„Es geht nicht mehr anders“

Sie informierten über die neuen Tarife bei den EWR: Thomas Siebenhüner, der für das Netz zuständig ist, Vertriebsleiter Christian Förg und Vorstand Dr. Christoph Hilz.  RS-Foto: Gerrmann

EWR kündigen Strompreiserhöhung an – Beim Gas wird Grundpreis eingeführt

Sieben Jahre haben die Elektrizitätswerke Reutte (EWR) den Strompreis stabil gehalten. Im achten Jahr freilich wird das nicht mehr so sein. „Es geht nicht mehr anders“, sagte Vorstand Dr. Christoph Hilz bei einem Pressegespräch am Montag. Für den berühmten Durchschnittshaushalt bedeutet das laut dem Unternehmen ein Plus von 63 Euro an Ausgaben für den Strom.

Von Jürgen Gerrmann.

Dafür sind laut Hilz sowie dem Vertriebsleiter Christian Förg und Thomas Siebenhüner, der für das Netz zuständig ist, gleich mehrere Faktoren zuständig:

Zum einen der heiße Sommer: „Es gab 40 Prozent weniger Niederschläge als im Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre“, erläuterte Hilz: „So führten die Flüsse weniger Wasser und unsere Eigenerzeugung ging um fast 25 Prozent zurück.“ Die Konsequenz: „Wir mussten um 18,2 Prozent mehr Strom zukaufen als im Jahr zuvor.“

Zum anderen hätten sich die Preise an der Strombörse zwischen 2011 und 2016 quasi halbiert: „Aber nun haben sie sich quasi wieder verdoppelt.“ So habe man die Preise für die EWR bis 2017 stabil halten oder sogar senken können. Auch damit sei es nun auf absehbare Zeit vorbei.

Maut für Stromleitungen.

Zum dritten hätten sich die Marktbedingungen verändert: „Aus dem gemeinsamen Markt von Österreich und Deutschland wurden zwei unterschiedliche gemacht“, erklärte Förg. Auch das hatte Folgen: „In der Vergangenheit konnte Österreich sich sehr günstig auf den deutschen Strommarkt bedienen“, fügte Hilz hinzu. 20 Prozent des österreichischen Stroms seien aus dieser Quelle gekommen. Dadurch seien die Stromleitungen indes übergequollen: „Die Regulatoren des europäischen Marktes wollten dies begrenzen und haben daher eine Art ,Maut’ eingeführt“, griff der Vorstand zu einem Vergleich aus dem Straßenverkehr. Und dieser Aufschlag ist laut Förg zurzeit etwa doppelt bis dreimal so hoch wie vorhergesagt und betrage nun fast einen Cent pro Kilowattstunde.

Ein neuer Tarif.

Für den Verbraucher im EWR-Basistarif bedeutet das, dass er künftig netto einen Arbeitspreis von 6,45 Cent pro Kilowattstunde bezahlen muss – und dazu noch einen Grundpreis von monatlich 2,50 Euro. Erstmals wird übrigens ein Tarif unter dem Motto „Fix privat 2020“ angeboten. Dessen Grundpreis ist derselbe wie in der Basis-Variante, der Arbeitspreis liegt indes um 0,2 Cent pro Kilowattstunde höher. Hilz: „Damit kann sich der Kunde zwei Jahre lang gegen Strompreiserhöhungen absichern.“ Die jetzige Erhöhung macht für den Durchschnittshaushalt Zusatzaufwendungen in Höhe von etwas mehr als 5 Euro im Monat aus. Wobei Förg Wert darauf legt, dass der Kunde sich aktiv für den neuen (höheren) Fix privat-Tarif entscheiden müsse: „Ansonsten rechnen wir selbstverständlich weiter nach dem günstigsten Basis-Tarif ab.“ Christoph Hilz ist bei alledem noch etwas wichtig: „Wir liegen damit 2019 auf dem Preisniveau von 2013, wenn man die Inflation mit berücksichtigt.“ Das neue Tarifniveau sei „angemessen, fair und verkraftbar.“

Veränderungen gibt es auch beim Erdgas, wo der Grundpreis stabil bleibt, aber ein Grundpreis von zwei Euro pro Monat für die fixen Kosten eingeführt wird. Damit liegt Erdgas  unter der Preisentwicklung von Heizöl und ist aus Sicht des Vorstands weiter eine „sehr attraktive Alternative.“

Tiefer in die Tasche greifen müssen die Bürger der Marktgemeinde Reutte auch bei Wasser und Abwasser (die EWR betreibt dort die entsprechenden Netze). Hier macht das Plus 2,5 Prozent aus.

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