Es hat sich ausgeraucht – erste Bilanz der Wirte

Auf Restaurants scheint das generelle Gastro-Rauchverbot geringere Auswirkungen zu haben. Lokale im Nachtbetrieb bzw. kleine Betriebe, deren Erwerb auf dem Konsum von Getränken basiert, haben teilweise schwer zu kämpfen.Symbolfoto: pixabay.com

In puncto Rauchverbot scheiden sich die Geister: Was die einen gesundheitlich begrüßen, kostet andere vielleicht die Existenz

Seit Jahren scheiden sich beim grauen Qualm die Geister und bis 1. November 2019 auch die Räumlichkeiten von Gastronomiebetrieben. Wer sich seither eine Zigarette anzünden will, muss dies vor den Lokalitäten tun. Die RUNDSCHAU hat nach den ersten drei Monaten bei heimischen Gastronomen nachgefragt, und die ziehen eine – zwiespältige – Bilanz. Die finanziellen Einbußen scheinen von Betrieb zu Betrieb zu variieren. Aus gesundheitlicher Sicht sind die rauchfreien Innenräume zu begrüßen. Auch finanziell trifft es nicht alle: Während andere kaum etwas spüren, wird das neue Gesetz für den ein oder anderen Kleinbetrieb zur Existenzbedrohung. 

Seit mittlerweile 15 Jahren führt Margit Strolz ein kleines Café im Telfer Inntalcenter. „Mein kleines Lokal war immer eine ‚Hoangartstube‘. Ein sozialer Treffpunkt, an dem sich eigentlich alle untereinander kennen. Mit dem Nichtrauchergesetz ist die Gemütlichkeit und Geselligkeit verloren gegangen.“ Ein Problem sieht Margit auch darin, dass sie durch ihre Lage im Einkaufszentrum ihren Kunden keine direkt ans Lokal angebundene „Raucherterrasse“ bieten kann. „Ohne meine treuen Stammgäste hätte ich den Laden schon längst dicht machen müssen und selbst die treten den Heimweg nun früher an. Es sind kaum neue Gäste dazugekommen, es wiegt sich also nicht auf, was natürlich zu Umsatzeinbußen führt“, berichtet die Cafébetreiberin, für die es zusehends schwerer wird, kostendeckend zu arbeiten. „Eigentlich müsst ich Personal entlassen, was ich aber aus menschlicher Sicht unbedingt vermeiden will.“ Strolz hält das Gesetz für eine Bevormundung, zumal jeder selbst entscheiden konnte, ob er ihr Café betritt bzw. dort arbeiten möchte. Zudem ärgert sie sich auch darüber, dass das generelle Rauchverbot nicht flächendeckend greife: „Meines Wissens dürfen Hotels und Casinos ihren Gästen Raucherräume – in denen nichts konsumiert werden darf – bieten.“ 

„SCHWARZE KATZ“. Auch in den Augen von Markus Seidl, dem Betreiber der „Schwarzen Katz“ in Zirl ist mit dem Nichtrauchergesetz ein Teil der Gemütlichkeit verloren gegangen. „Rauchen war Teil der Barkultur und nun werden Gruppen zerrissen, weil die Raucher rausgehen, nicht mehr so lange bleiben oder gar nicht mehr kommen“, beobachtet Seidl. „In seinem Betrieb könne man die neue Situation zwar stemmen, aber der Gästerückgang bewirke, dass er eigentlich weniger Kellner bräuchte. Aktuell ginge es seinem Betrieb trotz allem gut, wenngleich der Umsatz in den letzten Monaten um 30 bis 40 Prozent gesunken sei. „Ich glaube an eine Art Trotzphase der Raucher und hoffe, dass es sich wieder einspielt. Aber einige Betriebe werden diese Zeitspanne aus finanzieller Sicht nicht überstehen. Ich habe das Glück, dass sich mein Lokal in einer guten Lage befindet und zudem kann ich meinen rauchenden Gästen eine große Terrasse mit Heizstrahlern bieten. All das wäre aber hinfällig, hätte ich kein gutes Einvernehmen mit den Anrainern bzw. wenn sich meine Gäste draußen nicht angemessen verhalten würden“, berichtet Seidl. Fühlen sich Anrainer nämlich durch den Lärm belästigt, führt das nicht nur zu Strafen und Anzeigen, sondern Gastronomen können per Gesetz durch die Anrainer zur Vorverlegung der Sperrstunde gezwungen werden. 

„RIETZER HOF“. Für Thomas Höpperger, GF vom „Restaurant und Hotel Rietzer Hof“, war die Umstellung unproblematischer: „Wir haben den Rietzer Hof auf den Restaurantbetrieb, Hochzeiten, Firmenfeiern und dergleichen ausgerichtet. Unserem Betrieb hat das neue Gesetz zum Glück finanziell nicht geschadet, aber das trifft sicher nicht auf alle Gastronomiebetriebe zu. Ich bin kein Freund dessen, wenn man jemandem die Existenzgrundlage entzieht. Aber natürlich ist man hier mit einer Grundsatzfrage konfrontiert. Wo fange ich an, wo höre ich auf bzw. wer wird vom Gesetz ausgenommen“, so der Geschäftsführer. „Im Rietzer Hof erleben wir allerdings eine Umschichtung bei den Gästen, gewisse bleiben aus, aber wir haben auch neue Gäste dazugewonnen. Insbesondere Familien mit Kindern. Der Großteil unserer Restaurantbesucher begrüßt das Rauchverbot“, weiß Höpperger. Die rauchenden Gäste wolle man aber keinesfalls verlieren, weshalb in neues Mobiliar und Wärmestrahler für die überdachte Terrasse investiert wurde. „Größere Gesellschaften werden dadurch ganz klar auseinandergerissen und rund 30 bis 40 Prozent der Gäste befinden sich auf der Terrasse. Wir haben unseren Raucherbereich bewusst straßenseitig ausgerichtet, um die Lärmbelästigung für die Anrainer so gering wie möglich zu halten“, untermauert der Geschäftsführer. 

ZWEISCHNEIDIGES SCHWERT. Die RUNDSCHAU hat bei zahlreichen weiteren Gastronomiebetrieben nachgefragt und aus der Recherche ergab sich ein differenziertes Bild: Das Thema „Rauchen“ polarisiert und auch das neue Gesetz hat für Betriebe mindestens zwei Gesichter. So gestaltet sich die Umsetzung des Gesetzes für einen Teil der Betriebe relativ unproblematisch, während der andere Teil erhebliche finanzielle Einbußen zu verzeichnen hat, die in manchen Fällen sogar existenzbedrohend sind.

Von Beatrice Hackl

Margit Strolz: „Café Margit“ im Inntalcenter Telfs. RS-Fotos: Hackl
Markus Seidl: „Café/Bar Schwarze Katz“ in Zirl. RS-Foto: Hackl
Thomas Höpperger: GF „Restaurant und Hotel Rietzer Hof“. RS-Foto: Hackl

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