„Es ist ein Geschenk, eine große Kostbarkeit!“

Pfarrer Herbert Traxl mit der Themenmappe, die er über die Jahre hinweg für die Oasentage aufgebaut hat. RS-Foto: Unterpirker

Pfarrer Herbert Traxl spricht über die Oasentage im Klöstere Kronburg

 

Die Oasentage im Klösterle Kronburg, im architektonisch außergewöhnlichen Dachbodenraum „Am Horeb“, sind mittlerweile zu einem fixen Bestandteil im Leben vieler gläubiger Menschen geworden. Geleitet werden die Oasentage, die jeden Monat unter einem anderen Thema firmieren, von Pfarrer Herbert Traxl. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Pfarrer über dieses geistliche Angebot.

 

Von Albert Unterpirker

 

RUNDSCHAU: Herr Pfarrer, seit wann gibt es die Oasentage?

Herbert Traxl: Begonnen haben sie im September 2009, heuer werden also neun Jahre voll. Grundsätzlich gibt es die Oasentage während der Schuljahreszeit. Weihnachten und Ostern zum Beispiel kann ich nicht, das sind die Höhepunkte des liturgischen Jahres. Und im Sommer ist Urlaubszeit, da ist sowieso ein bisschen Pause. Also immer wenn Schul- bzw. Unterrichtszeit ist, finden die Oasentage zweimal wöchentlich statt. Ich bin normalerweise jeden Freitag und Samstag oben auf der Kronburg.

RS: Wie lange sind Sie da am Tag über oben?

Traxl: Um 9 Uhr beginnt es und das geht bis zum Abend.

RS: Durchgehend?

Traxl: Ja, das ist auch der Sinn dabei gewesen. Auch um den Menschen, die kommen, ein geistliches Begleitgespräch anbieten zu können. Es gibt Leute, die belastet sind, oder Leute, die einfach Fragen haben. Es ist ja gar nicht einfach, dass manchmal ein Pfarrer erwischt wird, wenn sie ihn brauchen. Hingegen oben habe ich Zeit. Eine Dreiviertelstunde ist da jeden Tag drin. Das nutzen auch manche Leute, manche auch sehr regelmäßig. Es gibt eine Frau aus Landeck, die ist seit Beginn jeden Freitag und Samstag oben.

RS: Das freut sie als Pfarrer besonders…

Traxl: Ja, das ist schon lässig! Durchschnittlich sind etwa 16 Leute pro Woche bei den Oasentagen dabei.

RS: Werden die Themen der Oasentage immer neu gestaltet?

Traxl: Ab und zu wiederholen sich Themen, meistens gibt es aber neue Themen. Ich denk mir auch, dass es immer wieder mal was Neues geben soll. Man kann schon immer wieder etwas Altes hernehmen, aber meistens ist man damit selbst auch nicht immer zufrieden. Man bleibt ja auch nicht der gleiche Mensch.

RS: Wieviel Themen waren das bis jetzt ungefähr?

Traxl: Es waren bis jetzt etwa 90 Themen, wobei rund 75 davon neue sind. Das betrifft aber jetzt nur den Samstag. Am Freitag haben wir die Lectio Divina, die geistliche Schriftlesung zum Evangelium am Sonntag. Es gibt ja drei liturgische Lesejahre, das hat man im zweiten vatikanischen Konzil so geregelt. Man wollte damit den „Tisch des Wortes“ bereiten. Vor dem Konzil war es viel reduzierter.

RS: Die Oasentage, die haben Sie aufgebaut?

Traxl: Ja. Der Personalchef der Diözese hat mich im Namen des Bischofs gefragt, ob ich bereit wäre, von Mieming nach Zams zu wechseln. Das war nicht leicht, weil wir in Mieming gerade die Kirche renoviert hatten. Die Anfrage war: Leiter vom Seelsorgeraum Zams, Zammerberg, Schönwies und geistlicher Betreuer des spirituellen geistlichen Zentrums Kronburg. Das waren also zwei Aufgaben.

RS: Herr Pfarrer, spezielle Momente bei den Oasentagen: Fallen ihnen da welche ein?

