Feinstes „hausgemacht“

Zwei Meister der Tiroler Kunstszene, Elmar Kopp (l.) und Andreas Weissenbach, vor einem Stillleben Elmar Kopps in der Galerie Theodor von Hörmann Imst. RS-Foto: Bundschuh

Stillleben – Werden und Vergehen

Mit dem Leben auch in toten oder scheinbar toten Gegenständen beschäftigt sich die diesjährige Herbstausstellung der Imster Städtischen Galerie Theodor von Hörmann. Die gut sortierte Stadt Imst „hauseigene“ Auswahl („Imster Sammlung“) mit Arbeiten von Minskacoy, Deutsch, Pisanska, Heis, Stimpfl, Höck, Span, Wirth, Kopp, Bonnlander, Nagl, Widmoser, Just, Bielowski und Gundolf (Aufzählung nach Foyer bis Raum drei) zeugt von einem „guten Händchen“ der Erwerbsbevollmächtigten und wird mit Leihgaben aus Privat- und Galerieeigentum umfassend und schlüssig komplettiert.

Von Peter Bundschuh

Die Idee, Stillleben zum Thema einer Herbstausstellung zu machen, hat einiges für sich. Eher Vergehen als Werden spiegelt sich in diesen Monaten wider und ein Gutteil des Stilleben-Genres ist auch der Vergänglichkeit gewidmet. Die „lebende Leiche“ einer Schnittblume, die erloschene Kerze, das zerbrochene Glas, ein geschlossenes Buch oder das erlegte Wildtier, reifes Obst in all seinen Formen sind beliebte Sujets dieses Genres. Andererseits kann Stillleben auch symbolhaft erotisch, witzig, spritzig, kritisch bis sarkastisch und farblich einfach „fetzig“ sein, wobei man zum Beispiel an die blütenhafte Leichtigkeit von Dietlinde Bonnlanders Werken denkt. Und doch, Vergänglichkeit ist der Stoff, aus dem Stillleben überwiegend gemacht werden.

Thema, nicht Technik.

Die Bildsprache des Stilllebens lässt sich unter beinahe sträflicher Vergröberung des Begriffes auf „reglos“ einschränken. Über Stil und schon gar nicht Technik der Werke ist damit rein gar nichts ausgesagt. Die über Jahrhunderte währende Bildthematik der „toten“ Dinge reicht vom ehrgeizig fotografisch erarbeiteten (niederländischen) Ölbild bis zur fast schon flüchtigen Zeichnung eines Paul Flora. Da kann erst eine gewisse bewusst gewählte und dabei sorgfältig ausgewählte „Kraut und Rübenhaftigkeit“ der von Kuratorin Dr. Elisabeth Maireth zusammengestellten Schau der Tradition des Stilllebens gerecht werden.

„Vanitas Stillleben“.

Den recht unbeschwerten Blumen-Stillleben der Ausstellung stehen Bilder wie „Stillleben mit Totenkopf und Kanne“ und „Stillleben mit Totenkopf und Vase“ von Walter Nagl gegenüber. Die allerhöchste Schule der Darstellung regungsloser Dinge verkörpert auch Norbert Drexel mit „Stillleben mit Mumienkopf“, „Widderschädel“ und „Stillleben mit Leguan“ – als Stillleben-Motiv wohl ein Unikat. Die Bilder von Nagl und Drexel sind in Öl auf Leinwand aufgebracht und Leihgaben der Galerie Mair.

Zu Ausstellung und Rahmenprogramm.

Ein Kreativ-Workshop mit Sonja Mall wartet am Freitag, dem 29. September, um 15 Uhr für Kinder von sechs bis zehn Jahren. Führungen mit Kuratorin Dr. Elisabeth Maireth werden am Samstag, dem 7. Oktober, sowie am Samstag, dem 21. Oktober, jeweils um 16 Uhr angeboten. Die Herbstausstellung in der Galerie
Theodor von Hörmann ist zu den Öffnungszeiten (Donnerstag, Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr) bis Samstag, dem 4. November, bei freiem Eintritt zu besuchen. Zur Definition des Stilllebens siehe Kindler: Lexikon der Malerei, Bd. VI. 1970.

Strahlende Gesichter des Kulturausschusses bei der „Herbstvernissage“ in der Imster Galerie Theodor von Hörmann: Christoph Stillebacher, Barbara Hauser, Martina Frischmann, Andrea Schaller und Johannes Gstrein (v.l.). RS-Fotos: Bundschuh
Für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung zeichnete dieses Mal „Unisono“ verantwortlich: Walter Posch (Gitarre, l.) und Johannes Nagele (Klavier).
„Stillleben mit Totenkopf und Vase“ von Walter Nagl steht recht unbeschwerten Blumenstillleben – unter anderem von Dietlinde Bonnlander oder Elmar Kopp – der diesjährigen Herbstausstellung in der Imster Hörmann-Galerie gegenüber.
Die Zitrone gilt im Stillleben als Symbol für äußerliche Schönheit, aber auch für Mäßigung. Grundsätzlich eignen Früchte sich für das Wechselspiel von Farbe und Gestalt geradezu ideal, wie Veronika Gerbers „Stillleben mit Katze und blauer Schale mit Zitronen“ eindrucksvoll zeigt.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.