Einheimische bevorzugt

Bgm. Wilfried Fink (l.) trat für eine „einheimische Lösung“ ein. Gemeindevorstand Peter Raggl kündigte an, die Entscheidung prüfen zu lassen. RS-Fotos: Tiefenbacher

Schönwies: Harte Debatte im Gemeinderat um Jagdvergabe

 

Der Gemeinderatssitzungssaal in Schönwies war vergangenen Mittwoch zum Bersten voll: Mit Hochspannung wurde die Gemeinderatssitzung erwartet – es stand die Vergabe der Jagdreviere am Programm.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Seit 36 Jahren pachtete der Zammer Unternehmer Erwin Bouvier sen. die Jagden in Schönwies. Es geht hier um zwei Jagdgebiete: die Nordseite mit 750 Hektar Jagdfläche und die Alpe Larsenn mit rund 1550 Hektar Jagdfläche. Beide Jagden wurden bisher von den Agrargemeinschaften vergeben. Weil es sich bei diesen um Gemeindegutsagrargemeinschaften handelt, vergibt jetzt der Gemeinderat Schönwies. Am 1. April 2017 beginnt eine neue zehnjährige Jagdperiode, deshalb wurden die beiden Jagdreviere im Februar ausgeschrieben. Sieben Angebote wurden gelegt. Die Preise sind die Pacht der Jagden pro Jahr. Das höchste Angebot stellten mit 23.700 Euro Dominik Plank und Franz Höllwarth aus Stumm im Zillertal. Ihm folgte das Angebot von Martin Eberharter, ebenfalls aus Stumm. Es liegt 2.600 Euro unter dem Höchstangebot. Der bisherige Pächter Erwin Bouvier sen. unterbreitete das dritthöchste Angebot (18.200 Euro). Das vierthöchste Angebot betrug 15.500 Euro von Paul Huber und Simon Lenhart aus Schönwies. 14.000 Euro bot Emil Pechtl aus Imst. Dem folgte das Angebot des Jagdvereins Schönwies mit 13.000 Euro. Das Angebot mit dem niedrigsten Preis (12.000 Euro) stammt von Martin Pechtl aus Imst.

 

PRO JAGDVEREIN. Die Positionen der drei im Gemeinderat vertretenen Fraktionen wurde bei den ersten Wortmeldungen klar ersichtlich: Die Bürgermeisterliste rund um Wilfried Fink (SPÖ) und die Bürgerliste mit Listenführer Peter Bartl favorisieren den Jagdverein Schönwies. „Wir haben endlose Diskussionen innerhalb unserer Liste geführt. Die Jagd in Schönwies zu lassen, war die einhellige Meinung aller“, argumentierte der Dorfchef. Die Ausschreibung, so Fink weiter, sei auch so verfasst worden, dass für die Vergabe nicht nur der Preis ausschlaggebend sei, sondern der Gemeinderat ohne diese Bindung frei entscheiden könne. Für die SPÖ-Fraktion sei ein ausschlaggebendes Argument für den Jagdverein, weil dieser Einheimischen insgesamt zehn Jagdkarten zur Verfügung stelle und zusätzlich alle zwei Jahre drei Karten verlose. „In zehn Jahren könnten dadurch 20 bis 25 Schönwieser auf die Jagd gehen.“ Bei den anderen Lösungen seien es erheblich weniger. „Die weiteren Interessenten aus Schönwies, Paul Huber und Simon Lenhart, würden sieben Jagdkarten an Einheimische ausgeben und der bisherige Pächter Erwin Bouvier sen. nur fünf“, wusste Fink aufgrund von Nachfragen. Apropos Bouvier: Ihm zollte Bgm. Fink ein Lob für seine Pächtertätigkeit. Peter Bartl meinte, Zams sei für ihn ein Paradebeispiel, wie tadellos es funktionieren könne, wenn in einem Revier nur Einheimische auf die Jagd gehen. „Wieso sollte dies in Schönwies nicht möglich sein“, meinte Bartl.

 

CONTRA JAGDVEREIN. Gegen die Vergabe an den Jagdverein sprach sich die Liste „Für Schönwies“ aus. „Wir wollen einen Pächter, der Verantwortung trägt“, und die Liste warf sich für Erwin Bouvier sen. in die Bresche. Die beiden Höchstangebote aus dem Zillertal fielen bei dieser Liste durch den Rost, da eine kommerzielle Nutzung nicht auszuschließen sei. „Aus unserer Sicht ist daher Bouvier der Bestbieter“, betonte Listensprecher Reinhard Raggl und stellte diesem ein gutes Zeugnis als Pächter aus. Listenkollege Peter Raggl legte argumentativ nach: „Die Differenz zwischen Bouvier und dem Jagdverein beträgt in zehn Jahren 52.000 Euro. Darum werden die Agrargemeinschaften es sich nicht leisten können, auf Bouvier zu verzichten. Ansonsten ist es eine Freunderlwirtschaft.“

 

ENTSCHEIDUNG. Das ließ Bgm. Fink nicht auf sich sitzen: „Ich verwehre mich gegen den Vorwurf der Freunderlwirtschaft. Er ist aus den Fingern gesogen“, sagte Fink und konterte: „In den vergangenen Jahrzehnten ist hinsichtlich der Jagdverpachtung in Schönwies viel Geld liegen gelassen worden. Durch die Vergabe an den Jagdverein wird die Jagd für die breite Masse der Jäger in Schönwies geöffnet. Wenn wir uns nicht für den Jagdverein entscheiden, müssen wir die Jagd an die wirklichen Bestbieter vergeben.“ Als für „Für Schönwies“ klar war, dass hier kein Spielraum besteht und dies die unverrückbare Position der Mehrheit des Gemeinderates (Bürgermeister-Liste und Bürgerliste) ist, schwenkte diese Liste auf eine Konsenslösung – Vergabe an die Schönwieser Huber und Lenhart – ein. Es gab eine Kampfabstimmung, die 8:5 zugunsten des Jagdvereines endete. Peter Raggl kündigte an, die Entscheidung hinsichtlich eines Einspruches prüfen zu lassen. Daraufhin meinte Bgm. Fink: „Die Möglichkeit eines Einspruches wird man in Kauf nehmen müssen.“

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