Engagiert, selbstbewusst und schlagfertig

Alle Teilnehmer – Juryvorsitzende Alexandra Posch: „Ihr wart großartig und ich habe viel Respekt vor euch“. RS-Foto: Claus

Hochkarätige Beiträge beim Jugendredewettbewerb

Die Jury war nicht zu beneiden, am Schluss bei den hochkarätigen Beiträgen beim 22. Jugendredewettbewerb im Veranstaltungszentrum Breitenwang eine gerechte Reihung vorzunehmen. Denn die vortragenden Schülerinnen und Schüler strahlten viel Selbstbewusstsein aus und trugen ihre Ansprachen in den Kategorien „Klassische Rede“, „Spontanrede” und „Neues Sprachrohr” größtenteils sehr souverän vor.

Von Uwe Claus

Sie boten einen tollen und abwechslungsreichen Abend, den das Jugendzentrum „Smile“ Reutte mit viel Engagement organisiert hatte. Bereits zum zehnten Mal hatte Michael Hold in bewährter Weise die Moderation übernommen und nahm den Vortragenden ihr erstes Lampenfieber. Auch die individuellen Fragen zu den jeweiligen Themen, die Sandra Fügenschuh stellte, wurden von den Probanden zielsicher beantwortet. Die musikalische Umrahmung hatte wieder die Schülerband des Klavier- und Jazzinstituts, unter Leitung von Andreas Kopeinig, übernommen.

Kostproben.

Hier Auszüge aus den zwölf Beiträgen der dreizehn Teilnehmer:  Zum Thema „Sport und Gesundheit“ erinnerte Muhammed Celebi daran, dass der eigene Körper auch das Kapital ist. Ausstrahlung, Mimik und Gestik sind „deine persönliche Visitenkarte“. Er gab den Rat: „Gehe mit deinem Körper verantwortungsvoll und pfleglich um – treibe Sport und ernähre dich vernünftig.“

Sina Eberle stellte die Ungleichbehandlung von Menschen mit Handicap in der Gesellschaft in den Mittelpunkt ihrer Rede. Sie verband die Frage „Was ist schon normal?“ mit der Aussage: „Sind Menschen nicht normal, weil sie anders aussehen?“ Um Ausgrenzung zu vermeiden appellierte sie, Menschen mit Handicap mit Zivilcourage zu unterstützen und sich bei Bedarf mutig für sie einzusetzen. „Denken Sie darüber nach“,  war das Fazit, das sie den Zuhörern mit auf den Weg gab.

Die Lacher auf ihrer Seite hatten Laura Federspiel und Sabrina Lachmair mit ihrem „rustikalen“ Bewerbungsgespräch, das vor Augen führte, wie ein solches nicht ablaufen sollte. Sabrina dürfte mit ihrem burschikosen Auftreten im richtigen Leben keine Aussicht auf die angestrebte Lehrstelle haben, erstaunte sie ihr Gegenüber doch ein um das andere Mal.

Dass „Das Handy Fluch oder Segen“ sein kann, stellte Monja Mathilde Rudigier in den Fokus ihres Beitrags. „Muss man überall und jederzeit erreichbar sein?“, fragte sie oder reicht es nicht, den Gebrauch der jeweiligen Situation anzupassen? Den Gruppenzwang immer nachzugeben – auf Dauer mache das einsam. Positiv wertete sie die Nutzungsmöglichkeit z.B. beim Notruf – da könne das Handy Leben retten.

Franziska Diana Kohl beleuchtete in ihrer Spontanrede das Thema „Religion-Sekten-Weltanschauung“. Sie stellte fest, dass es jedem selbst überlassen werden sollte, wie er mit diesem Thema umgeht. Sie sieht für sich keine Probleme mit den verschiedenen Glaubensrichtungen und geht locker damit um.

Hervorragend ging Dominico Bucarica mit der Frage „Kindheit ohne Computer“ vor das Publikum. „Wenn 13- bis 17-Jährige sieben Stunden lang täglich an den Geräten sitzen, bekommmen sie wenig von der realen Welt mit“, so sein Standpunkt. Hier seien Einschränkungen nötig, Sport und mit Freunden treffen sei zielführender. Die Aussage „Ich möchte keine Kinder“, im Rahmen des Themas Jugend und Familie, stand im Mittelpunkt des Vortrags von Julian Wachter. Er trug seine Ansichten plausibel vor, denn Kinder bedeuten für ihn Stress und persönliche und finanzielle Einschränkungen. „Wenn dies auch egoistisch klingt – jeder muss hier für sich selbst entscheiden“, so sein Standpunkt. Engagiert wandte sich Juliane Hierzer mit ihrem Thema „Umwelt“  an das Publikum: „Wir haben nur einen Planeten und die Bedrohung von Flora und Fauna nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an.“ Hier sei ein Umdenken bei den Menschen dringend nötig, um den Rohstoffverbrauch einzuschränken, die Boden- und Meeresverunreinigungen einzustellen sowie des Öfteren vom Auto aufs Rad umzusteigen.

Lachend-weinend-schreiend – die Poetry Slam (Poesiewettstreit oder Poesieschlacht), wobei Valerie Bösz ihre selbst geschriebenen Texte vortrug, fand im Publikum große Beachtung. Konsum, Inkonsequenz, Beeinflussung durch mediale Mächte waren dabei zentrale Themen und der Appell, „die Kunst des Nachdenkens“ zu bemühen, machte sicherlich Eindruck bei den Zuhörern.

Die Geschichte der Integration innerhalb der eigenen Familie schilderte Argjent Shala mit eindrucksvollen Worten. Aus dem Kosovo eingewandert, erzählte er von den nicht immer einfachen Umständen für die Familie, über die familiäre Disziplin und er gab einen Einblick in die gelebte islamische Religion. „Bei allen Unterschieden – ich fühle mich als Österreicher”, stellte er fest. Wie bereits ihre Schulkollegin Franziska Diana Kohl hatte sich Sarah Nägele dem Thema „Religion-Sekten-Weltanschauung” gewidmet. Die Positionierung sei nicht immer einfach und die Grenzen oft fließend. „Vernarrtheit“ in die eine oder andere Richtung ende oft im Fanatismus, war ihre Anschauung. Sozusagen als alter Hase stand am Schluss Annabell Poberschnigg auf der Bühne – schon des Öfteren hatte sie zu den verschiedensten Themen in der klassischen Rede Stellung bezogen. Diesmal war es „Einer von uns is(s)t immer“ – ein Hinweis auf Essattacken, Essstörungen, die damit verbundene Magersucht, das krankhafte „Gesundessen” etc. Ihr Vortrag endete mit dem Satz „Wenn die Seele hungert, macht Essen nicht satt”, womit sie auf die multiplen Ursachen im seelischen Bereich hinweisen wollte.

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