Erneute Suche nach 80 Jahren

Das Grabungsteam: Daniel Lueger, Lukas Gundolf, Margarethe Kirchmayr, Valentin Huter und Katja Tinkhauser (v.l.) RS-Foto: Krismer

Grabungsteam der Uni Innsbruck in Tarrenz/Dollinger aktiv

Entlang der „Via Claudia Augusta“ waren immer wieder Grabungen im Gange – beziehungsweise sind sie es immer noch. Ziel ist es, Funde aus der Antike ans Tageslicht zu fördern. Derzeit beschäftigt sich ein Grabungsteam der Uni Innsbruck nahe dem Tarrenzer Weiler Dollinger Lager zwischen Tarrenz und Nassereith mit eben solcher Freilegung – und das an einer Stelle, wo schon 1938 interessante Funde für Aufsehen sorgten.

Von Ewald Krismer

Die Freilegung an drei nahe beieinander liegenden Stellen läuft erst seit eineinhalb Wochen. Abgesehen von ein paar kleineren Fragmenten war die Ausbeute noch nicht spektakulär. Die Archäologen hoffen aber in dem Waldstück ein Heiligtum aus der Latène- und Römerzeit zu finden. Letzten Freitag gab es für Interessierte die erste Gelegenheit, um sich über den Stand der Grabungen zu informieren. Die zweite Möglichkeit bietet sich am Freitag, dem 5. Oktober, wieder um 14 Uhr. Die derzeitigen Freilegungsarbeiten werden noch zweieinhalb Wochen dauern. Das Archäologenteam ist guter Dinge, das Erhoffte zu finden. Am Ende aber wird man mehr wissen und die RUNDSCHAU wird darüber berichten.

Rückblick.

Vor 80 Jahren, im Jahre 1938, traten schon einmal keltische und römische Funde zutage – vorerst zwar nicht im Zuge archäologischer Grabungen, sondern bei der Errichtung einer Wasserleitung für das dort im Entstehen begriffene Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD). Deswegen heute noch der Name Dollinger Lager für die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Siedlung.

Siedlungsruhe.

Die um 50 nach Christus entstandene Römerstraße „Via Claudia Augusta“ verlief auf der südlichen Seite des Gurgltales am Fuße des Tschirgant. Die aktuelle Grabungsstätte liegt aber auf der anderen Talseite. Oft entstanden Siedlungen entfernt von durch Händler und sonstigen fahrenden Volkes stark frequentierten Wegen. Heute würde man sagen „abseits vom Lärm“, früher eher „nicht in der Nähe so manch liederlichen Gesindels“.

Megalithgrab.

Die Funde beim RAD-Lager im Dollinger waren zu dieser Zeit auf Tarrenzer Gemeindgebiet aber nicht die einzigen. Beim Umbau des sogenannten „Bruggehaus“ nahe des Salvesenbaches in Tarrenz kamen bei der Geschäftserweiterung der Lebensmittelhandlung des Karl Wörle – später Marcus Wörle – Kellergewölbe zutage, bei denen die Vermutung naheliegt, auch aus der Römerzeit zu stammen, erzählte Marcus Wörle unlängst. Auch in der „Chronik von Tarrenz“ von Walter Schatz ist zu lesen, wie Alois Tangl – Bauer des ältesten Tarrenzer Hauses, das heute noch in der Mittergasse steht – 1938 in Gegenwart des damaligen Bürgermeisters Rudolf Schatz, des RAD-Führers Gerhard Fritsch und dem Archäologen und Althistoriker Franz Miltner von einem sensationellen Grabfund (Tangls Schilderungen zufolge laut Miltner ein Megalithgrab) berichtete, den er bereits im Jahre 1933 bei der Erneuerung des Stallbodens entdeckte. Aus Angst, der Tote würde nun im Hause als Geist umhergehen, soll der Bauer den Fund bei Nacht und Nebel in den nahegelegenen Salvesenbach geworfen und den Stallboden wieder verschlossen haben. Miltners Aufzeichnungen dazu sind aber während des Zweiten Weltkriegs leider verloren gegangen. Professor Franz Miltner (*1901,†1959) dürfte damals die Grabungen im Dollinger Lager geleitet haben.

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