„Es war schon immer mein Wunsch …“

Sieglinde Breuss ist nicht nur Freiwilligenkoordinatorin, sie ist auch Integrationsbeauftragte. Foto: REA

Sieglinde Breuss liegt soziales Engagement im Blut

Ehrenamt heißt, einen Teil seiner Zeit anderen Menschen zu schenken. Ehrenamt hat viele Gesichter und bereichert gleichermaßen Schenker und Beschenkte. Ehrenamt lässt sich kaum in Zahlen messen und doch kann der Gewinn unbezahlbar sein.

Das Freiwilligenzentrum Außerfern wird seit September von Sieglinde Breuss geleitet (die RUNDSCHAU berichtete). Für Sieglinde Breuss ist diese Tätigkeit weit mehr als Beruf – es ist Berufung.
„Der Wunsch nach einer Tätigkeit im Sozialbereich begleitet mich schon sehr lange“, erzählt sie im Gespräch mit der RUNDSCHAU. „Nach der Schule absolvierte ich eine Lehre im Einzelhandel. Sozial engagiert war ich aber schon in meiner Jugend. Ich war Mitglied bei mehreren Vereinen, unter anderem auch bei den Jungbauern. Ich habe damals schon oft ehrenamtliche Dienste bei älteren Leuten übernommen, ihnen bei verschiedenen Dingen geholfen, die ihnen selbst zu beschwerlich waren.“
Als ihre eigenen Kinder dann Kindergarten und Schule besuchten, war es für Sieglinde Breuss selbstverständlich, sich auch hier unterstützend mit einzubringen und – so es notwendig war – mitzuhelfen. Auch wenn bei der Bürgermusikkapelle Reutte Mithilfe bei Veranstaltungen gefragt ist, dann ist Sieglinde zur Stelle – war doch ihr Mann Gerfried viele Jahre Kapellmeister und ist heute Trompeter bei der BKM Reutte.

Schritt für Schritt.

„Um wirklich im Sozialbereich arbeiten zu können, fehlte mir leider die Ausbildung“, schildert Sieglinde Breuss weiter. Sie begann wieder in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten, zuerst beim Lebensmittelgeschäft Häsele, später bei Intersport Zotz, wo sie im Verkauf und im Merchandising eingesetzt war. „Aber der Sozialbereich war bei mir immer im Hinterkopf. Als ich dann bei der Einkleidung der Special-Olympics-Teilnehmer aus dem Außerfern mithalf, wurde eine Lebenshilfe-Mitarbeiterin auf mich aufmerksam. Sie sah, dass ich Geduld und Einfühlungsvermögen für die Menschen mit besonderen Bedürfnissen habe und mir das sehr viel Freude bereitet. Und so kam eins zum anderen.“
Es folgte eine ehrenamtliche Tätigkeit im Lebenshilfe-Café in Reutte. Weil die eigenen Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, bewarb sich Sieglinde Breuss um eine Vollzeitausbildung zur Sozialbetreuerin. Und wieder kam es anders. „Zu dieser Zeit wurde das Wohnhaus der Lebenshilfe in Breitenwang eröffnet und für dort wurden Leute gesucht. Ich habe mich dann – obwohl noch ohne spezifische Ausbildung – beworben und konnte schnuppern. Es hat mir gefallen und ich bin geblieben. Die Schule absolvierte ich dann berufsbegleitend. Im Wohnhaus konnte ich wertvolle Praxis sammeln. Schließlich führte mich mein Weg ins Begegnungszentrum Speckbacherhaus. Dort kümmerte ich mich um den Verkauf der von Klienten hergestellten Produkte und den Paketversand ,Lechlog’.“ Ausbildung und Lehre kamen Sieglinde Breuss für diese Auflagen sehr zugute.
„Nach der Aufbauarbeit im Speckbacherhaus lief dort alles sehr gut. Es hat mir viel Freude bereitet, dort zu arbeiten. Irgendwann merkte ich aber, dass mir etwas fehlt – nochmal eine neue Herausforderung. Als ich das Inserat ,Freiwilligen-Koordinatorin gesucht’ las, wusste ich, wo ich diese Herausforderung finden kann“, lässt Sieglinde Breuss wissen.

Noch was dazu.

Dass es schon wieder einmal anders kommen würde, stellte sich schon bald heraus. Sieglinde Breuss ist nämlich nicht nur Freiwilligen-Koordinatorin (Umfang 20 Wochenstunden), sondern auch für 15 Stunden pro Woche Integrationsbeauftragte.
„Ja, das wusste ich bei meiner Bewerbung noch nicht. Das hat sich ergeben und es macht mir großen Spaß, mich auch in diese Materie einzufinden“, schmunzelt sie. Der rote Faden „manchmal kommt es anders“ zieht sich unverkennbar durch ihr Leben.
Integration ist viel mehr als Asyl, erklärt Sieglinde Breuss. Integration umfasst auch ältere Menschen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Menschen, die mit Mindestsicherung ihr Leben meistern müssen, alleinerziehende Eltern. Ihre Tätigkeit in diesem Bereich stellt Sieglinde Breuss unter das Motto „Gemeinsam fürs Gemeinwohl“. Sie ist Ansprechpartnerin, um Vernetzung der Organisationen bemüht und hilft bei Behördengängen genauso wie bei Dingen des alltäglichen Lebens. „Am besten umschreibe ich meine Aufgaben mit ,Hilfe zur Selbsthilfe’“, so Sieglinde Breuss.
Ein wichtiges Anliegen ist der Integrationsbeauftragten, das Verständnis untereinander zu fördern. „Wir müssen bemüht sein, Kulturen, Lebens- und Verhaltensweisen zu verstehen. Ich möchte die Leute für die Vielfalt von Integration sensibilisieren. Toleranz muss gelernt und geübt werden.“
Es wird nicht von heute auf morgen gehen, darüber ist sich Sieglinde Breuss im Klaren. Es gilt aber, konsequent kleine Schritte zu gehen und dabei Qualität vor Quantität zu stellen. Eine Idee, die sie zeitnah gerne umsetzen würde, ist, einen Freiwilligenpool zu schaffen, in dem man sich melden kann, wenn man zeitlich begrenzte ehrenamtliche Tätigkeiten übernehmen möchte. „Das schafft Flexibilität und lässt den Ehrenamtlichen genug Freiraum.“
Die RUNDSCHAU freut sich als Medienpartner des Freiwilligenzentrums Außerfern auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit und wünscht Sieglinde Breuss viel Freude bei ihrer Tätigkeit.

Leader-Projekt.

Ursula Euler, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins Regionalentwicklung Außerfern (REA) erklärt im Gespräch mit der RUNDSCHAU, dass beide Bereiche – Freiwilligenkoordinatorin und Integrationsbeauftragte bei der REA angesiedelt sind. Es handelt sich um ein Leader CLLD Projekt für den gesamten Bezirk mit zwei Jahren Laufzeit. „Wir haben für dieses Projekt eine hohe EU-Förderung erhalten. Unser Ziel ist es, die Stelle ,Integrationsbeauftragter’ breit aufzustellen und nach den zwei Jahren gut zu etablieren. Mit dieser Stelle wird wertvolle Basisarbeit in Richtung Organisationsvernetzung betrieben. Kommunikationswege sollen verkürzt werden“, so Ursula Euler. Auch sie betont, wie wichtig es ist, die Bevölkerung zu sensibilisieren. „Fremde sind nicht böse, sie sind keine Feinde. Das muss in den Köpfen der Menschen ankommen.“