„Es ist wieder ein Rückhaltevolumen da“

Eine Aufnahme der Schnanner Klamm zu Beginn der Aufräumarbeiten Anfang August. Foto: Wildbach- und Lawinenverbauung Tirol

Pettneu/Schnann: Aufräumarbeiten im Zeitplan

 

Am 1. August kam es sowohl in der Schnanner Klamm als auch im Gridlontobel in Pettneu zu Murenabgängen, ein weiteres derartiges Ereignis am Zeinsbach in Pettneu folgte am 22. August. Die Aufräumarbeiten verlaufen gut. In Pettneu wird ein Projekt zum Schutz der gefährdeten Zonen vorbereitet. Im Schnanner Gewerbegebiet ist die Errichtung einer neuen Fußgängerbrücke und ein Hochwasserschutz für das Gewerbegebiet vorgesehen. Am 10. September findet eine Finanzierungsverhandlung statt – danach können die Kosten für die Gemeinde genau beziffert werden.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

An fünf Tagen der Woche sind etliche Bagger und andere Fahrzeuge in der Schnanner Klamm und im Gridlontobel bei Räumungsarbeiten im Einsatz, anfangs wurde sogar mit Hochdruck an sieben Tagen die Woche gearbeitet. „Wir schaffen zwischen 1000 und 1200 Kubikmeter Geschiebemenge, mehr ist aufgrund der schlechten Zugänglichkeit nicht möglich“, erklärt der Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Daniel Kurz. Pettneus Bürgermeister Manfred Matt ergänzt: „In Schnann laufen die Arbeiten sehr gut, wir fahren erstmals mit sogenannten Muldenkippern, das hat sich bewährt.“ Beim Gridlonbach in Pettneu sei das Geschiebematerial wesentlich feiner und nasser und somit schwerer zu transportieren. Nach dem 1. August befanden sich rund 80.000 Kubikmeter Geschiebe hinter der Sperre in der Schnanner Klamm, jetzt sind es laut Daniel Kurz circa 55000. „Im Gridlontobel sind die zwei mittleren Sperren bereits geräumt, bei der oberen Sperre laufen die Arbeiten derzeit noch“, ergänzt Kurz. „Die Tagesleistungen sind begrenzt, wir rechnen damit, dass wir den gesamten Herbst noch mit Räumarbeiten beschäftigt sind“, erklärt der WLV-Leiter.

 

PROJEKT GEPLANT. Nach den beiden Muren am 1. August wurde Pettneu am 22. August erneut, im Bereich Zeinsbach unweit vom Gridlonbach, derart heimgesucht. 7000 Kubikmeter Geschiebe kamen dazu. Das Material, geräumt im Auftrag der Wildbach- und Lawinenverbauung, wird zum Dammbau verwendet. Für die Räumung in der Rosanna ist der Fachbereich Wasserwirtschaft und Schutzwasserwirtschaft des Baubezirksamtes Imst zuständig (dieses Material wird in Strengen deponiert), für jene in der Schnanner Klamm, dem Grid-lontobel und dem Zeinsbach die WLV. „Wir sind aktuell dabei, ein Projekt auszuarbeiten – das Material der Schnanner Klamm wird in ‚Althaus‘ (zwischen Schnann und Flirsch) deponiert, mit dem Material vom Gridlontobel planen wir einen Damm beim Zeinsbach aufzuschütten“, erklärt Daniel Kurz von der WLV. Bgm. Matt ergänzt: „Es laufen Gespräche mit Grundstückseigentümern – dies ist ein wichtiges Projekt. Sofern Lösungen mit den Grundstückseigentümern gefunden werden und die notwendigen Genehmigungen einlangen, möchten wir noch in diesem Jahr mit dem Bau starten.“

 

SITZT IRGENDWIE IMMER AUF NADELN“. „Wir beobachten das Wettergeschehen nach wie vor ständig – die Situation ist nun aber schon viel besser“, zeigt sich Daniel Kurz vorsichtig optimistisch, „es ist wieder ein Rückhaltevolumen da und wir sind froh, wenn die Gewittersaison nun zu Ende geht, man sitzt doch irgendwie immer auf Nadeln.“ Ähnlich sieht die Lage der Bürgermeister: „Auch ich glaube, dass die heißeste Zeit vorbei ist und es konnte auch schon viel Material aus den Becken geräumt werden – in Schnann circa 25000 Kubikmeter und im Gridlontobel sind die unteren beiden Becken schon leer, trotzdem sind wir sensibilisiert, denn wir haben heuer gesehen, dass Dinge passieren, die man sich nicht hätte vorstellen können.“

 

FINANZIERUNGSVERHANDLUNG AM 10. SEPTEMBER. Angesprochen auf den Kos-tenanteil der Gemeinde, kann Bgm. Matt aktuell noch keine genauen Zahlen liefern: „Am 10. September findet eine Finanzierungsverhandlung statt – 50% werden vom Bund, 30% vom Land und 20% von Interessenten, dies sind in unserem Fall die Gemeinde, die Landesstraßen und die ÖBB, getragen. Wir rechnen damit, dass am Ende die Gemeinde zwischen 10 und 15% der Gesamtkosten zu tragen hat, dies sind erhebliche Kosten für die Gemeinde, wobei zu erwähnen ist, dass es bereits eine Zusage des Landeshauptmanns betreffend Finanzierungsmitteln aus dem Katastrophenfonds gibt“, erklärt der Pettneuer Dorfchef. Insgesamt werden die Schäden auf 12 Millionen Euro geschätzt. Die größten beim Schnanner Murenereignis waren im Gewerbegebiet zu verbuchen, Bgm. Manfred Matt verrät ein geplantes Projekt, damit derartige Ereignisse in Zukunft nicht mehr vorkommen: „Im Bereich der Einmündung des Schnannerbaches planen wir ein gemeinschaftliches Hochwasserschutz-Projekt mit dem Wasserbauamt und der Wildbach- und Lawinenverbauung.“ Nahe der neuen Auffahrt auf die S16 befand sich die frühere Zufahrt ins Gewerbegebiet, die nach wie vor als Fußgängerbrücke genutzt wurde: „Diese Brücke muss nun weg, circa 30 bis 40 Meter weiter westlich sollte eine neue Brücke errichtet werden. Diese Brücke sollte nur von Fußgängern, für den Viehtrieb und als Langlaufloipe genutzt werden“, führt Bgm. Matt aus.

 

Diese Schnanner Brücke und zugleich die frühere Zufahrt ins Gewerbegebiet (siehe vorne) wird abgerissen und 30 bis 40 Meter weiter westlich neu errichtet. RS-Foto: Zangerl

 

Bgm. Manfred Matt: „Wir sind sensibilisiert, denn wir haben heuer gesehen, dass Dinge passieren, die man sich nicht hätte vorstellen können.“ RS-Foto: Zangerl

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