Entfesselt!

Pfarrkoordinatorin Burgi Urschitz, Diakon Patrick Gleffe, Dekan Franz Neuner und Pfarrer Mathias Stieger mit den Ministranten (v.l.) feierten gemeinsam den ökumenischen Gottesdienst. RS-Foto: Schretter

Ökumenischer Gottesdienst zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen

 Die Weltgebetswoche führt weltweit christliche Gemeinden zusammen. Gebetet wird um die Einheit der Christen. In diesem Jahr bereiteten die Kirchen der Karibik die Unterlagen für diese Woche vor.

Als im 15. Jahrhundert die europäischen Kolonialmächte begannen, mit ihrem gewalttätigen Regime auch die Menschen der Karibik zu unterdrücken, verlangten sie von diesen auch, den christlichen Glauben anzunehmen. Gerade aus der Bibel, die ihnen von den Unterdrückern gebracht worden war, schöpften die Kariben Hoffnung, denn in der Bibel lasen sie von einem Gott, der das unterdrückte Volk Israel aus der Knechtschaft der Ägypter befreite.
Das Befreiungsthema ist zentral in dieser Weltgebetswoche 2018.  So nahmen die Kirchen der Karibik ihre eigene Geschichte zum Anlass, um zum gemeinsamen Gebet für die Einheit aller Christen aufzurufen.

Wir sind frei! Mathias Stieger, Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Reutte, erzählte von seinem ganz persönlichen Entfesselungserlebnis 1989. „Damals befreiten sich Völker, durchbrachen die Mauer. Es begann in der ehemaligen DDR – ein Schlüsselerlebnis war der Fall der Berliner Mauer – und erfasste bald auch Ungarn. Als der ehemalige österreichische Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn den Stacheldraht an der österreichisch-ungarischen Granze durchschnitten, begannen „Entfesselte“ in Scharen in die Freiheit zu laufen. Wenig später erreichte diese Befreiungswelle auch meine Heimat, das schwäbische Banat in Rumänien. ,Wir sind frei!’ riefen damals alle.“ Pfarrer Stieger erzählt eine zweite Befreiungsgeschichte, nämlich die des Josef Aron, eines Holocaust-überlebenden. Nach seiner Befreiung aus Auschwitz kam er zuerst nach Holland und von dort nach Israel. Obwohl nun frei, war seine Situation sehr ungewiss – bis sein „Engel“ in sein Leben trat, ihn aus der Obdachlosigkeit holte und ihm Arbeit verschaffte. Bei einem späteren Besuch seiner alten Heimat Frankfurt, erkannte er auf einem Foto seine Mutter, die er aus seinem Gedächtnis gelöscht glaubte. Josef Aron bezeichnet dies als sein wahres Befreiungserlebnis.

In Freiheit in Fesseln. Auch wer „entfesselt“ lebt, kann dennoch Ketten spüren. Krankheiten können fesseln, Arbeit versklaven, absichern gegen alles und jeden kann ähnlich einschränken wie Fesseln an Händen und Füßen.
Beim ökumenischen Gottesdienst in der St. Anna-Kirche in Reutte gab es für die Kinder eine eigenes Programm. Sie bastelten kleine Schiffchen und ein stürmisches Meer. Nach der Predigt brachten die Kinder ihre Boote nach vorne in den Altarraum.
Besonders lebendig wurde es nach der Predigt beim Miriamlied. Miriam, die Schwester des Mose, sang dieses Lied, schlug die Pauke und begleitete ihr Volk durch das Meer in die Freiheit.