Fortschreibung des Reuttener ROK vorgestellt

Bürgermeister Alois Oberer berichtet, dass in Reutte schon vieles erreicht wurde. Der Fokus bleibt weiter auf der Zentrumsentwicklung. RS-Foto: Schretter

Die Marktgemeinde setzt weiter auf die Entwicklung des Zentrums

Das örtliche Raumordnungskonzept legt die Rahmenbedingungen für die Flächenwidmung fest, wird alle zehn Jahre vom Gemeinderat beschlossen und dann fortgeschrieben. Das letzte ROK der Marktgemeinde Reutte lief von 2004 bis 2014 und wurde seit dann immer wieder verlängert. 2018 steht nun wieder eine Fortschreibung an.

Bei seiner Begrüßung zur Bürgerversammlung am Dienstag, dem 10. April, verlieh Bgm. Alois Oberer der Hoffnung Ausdruck, dass der neue Vorschlag genehmigt wird. Im Gemeinderat habe bei der Erarbeitung jedenfalls große Einstimmigkeit geherrscht. „Es ist mir aber ein persönliches Anliegen, vor der Gemeinderatssitzung am 24. April, die Bevölkerung zu informieren und ihr die Möglichkeit zu geben, sich in dieser wichtigen Sache auch zu Wort zu melden“, Alois Oberer dazu.

Schwerpunkte.

Die Fortschreibung des ROK umfasst fünf Themenschwerpunkte:  Zentrumsentwicklung, Bevölkerungsentwicklung und Wohnbau, bauliche Entwicklungsgebiete, Verkehrsinfrastruktur und ein Grünraumkonzept bzw. einen naturkundlichen Teil.
Alois Oberer betont, dass Reutte als Bezirkshauptort in der Verantwortung stehe, zu wachsen und sich zu entwickeln. Geplant ist ein Wachstum von zehn Prozent auf zehn Jahre verteilt, das heißt, dass die Bevölkerung pro Jahr um ein Prozent zulegen wird.
„Wir haben heute 6730 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Reutte. Wenn wir die Prognose halten, werden es 2028 7403 Einwohner mit Hauptwohnsitz sein“, erklärt Oberer.
Beim Wohnbau wird die Marktgemeinde weiter als steuerndes Instrument wirken. Der Wohnbaugipfel von 2011 trage Früchte, ist doch vor allem der Wohnbau im Zentrum gestiegen. Bei dieser Steuerung von Wohnbauaktivitäten im Zentrum wird es weiter bleiben, der Wohnbau in der Peripherie wird gebremst, hier wird es keine Baulandumlegungen geben. Für Wohnbaufirmen wird die Marktgemeinde Bedarfsprüfungen durchführen.
Ortsplaner Armin Walch führt dazu weiter aus: „Die Parameter stehen eindeutig auf Zentrumsstärkung. Wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber alter Bausubstanz. Diese Themen bleiben auch bei der Fortschreibung zentral.“
Wohnungen bringen Menschen ins Zentrum, das dadurch belebt wird. Es geht hier auch darum, auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. „Immer mehr Ehen werden geschieden, Familien trennen sich. Der Bedarf an kleineren Wohnungen steigt, darauf muss reagiert werden“, so Armin Walch. Seit 2004 sei eine Veränderung in Reutte sichtbar, die zentrumsstärkend wirkt.
Die „Hotspots“ der Zentrumsentwicklung mit Zukunftspotential sind das Klosterareal, die Startwohnungen, das Sax-Areal, der Innere Ring und der Bereich Untermarkt und Park.
Im Bereich der Alpentherme Ehrenberg ist eine weitere Entwicklung vorstellbar, wenn sie der Alpentherme dient, das heißt, wenn ein konkretes Projekt vorgelegt wird.
Schon lange für Gesprächsstoff sorgt das Linz-Textil-Areal. Bei diesem 100000m2 großen Grundstück sind die Preisvorstellungen der Eigentümer und eine eventuelle Verkehrsproblematik die größten Hindernisse – der Masterplan ist also gültig, in der Umsetzung allerdings schwierig. Sowohl Bgm. Oberer als auch Ortsplaner Walch sind sich einig, dass die klare Vorgabe der Marktgemeinde hier sein muss, zuerst Arbeitsplätze zu schaffen und erst dann an den Wohnbau zu denken. Auch Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler gefällt der Ansatz „Arbeit vor Wohnen“.
Im Bereich Großfeld (40000 m2) ist eine Umlegung geplant, die eine Nutzung der Fläche ermöglichen soll.
Alois Oberer forciert  und die Marktgemeinde unterstützt interkommunale Projekte, auch in Bezug auf Gewerbegebiete. Dies stößt auch bei EWR-Vorstand Christoph Hilz auf offene Ohren, der den Bürgermeistern Kraft wünscht, über die Gemeindegrenzen hinaus zu denken, denn, „interkommunale Zusammenarbeit ist das Schlagwort der Zukunft“.
Im Bereich der Verkehrsentwicklung und eines Verkehrskonzeptes bleibt eine zweite Lechbrücke der Arbeitsauftrag.
80 Prozent des Zentrumsverkehrs sind laut Alois Oberer hausgemacht. „Durch Reutte führen zwei Landesstraßen. Zusätzlich wurden in der Vergangeheit sternförmig in der Peripherie Einkaufszentren errichtet, die meist erreicht werden, indem durch das Ortszentrum gefahren werden muss. Das ist die Situation, daraus müssen wir versuchen, das Beste zu machen. Ich unterstütze weiter, noch mehr für die Fahrradfahrer zu tun, denn ganz oft ist es gar nicht so schwer, auf das Auto zu verzichten.“
Bernhard Machenschalk vom Architekturbüro Walch und Partner weiß darum, dass die Raumordnung oft im Spannungsfeld zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft steht. Aber es gibt eine gesetzliche Grundlage als Regulativ. Er betont, dass neben dem Bestandsplan und dem Entwicklungsplan auch der Naturwerteplan Gewicht besitzt. Es gehe also nicht nur um die Bebauung; Grünland, landwirtschaftliche Flächen und landwirtschaftliche Vorsorgeflächen stehen immer auch im Fokus – schließlich ist Reutte ja auch Naturparkgemeinde.

Fahrplan.

Fachliche Vorgaben sind essentiell für politische Entscheidungen. Aber auch die Meinung der Bevölkerung will gehört sein. Dass dem so ist, zeigte der rege Zuspruch zur Bürgerversammlung.
Der nächste wichtige Termin ist die Gemeinderatssitzung am 24. April. Es folgen sechs Wochen Auflagefrist. Die Reuttener haben das Recht zur Stellungnahme (schriftlich) bis spätestens eine Woche nach Ablauf der Auflagefrist. Stellungnahmen werden behandelt und gegebenenfalls in das ÖROK aufgenommen. Wenn vom Gemeinderat keine Änderungen mehr kommen, erfolgt der Endbeschluss. Die Aufsichtsbehörde des Landes prüft und genehmigt die Fortschreibung, die dann, nach zwei Wochen Kundmachung durch die Marktgemeinde, im Herbst 2018 rechtskräftig wird.