Ergebnisse der Motorradlärmstudie im Außerfern

LH-Stv. Ingrid Felipe präsentierte gemeinsam mit Christoph Lechner (l.) und David Schnaiter die Ergebnisse der Motorradlärmstudie. Foto: Land Tirol/Oswald

Analyse für umfassende Lösungsansätze

Die zentralen Ergebnisse der Motorradlärmstudie Außerfern wurden am Freitag, dem 10. Mai im Landhaus präsentiert. Die vom Land Tirol beauftragte unabhängige Studie entstand in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Arbeitsring für Lärmbekämpfung (ÖAL).

Viele der bei den Motorradlenker besonders beliebten Strecken liegen im Außerfern. Die Lärmbelastung für die anrainende Bevölkerung wurde nun erstmals flächendeckend für den gesamten Bezirk Reutte erhoben. Die Studie wurde auch von LH-Stv. Ingrid Felipe unterstützt: „Die Studie belegt klipp und klar, wie groß die Belastungen und die empfundenen Störungen sind, identifiziert eine Vielzahl von Problemstellungen und gibt sehr wertvolle Ansätze zu Problemlösungen. Die geschaffene, fundierte Datenbasis ermöglicht es nun auch, konkrete Abhilfen angehen zu können.“

Messungen und Befragungen.

Nach Lärmmessungen und Verkehrszählungen im Sommer 2018 wurde zunächst im vergangenen Herbst von der Abteilung Emissionen, Sicherheitstechnik und Anlagen (ESA) des Landes ein umfassendes Lärmmodell erstellt, das sämtliche Lärmpegel, getrennt nach Fahrzeugklassen, Tages-, Wochen- und Jahreszeiten für jedes Wohngebäude im Außerfern ausweist. Christoph Lechner, Studienautor der Abteilung ESA, erläutert: „Über wirkungsbezogene Lärmkarten und einen eigenen Differenzlärmpegel für den Motorradverkehr erfolgte eine flächendeckende Darstellung der Lärmbelastungen auf den Landesstraßen B und L. Der Differenzlärmpegel hebt dabei besonders die Zusatzbelastungen und damit die realen Einflüsse des Motorradlärms auf die Umwelt hervor.“
Unter der Leitung von David Schnaiter, Konsulent aus dem Fachbereich Umwelt und Gesundheit, wurde anschließend im November und Dezember 2018 eine repräsentative Telefonbefragung von geschulten Interviewern des Marktforschungsinstituts IMAD durchgeführt. Um der besonderen Belästigungsreaktion auf den Motorradlärm auf den Grund zu gehen, wurden dabei 571 Personen befragt und anschließend in drei Lärmbelastungsgruppen eingeteilt.

Mitwirkung der Bevölkerung.

Dass das Thema Motorradlärm der Bevölkerung im Außerfern ein großes Anliegen ist, zeigt sich einmal mehr am großen Interesse an der Befragung. Keines der durchgeführten Interviews wurde abgebrochen und es konnte eine Rücklaufquote von 90,9 Prozent erreicht werden. Die Studienergebnisse zeigen ein klares Bild, wie Schnaiter erläutert: „Das Ausmaß der Belästigungsreaktion auf den Motorradlärm tritt sehr deutlich zutage: Selbst bei niedrigen Lärmpegeln – verglichen mit jenem zweispuriger Kraftfahrzeuge – empfinden sich die Außerferner zu knapp 50 Prozent als ‚stark vom Motorradlärm belästigt‘, was einen außerordentlich hohen Wert darstellt. Dabei spielen neben akustischen Parametern, wie Vorbeifahrts- und Spitzenpegeln sowie der Geräuschcharakteristik vor allem auch subjektive Wahrnehmungsebenen von Motorrädern an sich eine große Rolle.“
Dazu zeigen sich besonders im Sommer wöchentliche Spitzen, wie Studienleiter Lechner ausführt: „Der Motorradverkehrslärm nimmt an Samstagen und Sonntagen untertags für die Belästigungsreaktion ausschlaggebend zu.“
Neben einer Vielzahl weiterer Fragen wurde auch die Sinnhaftigkeit von verschiedenen möglichen Maßnahmen abgefragt. Dies zeigt unter anderem, dass sogar unter jenen Befragten, die selbst Motorrad fahren, eine sehr große Zustimmung und ein großes Bedürfnis nach konkreten motorradlärmverminderten Schritten bestehen. Diese reichen von einem Mehr an Verkehrskontrollen für Motorräder über höhere Strafen für laute Zweiräder bis hin zu Fahrverboten auf bestimmten Strecken.
Der Gesamtbericht und die Kurzfassung sind unter www.tirol.gv.at/arbeit-wirtschaft/esa/laerm/motorradlaermstudie-2019 nachzulesen. Die Lärmkarten sind in höchster Auflösung unter tirol.gv.at/motorradlaerm-reutte abrufbar.