Einfach nur lecker!

Liebe Freunde gut gemeinter Ratschläge!

Als Kolumnist bist du deinen Lesern verpflichtet. Um zu wissen, wer diese sind und wie sie ticken, stelle ich mich fallweise meinem Publikum bei Liveauftritten. Unterstützt von meinem Freund Dieter, der die Zuhörer mit musikalischen Balladen erfreut, trage ich eine Auswahl meiner Glossen vor. Während der dabei fallweise auf uns einprasselnde Applaus wohl in erster Linie den Liedern meines Bühnenpartners gilt, stelle ich mich dem Smalltalk nach der Lesung, um Anregungen und Ideen für mein künftiges wortklauberisches Tun abzuholen. Nebst anerkennendem Lächeln und wohl meinendem Händeschütteln kommentieren meine Gäste auch Textpassagen im Detail. Und so meinte jüngst eine Frau bei meinem Auftritt in der Landecker Bücherei, sie lese meine Buchstabenansammlung wöchentlich durchaus mit Freude und Genuss. Gestört habe sie bisher aber vor allem ein Wort. Der Begriff „lecker“ passe ihrer Meinung nach nicht in unseren Sprachgebrauch. Diese Abneigung gegen das „Piefkenesische“ fand einen, neben uns genüsslich rauchenden, Unterstützer. Auch er sei entschieden gegen „lecker“ und nannte auch gleich einen prominenten Mitstreiter gegen diese Unsitte. Otto Schenk, der beliebte Schauspieler und Kabarettist, habe einmal gesagt, dass er bei „lecker“ zwangsläufig an den „Lecker“ denke, was die Sache rein von der optischen Vorstellung im Zusammenhang mit kulinarischen Köstlichkeiten ziemlich unappetitlich mache. Das ist ein einleuchtendes Argument. Und so schaute ich in den Duden, um Verdaulicheres zu finden. In der Tat führt die deutsche Sprache mit Begriffen wie „wohlschmeckend“, „delikat“ oder schlicht „mundend“ durchaus nobler klingende Begriffe. Für Feinschmecker, die ihre Gaumen ständig auf‘s Neue verwöhnen wollen, fand ich im Internet übrigens ein Magazin namens „Lecker“. Das gibt es zehn Mal pro Jahr. Als unkonventionellen Ratgeber für experimentierfreudige Lecker-Schmecker!

Meinhard Eiter

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