die Arbeiterkammer Imst lud zu Dietlinde Bonnlanders Vernissage „Kinder im Krieg“ mit Liedern, Gedichten und Textauszügen aus Bonnlanders jüngstem Buch „Bruno – das fremde Kind“.

Von Peter Bundschuh

Es war ein ergreifender Abend in Lied, Lyrik und Text. Nicht rührselig, nicht sentimental, aber berührend und anrührend im besten Sinne des Wortes, Dietlinde Bonnlander eben. Nach der Begrüßung durch Kulturstadtrat Christoph Stillebacher fand AK-Imst Leiter Günter Riezler zu einleitenden Worten mit bemerkenswertem Tiefgang. Ein Auszug: „Facetten menschlichen Leids sind dir nicht nur bekannt, die meisten hast du selbst als Jugendliche auf der Flucht durchlebt. Dabei hast du dich mit den traumatischen Erfahrungen deiner Kindheit und Jugend nicht in Schweigen oder jammerndes Selbstmitleid zurückgezogen. Mit deiner Begabung, mit den Mitteln der Kunst warst und bist du stets bemüht, die Erinnerung wachzuhalten und auch den nach dir kommenden Generationen zu helfen, Geschichte zu erfahren und zu verstehen.“

Bruno, das fremde Kind.

In der „schwärzesten Zeit des Jahrhunderts“, der des Nationalsozialismus, werden zwei sehr verschiedene Kinder für kurze 18 Monate zu Freunden. Bis zu dem Tag, an dem das ältere Kind unter unerklärlichen Umständen für das Jüngere aus dem Dorf im Osten Deutschlands verschwindet. „Wahrscheinlich ist es in die verbrecherischen Fänge der Nationalsozialisten geraten. Sein Schicksal ist ungewiss“ (aus Dietlinde Bonnlander „Bruno – Das fremde Kind“, 2. Auflage 2018.) Die Lektüre des Buches erlaubt mehrere Zugänge. Zum einen wurde ein Erlebnis zum Dokument und das Dokument zum als Erzählung gestalteten Bericht. Zum anderen zeigt es aber auch eine den meisten von uns unbekannte Welt des deutschen Ostens auf. Pommern in den 1930er und 1940er Jahren. Der Reporter und Reiseschriftsteller Andreas Altmann meint: „Immer wenn ich von einer Reise zurückkomme, bin ich etwas weniger blöd als davor.“ In diesem Sinne sei die literarische Reise mit Dietlinde Bonnlander auf 160 Seiten nach Hinterpommern der Vorkriegs- und Kriegsjahre ausdrücklich ans Herz gelegt, meint die RUNDSCHAU.

Einfach schön.

Bonnlanders Bilder sind dazu angetan, eine Reihe unterschiedlicher Emotionen zu wecken. „Abendspaziergang“ und „Blauer Reiter“ werden wohl etwas Ungewisses, vielleicht Beunruhigendes ausstrahlen, „Abend in den Bergen“ hingegen eine melancholische Ruhe. Dann gibt es aber auch einfach das Schöne, eben Bildaussagen, in denen man versinkt, weil die Werke ganz einfach schön sind. Beispiele gibt es viele, wie wäre es mit „Mohn im Gras“, „Sommer“ und „Sommer abstrakt“ oder Wiesenblumen, nur um in der Jahreszeit zu bleiben. Auch die Ausstellung in der Arbeiterkammer Imst zeigt die Vielfältigkeit der Künstlerin und ist bis zum 31. August zu den Büro-Öffnungszeiten zu sehen. Das dritte Bonnlander-Buch „Bruno – Das fremde Kind“ ist über die Autorin zu beziehen. Der Erlös aus dem Buch und den Bildern kommt Kindern in Not zugute.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.