Feierlichkeiten zum Fest des „vrôn lîcham“ in Nesselwängle

Ehrensalven gehören zur Fronleichnamsprozession. RS-Foto: Zeller

Fronleichnam – Bedeutung, Geschichte und Bräuche

In Zeiten der Technisierung und Globalisierung nimmt das allgemeine Interesse an vielen althergebrachten religiösen Traditionen ab. Zwar werden kirchliche Festtage wie Maria Himmelfahrt oder Fronleichnam mit offenen Armen als schul- und arbeitsfreie Tage begrüßt, jedoch fragen sich recht wenige, weshalb oder mit welchen Bräuchen diese Festtage begangen werden. Die Fragen, die sich also stellen, sind: Wieso und wie feiern wir Fronleichnam?

Von Jenni Zeller

Pfarrer Boguslaw Duda betet an einem der Festtagsaltäre unter dem Sternenhimmel. Die prunkvolle Monstranz ist im Hintergrund auf dem Altar zu sehen. RS-Foto: Zeller

Die einleitenden Worte Boguslaw Dudas zum Fronleichnamsgottesdienst in Nesselwängle am vergangenen Donnerstag liefern eine erste Antwort: „Wir feiern heute nicht den Tod, sondern den Leib Christi.“ Anders als der moderne Irrglaube, Fronleichnam habe wortwörtlich etwas mit Leichnamen zu tun, vermuten ließe, ist der christliche Feiertag ein Fest zu Ehren des Sakraments der Eucharistie. Die etymologischen Wurzeln des Namens „Fronleichnam“ liegen in der mittelhochdeutschen Übersetzung „vrôn lîcham“ des lateinischen „corpus christi“. Fronleichnam ist also das Fest zu Ehren „des Leibs des Herren“, der laut christlichem Glauben während der Kommunion mit Brot und Wein unter den Gläubigen leiblich gegenwärtig ist. Ins Leben gerufen wurde der kirchliche Feiertag im 13. Jahrhundert, nachdem die heilige Juliana von Lüttich Visionen eines fehlenden Feiertages des Altarsakraments hatte. Interessanterweise wäre eigentlich der Gründonnerstag als Gedenktag des letzten Abendmahls ein Eucharistie-Fest; da jedoch lebhafte Festlichkeiten nicht der Karwoche entsprechen, wurde der Fronleichnamstag geschaffen.

Nesselwängler Fronleichnamsbrauchtum.

Je nach Land und Konfession des Christentums variieren Traditionen sowie der Zeitpunkt Fronleichnams. In Österreich findet der Feiertag am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitsfest, statt. In Nesselwängle etwa werden eine Festmesse sowie eine Prozession abgehalten. Früher wurde dabei die gesamte Prozessionsroute mit eigens gefällten Jungbäumen gesäumt und ein Weg aus Gras, Sumpfdotterblumen und Knabenkraut gelegt, über den der Pfarrer durch das Dorf schritt. Heutzutage werden nur mehr vier Altäre – an denen Segen, Evangeliumspassagen wie die Brotvermehrung und Fürbitten vorgetragen werden – reich mit Blumen und Birkenzweigen geschmückt. Mittelpunkt der Prozession ist ein prunkvoller Stoffbaldachin – der Sternenhimmel – unter dem der Pfarrer die wertvolle goldene Monstranz trägt, deren geweihte Hostie den Leib Christi inmitten der Glaubensgemeinschaft symbolisiert. Letztere besteht unter anderem aus Delegationen der Nesselwängler Musikkapelle und Feuerwehr, der Tannheimer Taler Schützenkompanie, Trachtenfrauen mit einer Marienfigur, den Erstkommunionkindern sowie Trägern prachtvoller Stofffahnen. Zu Ehren der Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie musiziert die Kapelle, die Gläubigen beten das Ave Maria und die Schützen geben mehrere Ehrensalven ab. Alles in allem ist Fronleichnam nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch ein Tag der Gemeinschaft, Geschichte und reichen Brauchtums.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.