Erfolgsgeschichte Burgenwelt Ehrenberg

Die highline 179 überspannt den Ortsteil Klause und schließt die Glieder der Burgenwelt Ehrenberg spektakulär zusammen. RS-Foto: Schretter

Mehrwert für die Region erwuchs aus „altem Stuanerhaufen“

In den 1970er Jahren waren es Idealisten, die um die Bedeutung von Ehrenberg – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – wussten, diese schätzten und sich ihrer annahmen. Armin Walch setzte sich zum Ziel, dieses Erbe weiterzutragen und entwickelte einen visionären Masterplan.

Bei der ersten Sitzung des Reut-tener Gemeinderates 2019 gab Burgenwelt Ehrenberg-Geschäftsführer Armin Walch einen Situationsüberblick und zeigte anhand der geplanten Vorhaben, dass die Vision – „den Haufen alter Stuaner“ zum Leben zu erwecken – auf einem mehr als gedeihlichen Weg ist.

Am Anfang…

– stand der Masterplan, der vorsah, die baufällige und als Gefahrenpunkt klassifizierte Klause zu retten. Dieser Masterplan war der erste und entscheidende Schritt, an Fördergelder zu kommen. Den Zugang zu diesen Mitteln (Interreg 2) ermöglichte der Beitritt zur EU. So war die Sanierung der desolaten Klause (Beginn 1994) der Startschuss zu einem Projekt mit überregionaler Dimension.
Die Sanierung des Schlosskopfes, der Burgruine Ehrenberg und des Forts Claudia folgten. Seit 2014 verbindet die highline 179 – die längste Fußgängerhängebrücke der Welt im Tibet-Stil – die einzelnen Teile der Burgenwelt Ehrenberg miteinander. 2017 konnte dann unterhalb der Burgruine Ehrenberg das sanierte Hornwerk – mit der kostenlosen Ausstellung „Angriff und Verteidigung“ – eröffnet werden. Ein Zufallsfund lieferte Teile eines barocken Eingangsportals zutage (die RUNDSCHAU berichtete), das ebenfalls revitalisiert wurde und nun die Burgenwelt Ehrenberg ergänzt.
Für April ist die Inbetriebnahme des Schrägaufzugs geplant, der vom Besucherzentrum bei der Klause zum Hornwerk bei der Burg Ehrenberg und dem Brückenportal der highline179 führen wird und das Areal damit auch jenen erschließt, für die das zu Fuß nicht möglich wäre. Parallel dazu wird das Besucherzentrum, das dann auch für den Schrägaufzug den Ticketverkauf abwickeln wird, umgebaut und eine TVB-Außenstelle als Infopoint eingerichtet.
Dieser jüngste Coup wird zu einer Erweiterung von bislang vier auf fünf Geschäftsfelder führen. Im Besucherzentrum (Geschäftsfeld 1) werden die Vermietungen (Bretterkapelle, Ehrenbergkeller, Arena) und die Betreuung der Ausstellungen „Dem Ritter auf der Spur“, „Der letzte Wilde“ und „Angriff und Verteidigung“ abewickelt. Das Geschäftsfeld 2 umfasst die komplette Parkraumbewirtschaftung. Ein weiteres Geschäftsfeld bedient die highline 179. Zehn Prozent der Dienstleistungen gehen hier an den Verein Burgenwelt Ehrenberg, der im Gegenzug dafür den Ticketverkauf, die Automatenbetreuung und Rundgänge auf der Brücke übernimmt. Die Gastronomie wird seit 2017 in der Drei-Sterne-Kategorie geführt und bildet das Geschäftsfeld 4. Ab April 2019 kommt nun mit der Inbetriebnahme des Schrägaufzugs das Geschäftsfeld 5 dazu. Die Abwicklung der Agenden erfolgt bei der highline.

Betriebskennzahlen und Mehrwert.

Der Indoor-Bereich der Burgenwelt Ehrenberg registrierte 2018 ca. 35.000 Besucher. Etwa 5.000 Familien gingen im Außenbereich auf Schatzsuche. Im Drei-Sterne-Hotel „Gasthof Klause“ konnten 12.000 Übernächtigungen gezählt werden. „Eine großartige Zahl! Vor allem, wenn ich an an die Zweifler denke, die sich ein florierendes Hotel ,im zugigsten, schattigsten Loch von Reutte’ nicht vorstellen konnten“, freut sich GF Armin Walch. Ohne Fördermittel der EU wäre dieses Projekt „Burgenwelt Ehrenberg“ nicht möglich. Auf nationaler Ebene unterstützen das Land Tirol, das Bundesdenkmalamt und die REA den Verein. Die Finanzierungsbeiträge der Marktgemeinde Reutte ermöglichen Sanierung, Erhaltung und Betrieb der Anlagen. Wichtige Partner der Region sind der TVB Naturparkregion Reutte, die highline 179, Raiffeisenbank und Sparkasse Reutte sowie private Sponsoren und Förderer.
Aus den ca. 2,4 Millionen Euro Umsatzerlös werden Kreditrückzahlungen, Vereinseigenmittel für Förderprojekte, Personal- und Betriebskosten und Investitions- und Erhaltungsmaßnahmen finanziert.
Längst ist aus einem Sanierungsprojekt eine touristische und wirtschaftliche Attraktion geworden, die pro Jahr etwa 350.000 Gäste anlockt.

Schlosskopf – wie weiter?

Die Frage, wie es mit dem Schlosskopf weitergeht, konnte weder von GF Armin Walch noch von Bgm. Alois Oberer beantwortet werden. Die Anlagen auf dem Schlosskopf sind für Besucher geschlossen, die Grundbesitzerin beharrt auf einer monatlichen Abgeltung. Momentan stecken die Verhandlungen fest. „Die Fronten sind festgefahren. Es ist wie ein gordischer Knoten, der sich nicht lösen lässt. Wenn wir die geforderte Miete bezahlen, könnte das dazu führen, dass auch andere Grundbesitzer Forderungen stellen“, so Bgm. Oberer.
GF Armin Walch lässt leisen Optimismus anklingen: „Ich bin ein optimistischer Mensch und hoffe, dass wir die Verhandlungen mit der Familie Kustatscher-Nessler im Frühjahr positiv weiterführen können und zu einer entsprechenden Lösung kommen.“