Traxl: Da gibt es viele. Am Vormittag rede ich eine Dreiviertelstunde, aber am Nachmittag bin ich der Hörende und lade ein – und das ist mir wichtig, damit die Leute sich persönlich austauschen und mitteilen: Was hat sie berührt, was bewegt sie, was bedrängt sie, und welche Erfahrung haben sie mit dieser Fragestellung, die am Vormittag Thema war? Da gibt es oft ungemein kostbare Sachen. Es ist das Gegenteil von einem Kaffeehaustratsch und das Gegenteil von einer intellektuell geistigen theologischen Diskussion.

RS: Ohne Schminke …

Traxl: Ja, ohne Schminke. In einem geschützten Raum kann jeder sagen, was er sagen möchte.

RS: Ist das für Sie auch bereichernd?

Traxl: Ja, total. Wenn fünf, sechs Leute ganz ehrlich und persönlich etwas mitteilen, ist das super schön, das ist bewegend. Das kann in der Gruppe geschehen oder auch mit mir persönlich.

RS: Wenn man das hochrechnet, diese Durchschnittszahlen pro Woche, dann kommt man auf eine gewisse Zahl an Besuchen in den knapp neun Jahren…

Traxl: In den nun fast neun Jahren waren es 5400 Besuche. Normalerweise führe ich keine Statistik, aber das habe ich gerade zehn Minuten vor unserem Treffen gemacht (schmunzelt). Es sind aber nicht 5400 verschiedene Personen, manche Leute kommen immer oder sehr oft.

RS: Kommen die Besucher nur aus dem Bezirk Landeck?

Traxl: Nein, es gibt sogar eine Frau, die alle zwei Monate aus Wien kommt, und es kommt u.a. auch eine Gruppe von Leuten regelmäßig aus Innsbruck.

RS: Das Konzept der Oasentage hat sich voll bewährt – wird es weitergehen?

Traxl: In nächster Zeit auf jeden Fall. Ich weiß allerdings nicht, wie lange ich es noch schaffe, jetzt bin ich bald 64 Jahre. Es ist schon auch eine Frage der Energie und der Kraft, es ist schon fordernd. Das Problem ist, dass ich allein bin.

RS: Das heißt, wenn Sie zum Beispiel krank sind…

Traxl: So ist es. Andererseits habe ich mit Markus Ruetz einen Pastoralassistenten. Aber es steht und fällt eigentlich mit mir – was ein großer Nachteil ist. Es bräuchte zwei, drei Leute.

RS: Wer könnte da in Frage kommen?

Traxl: (lacht) Eben. Den Bischof fragen. Keine Ahnung, ob sich die Oasentage in Zukunft so aufrecht halten lassen.

RS: Oder, dass man es in abgespeckter Form macht?

Traxl: Ja, genau.

RS: Nicht zwei, sondern nur einen Tag?

Traxl: Oder den ersten Freitag und Samstag im Monat.

RS: Wenn Sie jetzt Bilanz nach den fast neun Jahren ziehen würden, wie würde die ausfallen, was wäre die Essenz davon?

Traxl: Aus meiner Sicht ist es ein Geschenk, eine große Kostbarkeit, dass es einen Ort gibt, wo man Dinge zur Sprache bringen kann, die im Alltäglichen kaum einen Platz finden. Wo in einem geschützten Rahmen die eigentlichen letzten tiefen, intimen Lebensfragen – Glaube ist schon etwas sehr Intimes – Raum finden und wo sich jeder artikulieren kann und auch einen geistlichen Gesprächspartner für ein geistliches Begleitgespräch antrifft. Und jeder ist willkommen.

RS: Danke für das Gespräch.

 

 

Pfarrer Herbert Traxl

Herbert Traxl stammt aus Strengen und wurde am 15. Februar 2009 – nach seiner Zeit in Mieming – Pfarrer in Zams. Der geistliche Würdenträger ist in seiner Freizeit auch Maler (Öl auf Leinwand) und hat bis dato acht Ausstellungen bestückt (die letzte in Stams im Jahr 2014). Seine nächste ist für 2020 im Schloss Landeck geplant. Seiner „zweiten Berufung“ geht er in einem ausgebauten Stadl (erstellt unter Mitwirkung des Pfarrkirchenrates), einer Art Atelier neben dem Widum in Zams, nach. Der Besuch einer Kunstakademie sei früher schon mal Thema gewesen, „aber da war ich zuwenig ausgeflippt“. Viele seiner Motive sind landschaftlicher Natur, „und ich mag wahnsinnig gerne Felsformationen“.

Traxl mit Gläubigen bei den Oasentagen „Am Horeb“ im Klösterle Kronburg. RS-Foto: Unterpirker

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