Es wird Einsprüche geben

Bürgermeister von Zams Siegmund Geiger (l.) und Sprecher der Bürgerinitiative Toni Zangerl. Fotos: Tiefenbacher, Zangerl

Nach Neuauflage-Beschluss des Gemeinderates bleibt Wohnprojekt in der Unterengere Streitthema in Zams

 

Nachdem die Bürgeriniative „Lebenswertes Zams“ Einwendungen gegen den Entwurf des Bebauungsplanes für das Wohnprojekt im Ortsteil Unterengere in Zams erhoben hatte, beschloss nun der Zammer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit einer Gegenstimme die Neuauflage des Bebauungsplan-Entwurfes.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Die Geschichte ist bekannt. In der Unterengere will die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft „WE“ auf einem Grundstück der Diözese eine Wohnanlage mit vier Wohnhäusern mit je zwei Stockwerken und insgesamt 35 Wohneinheiten errichten. Im Vorfeld wurden mehrere Korrekturen durchgeführt. Es formierte sich die Bürgeriniative „Lebenswertes Zams“, die sich vehement wehrte. Um die Bevölkerung aufmerksam zu machen, startete die Bürgerinitiative eine Unterschriftenaktion gegen das Bauprojekt: Rund 420 Unterschriften kamen zusammen. Diese wurden der Gemeinde Zams übergeben. Die zentralen Kritikpunkte lauteten: Das Bauprojekt passt weder vom Ortsbild her, noch ist es verträglich. Die Bürgerinitiative plagen auch noch andere Sorgen: nämlich die prekäre Verkehrssituation in der Siedlung Unterengere.

 

ZWEITER BESCHLUSS. Die Realisierung wurde nicht gestoppt, das Projekt nahm seinen üblichen Lauf: Im November 2016 beschloss der Zammer Gemeinderat auf Empfehlung des Raumordnungs- und Wirtschaftsentwicklungsausschusses die Auflage des Entwurfes des Bebauungsplanes. „Der Beschluss ist das Ergebnis der gesamten Sitzungen und Besprechungen mit der Projektwerberin, den Planern, den verschiedenen Sachverständigen und den Anwohnern“, resümierte damals Bgm. Siegmund Geiger. Die Anwohner-Initiative ergriff rechtliche Maßnahmen und erhob dazu Einwendungen. Es zeigte sich, dass es Anlass zu begründeten juristischen Einwendungen gab, woraufhin der Gemeinderat den damaligen Beschluss in der jüngsten Sitzung aufhob und die Neuauflage des Bebauungsplan-Entwurfes beschloss. Für Bgm. Geiger waren es nur Formalfehler, die durch die Neuauflage repariert wurden. Naturgemäß anders interpretiert Toni Zangerl, Sprecher der Bürgerinitiative, die Sache: „Unser Rechtsanwalt hat einen 32-seitigen Einspruch formuliert, in dem er aufzeigte, dass die Gemeinde mit Leuten zusammenarbeitet, die nicht in der Lage sind, Unterlagen mit Daten und Fakten zu liefern, die stimmen“, erklärt Zangerl.

 

VORWÜRFE. Die maßgeblichen Unterlagen liegen während der vierwöchigen Auflagefrist im Gemeindeamt Zams zur Einsichtnahme auf. Einwendungen können innerhalb von fünf Wochen vorgebracht werden. Toni Zangerl kündigt an, dass die Bürgerinitiative diese Möglichkeit erneut in Anspruch nehmen werde. „Unser Anwalt wird die Unterlagen wieder hinsichtlich Fehler prüfen“, betont Zangerl. Jedenfalls ist mit Einwendungen gegen das neu erstellte ergänzende verkehrstechnische Gutachten zu rechnen. Es kommt zum Ergebnis, dass der zu erwartende Verkehr ohne weiteres schaffbar ist. Für Toni Zangerl sind die ermittelten Werte falsch. Weshalb? „Das Zählgerät hat sich gelöst. Die Messungen sind wegen der darauffolgenden Lage des Gerätes völlig unbrauchbar. Davon gibt es Fotos“, erklärt Zangerl und erneuert den Standpunkt der Bürgerinitiative. Diese sei nicht gegen eine verträgliche Verbauung, die geplante Verbauung sei aber unverträglich. Und zudem würde es ein Unbehagen an den Gründen geben, die dahinter stehen: Zangerl: „Die Diözese will auf Kosten der Wohn- und Lebensqualität in einem Gebiet, das jahrzehntelang in dieser Struktur gewachsen ist, Geld verdienen.“ Zuletzt erhebt der Sprecher der Bürgerinitiative einen Vorwurf gegen die Gemeinde Zams, dass sie nicht imstande gewesen sei, ein Siedlungsleitbild zu entwickeln, das als Grundlage für die gewünschte räumliche Entwicklung bis ins Jahr 2020 oder 2030 in qualitativer und quantitativer Hinsicht diene. Zangerl: „Jetzt soll die Unterengere dasselbe Schicksal erleiden wie das Bruggfeld.“

 

ENTGEGNUNG. Bgm. Geiger entgegnet den Vorwürfen von Toni Zangerl, dass es kein eigenes Siedlungsleitbild brauche, weil das örtliche Raumordnungskonzept die Richtlinie für die gesamthafte räumliche Entwicklung des Gemeindegebietes für die nächsten zehn Jahre sei. „In diesem ist als Ziel der künftigen Siedlungsentwicklung festgelegt, dass nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Mietobjekte gebaut werden können“, sagt Geiger. Der Standpunkt von Bgm. Geiger hinsichtlich des Vorwurfs von Zangerl gegenüber der Diözese ist bekannt. Geiger sagte in einem Gespräch zur RUNDSCHAU: „Es steht jedem Grundeigentümer das Recht zu, ein Grundstück bzw. ein Baugrundstück im Rahmen der Möglichkeiten zu verwerten. Und die Gemeinde hat die Aufgabe, sich damit zu befassen.“

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