Eine Weinreise voller Genuss

Die Sommeliers und Außendienstmitarbeiter, Gerald Schubert und Angelika Kerber sowie Seniorchef Arnold Linzgieseder und Geschäftsführer Alfred Linzgieseder (von links) sind begeistert vom hohen Niveau, das auch diesmal bei den Genusstagen des Ehrwalder Traditionsunternehmens den Außerferner Gastronomen geboten wurde. RS-Foto: Gerrmann

Die Firma Linzgieseder präsentierte den Außerferner Gastronomen jede Menge gute Tropfen

„Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurücklässt, ist bleibend.“: Wenn Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe recht hat, dann denken viele noch lange an die Genusstage, zu denen die Ehrwalder Firma Linzgieseder in der vergangenen Woche eingeladen hatte.

Von Jürgen Gerrmann

Zielgruppe der Aktion waren wie bisher die Linzgieseder-Kunden (350 werden Woche für Woche beliefert): Gastronomen im Außerfern, aber auch auf dem Mieminger und Seefelder Plateau.
Im Gegensatz zu den früheren sieben Auflagen mit einem großen Termin setzte man diesmal auf Dezentralität: Im „Mohren“ in Reutte, in der „Post“ in Steeg, im „Sonnenhof“ in Grän sowie im „Golfino“ in Ehrwald präsentierten exzellente Winzer ihre Neuigkeiten.
„Das Publikum war durch die einzelnen Termine zwar reduziert, aber sehr interessiert“, zeigte sich Juniorchef Alfred Linzgieseder zufrieden. Denn diese Variante habe einen großen Vorteil: „Die Winzer haben mehr Zeit für den einzelnen Kunden.“
Langjährige Partner der Firma, die das Außerfern schon seit 1936 – nun in der dritten Generation („Und die vierte ist bereits im Anmarsch“, schmunzelt der Juniorchef) – mit guten Getränken aller Art versorgt, waren bei diesem „Get-together der heimischen Gastronomie“ (wie es neudeutsch heißt) vertreten. Aber auch neue Lieferanten konnten ihre Kompetenz unter Beweis stellen.

Aus dem Kamptal.

Sekt nach traditioneller Flaschengärung ist zum Beispiel die Spezialität des Weinguts Steininger in Langenlois im Kamptal. „Seit 1989 präsentieren wir die österreichischen Rebsorten als Sekt“, erzählt Eva Steininger, die unter anderen die Sekt-Varianten von Burgunder und Grünem Veltliner, Sauvignon Blanc und Traminer kredenzte: „Zudem zeigen wir auch die Lagen, wo die Trauben wachsen. Das ist eher selten.“
Markus Weinschütz führt das Familienweingut gleichen Namens in Strass im Kamptal nun in der dritten Generation: „Wir legen Wert auf Herkunft, Ehrlichkeit und Typizität unserer Weine.“ Was Letzeres bedeutet? „Bodenständig sollen sie sein. Mit viel Charakter.“ Trocken werden sie ausgebaut. Und: „Sehr fruchtbetont.“ Highlight in der Produktpalette des mit 250 Metern in optimaler Höhe liegenden Weinguts: der Grüne Veltliner der Lage Rosengarten.

Aus der Steiermark.

Ein relativ junges Weingut aus dem Steirischen Vulkanland vertrat dessen Gründer Alois Gollenz: In Tieschen strukturierte er vor zehn Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern um und produziert nur Weißwein. Der mineralienreiche Untergrund und die warmen Böden sorgten bei ihm für kräftigen Weine, erklärt er. Seine Spezialitäten? „Weißburgunder, Chardonnay und Grauburgunder.“
Thomas Sponring vom Weingut Domäne Müller in Groß St. Florian in der Südsteiermark konnte mit einem Superlativ aufwarten. Der Zweigelt Origo 34 vom Ried Ottenberg, den er unter anderem einschenkte, stammt aus dem ältesten Weinberg mit dieser Sorte von ganz Österreich: Deren Namensgeber Dr. Fritz Zweigelt hat dessen Reben vor nunmehr 84 Jahren selbst gepflanzt, als die Rebfläche noch im Liechtensteinschen Besitz war. Zwei Jahre später stieg dann die Familie Müller in den Weinbau ein und pflegt seither 30 Hektar.

