„Es wird nicht mehr sein, wie es einmal war!“

Das Telfer Paradeunternehmen „Thöni Industriebetriebe GmbH“ beschäftigt insgesamt mehr als 750 Arbeitnehmer. Die Produktion läuft derzeit noch auf Hochtouren. RS-Foto: Schnöll

Der Telfer Großunternehmer Helmut Thöni über die Corona-Krise, die Zukunft und die Angriffe auf das Krisenmanagement

Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft hart. Viele Unternehmer mussten bereits ihren Betrieb vorübergehend schließen, bei vielen Unternehmen ist fraglich, ob sie das Desaster finanziell überstehen werden. Auch etliche Großbetriebe stellten in den vergangenen Tagen die Produktion ein, darunter auch das Liebherr-Werk in Telfs, das mindestens bis 31. März (eventuell auch darüber hinaus) die Produktion eingestellt hat. In den Werkshallen der „Thöni Industriebetriebe GmbH“ in Telfs laufen die Hightech-Produktionsmaschinen derzeit noch auf Hochtouren. RUNDSCHAU-Telfs-Redaktionsleiter Gebi G. Schnöll führte mit Geschäftsführer Helmut Thöni nachstehendes Gespräch.

RUNDSCHAU: Sehr geehrter Herr Thöni! Das Coronavirus legte bereits viele Betriebe lahm. Wie stellt sich die aktuelle Situation in Ihrem Unternehmen dar?

Helmut Thöni: Wir produzieren derzeit in den Werken in Telfs sowie in den Niederlassungen in Landeck und Kempten ohne Einschränkungen. Im neuen Werk in Pfaffenhofen läuft eineinhalb bis zwei Tage pro Woche der Probebetrieb. Lediglich das Entsorgungsunternehmen in Rovereto im Trentino ist derzeit wegen der in der Region grassierenden Corona-Fälle geschlossen. Einige Mitarbeiter arbeiten aber auf Homeoffice-Basis.

RS: Welche Vorsorgemaßnahmen  haben Sie bisher getroffen, um ihre Arbeitnehmer vor dem Coronavirus zu schützen?

Thöni: Glücklicherweise gibt es bei uns im Unternehmen und im privaten Umfeld keine einzige Erkrankung und ich hoffe sehr, dass das so bleibt. Bei uns geht die Sicherheit vor dem Coronavirus vor. Überall wo es geht, haben wir die Leute in die Heimarbeit geschickt. In den Produktionshallen gelten klare Vorgaben: Alle Mitarbeiter sind dazu aufgerufen, Abstand zu den Arbeitskollegen zu halten und sich in regelmäßigen Abständen die Hände zu waschen. Außerdem werden gewisse Werksbereiche laufend desinfiziert. Ich fühle mich jedenfalls in unserem Betrieb sicherer als auswärts.

RS: Wie gehen die Arbeitnehmer mit der gegebenen Situation um?

Thöni: Sehr sorgfältig. Alle wissen, was von einem Betriebsstillstand abhängt.

RS: Wie schaut es mit den Transportunternehmen aus, die Ihre Betriebe mit Produktionsware versorgen beziehungsweise gefertigte Produkte zu den Abnehmerfirmen bringen?

Thöni: Es dürfen bis auf Weiteres keine Fremdunternehmen und Personen, die nicht in unserem Unternehmen beschäftigt sind, das Firmengelände befahren beziehungsweise betreten. Die Warenübergabe erfolgt derzeit ausschließlich außerhalb der Produktionsstätten.

RS: Woher bezieht Thöni das Aluminium, das zur Herstellung der Hightech-Automotive-Komponenten benötigt wird?

Thöni: Zu 75 Prozent aus eigener Erzeugung in unserer Niederlassung in Kempten im Allgäu. Die Zulieferverpflichtungen sind derzeit das Hauptthema in unserem Unternehmen. Wenn nicht mehr geliefert werden kann, kommt die Produktionskette zum Erliegen. Das wäre ein Szenario, das auch unser Unternehmen treffen würde.

Geschäftsführer Helmut Thöni: „Die Welt wird sich verändern!“ RS-Foto: Schnöll

RS: In Deutschland ist die Lage  wegen der Corona-Erkrankungen ebenfalls dramatisch. Wie glauben Sie, entwickelt sich dort die Situation auf dem Automarkt. Immerhin beliefert Thöni in Deutschland die Konzerne Volkswagen, Daimler und BMW mit den Alu-Komponenten.

Thöni: Wir befinden uns derzeit in einer Art Momentsituation. Noch ist die Auftragslage gut, was sich aber von heute auf morgen ändern kann. Es kommt wohl auf die nächsten Tage an, welche Maßnahmen in Deutschland getroffen werden, um das Coronavirus einzudämmen. Wenn die Autohersteller die Produktion herunterfahren oder vorübergehend einstellen, müssten wir das wohl auch tun.

RS: Von der Corona-Pandemie sind in Österreich inzwischen Tausende Produktions- und Dienstleistungsbetriebe schwer getroffen. Viele Unternehmer stehen vor dem Ruin, viele Menschen mussten in die Kurzarbeit oder in die Arbeitslosigkeit. Wie glauben Sie, geht das in den nächsten Wochen und Monaten weiter?

Thöni: Die Regierung hat meines Erachtens in den vergangenen Tagen und Wochen auf die Ausnahmesituation, in der sich die Wirtschaft wegen der Corona-Krise befindet, nicht nur gut, sondern sehr gut reagiert. Vom Finanzminister wurde das Soforthilfepaket von anfangs vier auf inzwischen 38 Milliarden Euro aufgestockt. Ich glaube, dass sich mit dem Hilfspaket viele Härtefälle abfedern lassen, der ein oder andere Betrieb dürfte die Krise wohl nicht überstehen. Wichtig ist in den nächsten Wochen und Monaten, dass Lebensmittel-Produktionsbetriebe, der Lebensmittelhandel sowie das Transport- und das Maschinenbaugewerbe funktionsfähig bleiben. 

RS: Die Tiroler Landesregierung ist in den vergangenen Tagen unter Beschuss geraten. Kritiker glauben,  dass das „Corona-Hotspot Ischgl“ zu spät unter Quarantäne gestellt wurde.

Thöni: Was die Landesregierung unter Landeshauptmann Günther Platter, die Behörden und alle anderen Involvierten in den vergangenen Tagen gegen die Eindämmung des Coronavirus unternommen haben und immer noch tut, ist souverän und höchst professionell. Was der Landesregierung jetzt angekreidet und thematisiert wird, ist für mich eine bodenlose Sauerei. Manche Leute machen es sich verdammt einfach, jetzt zu kommentieren, was vor drei Wochen passiert ist.

RS: Letzte Frage: Wie gehen Sie in Ihrem familiären Umfeld mit der Quarantäne um?

Thöni: Alle sind dazu angehalten, die Quarantäneverordnungen einzuhalten. Meiner Mama und meinem Papa habe ich ein striktes Ausgehverbot verhängt.

RS: Vielen Dank für das Gespräch!