Eismeister am Piburger See

Seehäusl-Gastwirt Reinhard Juen und Eismeister Ferdinand Plattner (r.) beim Austauschen „eisiger“ Anekdoten. RS-Fotos: Suitner

Ferdinand Plattner ist Mastermind der Natureisarena Piburger See oberhalb von Oetz

Nicht nur im Sommer dient das Naturjuwel Piburger See im vorderen Ötztal gleichermaßen Einheimischen wie Urlaubsgästen zur Abkühlung und Erfrischung, sondern steht seit mittlerweile über 20 Jahren auch begeisterten Wintersportlern als natürliche Eisarena zur Verfügung. Als „Mann der ersten Stunde“ sorgt Ferdinand Plattner für beste Bedingungen und kümmert sich um die eisläuferischen Belange der BesucherInnen, wenngleich sich die Methoden der Eisaufbereitung im Laufe der Jahre doch wesentlich verändert bzw. verbessert haben.

Was einst als Freizeitspaß für ansässige Kinder begann, hat sich mittlerweile zu einer touristischen Attraktion und einem wertvollen Zusatzangebot abseits der Skipisten entwickelt. Aufgrund der Kessel- und Schattenlage friert der Piburger See bei entsprechenden Minusgraden im Winter in seiner Gesamtheit zu und ermöglicht bei Gegebenheit der erforderlichen Eisdicke ein unvergleichliches Schlittschuhvergnügen inmitten einer prachtvollen Naturkulisse. Dass es bis zur Freigabe der Eisfläche ein langer und arbeitsintensiver Weg ist, weiß „Eismeister“ Ferdinand Plattner, der mit Herz und Leidenschaft seit Beginn der eisläuferischen Zeiten am Piburger See maßgeblich tätig ist.

Mähmaschine mit Pflug.

Mit einem Schmunzeln denkt Plattner an die Anfänge der Eisaufbereitung zurück: „Mitte der neunziger Jahre, als wir mit der Präparierung und Schneeräumung der Eisoberfläche begonnen haben, stand uns als improvisiertes Hilfsmittel eine Mähmaschine zur Verfügung, an die wir vorne einen Pflug angebaut haben.“ Mit den Kollegen Luggi Kernbeiß und Siegfried Plattner wollte man die Arbeitsbedingungen im nächsten Schritt mithilfe eines Traktors verbessern, der sich aber als zu schwer erwiesen hat und teilweise eingebrochen ist. In den letzten Jahren wurde nicht zuletzt durch das Engagement des Tourismusverbandes und der Gemeinde Oetz ein eigener Quad mit einem Räumschild angeschafft, der ein professionelles und schnelles Räumen ermöglicht. Um die Qualität der Eisaufbereitung zu optimieren, hat man den Gerätepark vor kurzem noch durch eine spezielle Bürste ergänzt, die das Eis nach dem Abschieben des Schnees regelrecht „poliert“, glättet und ein angenehmes Gleiten ermöglicht, womit Bedingungen nahe einer Kunsteisarena geschaffen werden können.

Sicherheit steht an oberster Stelle.

Lag die Verantwortung für die Freigabe des Eislaufens in den vergangenen Jahren ausschließlich bei Ferdinand Plattner, ist vor nunmehr 2 Jahren eine offizielle „Eiskommission“ installiert worden, die diese Aufgabe übernommen hat und sich die Sicherheit der EisläuferInnen auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dieser Kommission gehören neben Plattner selbst Bgm. Hansjörg Falkner als Vorsitzender, Markus Schennach, Kommandant der FF Oetz, Clemens Prantl und Christoph Rauch vom Ötztal Tourismus sowie Clemens Plattner aus Piburg an. „Über einhundert Einstiche in Abständen von zehn Metern, verteilt über den gesamten See, wurden heuer mit der Motorsäge, die mit einer eigenen Skala versehen wurde, durchgeführt, um die Eisdicke zu überprüfen“, erklärt Ferdinand Plattner. „Bei einer Dicke von mindestens zehn bis 18 Zentimetern kann problemlos die Freigabe für die Eisläufer erteilt werden, durch die heuer herrschenden, tiefen Temperaturen haben wir fast durchgängig 20 Zentimeter dickes Eis, das auch einen Traktor mit Leichtigkeit tragen würde.“ Da das Natureis eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt, ist auch die Kontrolle der Beschaffenheit des Eises wichtig: „Das Eis sollte kristallklar sein und keine Einschlüsse oder Blasen aufweisen“, so Plattner. Neben der ständigen Eisüberprüfung wurden zusätzlich eigene SOS-Stationen vor Ort entwickelt und an drei Punkten flächendeckend installiert, um das Sicherheitskonzept für die WintersportlerInnen abzurunden.

Uriger Gasthof zum Einkehren.

Am oberen Ende des Piburger Sees befindet sich neben der Seerestauration auch das „Seehäusl“, eine urige Gaststube, die vom Pächterehepaar Juen mit viel Liebe und Arbeit renoviert wurde. Normalerweise im Winter geschlossen, gab die Durchführung einer privaten Feier in Kombination mit vielen Anfragen Anlass dazu, auch in den Weihnachtsferien die Pforten zu öffnen.

Die frostigen Temperaturen und das winterliche Landschaftsbild laden sowohl EisläuferInnen wie auch Winterwanderer ein, sich in gemütlicher Atmosphäre aufzuwärmen und bei Speis und Trank wieder Kraft für den „Außeneinsatz“ in frischer Luft zu tanken. „Am Neujahrstag sind sogar drei Paragleiter auf dem See gelandet“, schwärmt Gastwirt Reinhard Juen von der zunehmenden Besucherfrequenz und freut sich über die Dankbarkeit der EinkehrerInnen, daher sei in den Semesterferien das erneute Aufsperren wieder fix eingeplant.

Ausbau wird weiter forciert.

„Über 250 begeisterte Schlittschuhläufer jeden Alters waren an Silvester am See anzutreffen“, freut sich Touristiker Christoph Rauch, Ortsstellenleiter des Vorderen Oetztales, und sieht sich in den Bemühungen der letzten Jahre bestätigt: „Im Gasthof ,Piburger See‘ ist für alle interessierten Eisläufer jetzt auch ein Schlittschuhverleih angesiedelt, sodass jeder, ob Profi oder Anfänger, seine Runden am See drehen kann.“ Um die Zufahrt möglichst einfach und gästefreundlich zu gestalten, wurde auch ein eigener Shuttleservice zum See eingerichtet, die Abfahrt erfolgt täglich um 10.43 Uhr vom Posthotel Kassl in Oetz. Neben der Eisfläche und der Rodelbahn, die mithilfe einer eigens installierten, mobilen Beschneiungsanlage als perfekte Verbindungsstrecke zum See dient, soll das Wintersportkonzept am Piburger See weiter forciert werden. So sind laut Christoph Rauch eine neue WC-Anlage und eine eigene Garderobe mit dazugehörigem Winterraum in Planung, um die Rahmenbedingungen rund um das Oetztaler Naturjuwel für alle Outdoorbegeisterten im Winter weiter zu verbessern.

von Wolfgang Suitner

Begeisterte Kufenflitzer beim Drehen der Runden am Natureisplatz.

Auch bei Tiefsttemperaturen im Einsatz: Ferdinand Plattner mit seinem professionellen Eisaufbereitungsgerät.

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