Thermenregion und Burgenland.

Gar bis 1700 reicht die Tradition der Winzerfamilie Schup aus Guntramsdorf in der Thermenregion zurück: „Ich bin der sechste Gregor“, stellt sich deren Repräsentant vor. Alle in der Familie arbeiten übrigens mit – auch die Schwester und die Eltern. Deren besonderes Reben-Glanzlicht? „Unser Rotgipfler ist eine autochthone Sorte. Davon gibt es nur 105 Hektar auf der ganzen Welt.“ Dessen Geschmack beschreibt Gregor Schup so: „Vielfältig und exotisch. Ein idealer Speisebegleiter.“
Die Qualität aller seiner Weine führt er auch darauf zurück, dass die Thermenregion von der Natur sehr gesegnet sei: „Wir haben nie Probleme mit dem Wetter. Es gibt nie Frost und gegenüber dem Rest von Österreich liegt die Durchschnitts-temperatur um drei Grad höher.“ Schon vor 2000 Jahren hätten die Römer dort Wein angebaut, nicht ohne Grund werde die Region auch als „Burgund Österreichs“ bezeichnet.
Zu den ersten Weingütern Österreichs, die ein Nachhaltigkeitszertifikat erhielten, zählt K.+ K. Kirnbauer in Deutschkreutz. „Unser Slogan lautet ,Ein Königreich für eine Traube’, sagt Markus Kirnbauer: „Gesunde, gute Trauben aus unserer intakten Natur ergeben saubere, klare, fruchtbetonte Weine mit langer Haltbarkeit.“
Man lege mitten im Blaufränkischland Wert auf regenierbare Ressourcen und verzichte auf Herbizide und Insektizide. Das Flaggschiff des Guts sei dabei seit 1987 das Phantom Cuvée: „Mittlerweile ist das der bekannteste Rotwein Österreichs.“

Venetien und Toscana.

Die Linzgieseder-Weinreise führte aber auch in Tirols südliches Nachbarland Italien: Aus Venetien hatte Magnus Saccone seine guten Tropfen mitgebracht, die auf 250 Hektar in der historischen Zone des Valpolicella Superiore in Campocroce gedeihen. Seit 2013 hat man sich für ein hochwertiges Profil entschieden – und heuer von Italiens berühmtesten Weinführer „Gambero Rosso“ (Italiens „Falstaff“) drei Gläser zuerkannt bekommen: „Das ist die höchste Auszeichnung in Italien.“
1979 kaufte die Südtiroler Familie Schwarz ein Weingut in sehr guter Lage auf 400 bis 500 Metern in Montalcino in der Toscana: „Damals gab es dort 20 Produzenten. Jetzt sind es 200“, berichtet Fabian Schwarz, dessen in der Nähe eines uralten Rastplatzes für Pilger gelegenes Gut den Namen „La Magia“ trägt: „Wir produzieren Bio-Weine, Qualität steht dabei schon an vorderster Stelle. Wir haben es ja gut. Alle unsere Weinberge sind nach Süden ausgerichtet und haben den ganzen Tag Sonne.“ Kein Wunder, dass nicht zuletzt auf den Brunello von dort die deutschen Ex-Minister Joschka Fischer und Otto Schily wahre Lobeshymnen sangen.
Nicht zu beneiden waren angesichts all der guten Tropfen die Außerferner Gastronomen. Sie mussten erleben, wie wahr ein altes Sprichwort gerade in Bezug auf Genusstage der Linzgieseders ist: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

 

 

 

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