„Fotografie gestern – heute – morgen“

Gemeinsam mit dem Fotografen Pepi Öfner, der Kunstvermittlerin Nadja Parisi und der Lehrerin Ursula Scheiber beschäftigen sich die Schüler der PTS Ötztal mit dem Themenbereich „Fotografie“. Foto: Ötztaler Museen

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut

Unter dem Motto „Fotografie gestern – heute – morgen“ startete in diesen Wochen ein Schüler-Projekt mit der Polytechnischen Schule Ötztal. Schüler aus allen Talgemeinden des Ötztals widmen die nächsten Wochen gemeinsam mit Lehrerin Ursula Scheiber und angeleitet von Fotograf Pepi Öfner und Kunstvermittlerin Nadja Parisi der Fototechnik und der Fotografie an sich. Die Fotografien der Schüler werden zur Finissage am 11. April präsentiert.

Von Friederike Hirsch

Der Leitgedanke „Fotografie gestern – heute – morgen“ bildet den Rahmen für eine Veranstaltungsreigen, der in diesen Wochen in den Ötztaler Museen stattfindet. Mit Führungen, Diskussionsrunden und einem Schülerprojekt wird der große Themenbereich „Fotografie“ näher beleuchtet. Grundlage für das Rahmenprogramm bildet die Ausstellung „Menschen“, die im Dezember im Turmmuseum Oetz eröffnet wurde. Gemeinsam mit dem Fotografen Pepi Öfner, der Kunstvermittlerin Nadja Parisi und der Lehrerin Ursula Scheiber erarbeiten die Schüler der Polytechnischen Schule Ötztal einen Rück- und Ausblick auf die Fotografie. Sie gehen aber auch den Fragen zur Authentizität, der Privatsphäre und der Manipulation von Bildern nach.

Die Idee

Ein Bild zu verbreiten geht inzwischen fast so schnell, wie auf den Auslöser zu drücken. Fotos sind mehr denn je zu einer medialen Waffe geworden. Ein Foto dokumentiert Erfolge, Verfehlungen und Skandale. 24 Stunden täglich, weltweit. Was tragen wir, oft blauäugig und arglos, in die Öffentlichkeit? Die Ansichten, was heute privat ist, gehen so weit auseinander wie noch nie. Die einen stellen Ultraschallbilder ihrer ungeborenen Kinder auf Facebook, die anderen versuchen verzweifelt, alles aus den Sozialen Netzwerken herauszuhalten. Wagen von „Google Street View“ fahren um unsere Häuser, wir werden auf den Fotos unserer Freunde in Sozialen Netzwerken markiert. Jederzeit müssen wir damit rechnen, an jedem öffentlichen Ort verewigt zu werden. Wo befindet sich nun die Jugendlichen in dieser Riesencloud an Bildern?

Das Projekt

Taugt die Fotografie heute noch oder steckt sie, wie so oft behauptet, in der Krise? Egal wo man hinschaut, Soziale Netzwerke sind voll von Bildern und Fotos – ein schier unglaublicher Bildkonsum. Die Fotografie hat einen unglaublichen Wandel erlebt. Angefangen mit einem exklusiven Medium Anfang des 20. Jahrhunderts, ist sie spätestens mit der Erfindung der Smartphones zu einem Werkzeug für jedermann geworden. Schüler aus dem gesamten Ötztal begeben sich daher auf Spurensuche. Warum fotografieren Jugendliche heute? Wie gehen sie mit dem Medium „Fotografie“ um und was bedeuten Fotos für sie? Erstaunlich ist die Erkenntnis, dass es auch heute noch um Erinnerungen geht. Besondere Momente werden festgehalten, gespeichert und ausgedruckt. Die Botschaft ist heute dieselbe wie vor 100 Jahren. „Wir wollen einen Moment einfrieren. Es ist etwas Bleibendes, das über den Tod hinaus Bestand hat“, erklären die Schüler. Mit diesem Wissen im Hintergrund sind sie aufgerufen, zu fotografieren. Angeleitet durch Pepi Öfner werden sie in den nächsten Wochen zum Smartphone, zur Digitalkamera oder Sofortkamera greifen und Menschen ablichten.

Ziel

„Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut“, dieser Ausspruch von Henri Cartier-Bresson könnte der rote Faden sein, den Pepi Öfner für die Schüler der PTS Ötztal gewebt hat. Die drei Themenbereiche, die der Ausstellung „Menschen“ von Pepi Öfner zu Grunde liegen, bilden die Grundlage der Schülerfotos. „Die Prämisse ist, dass man sich die Fotos auch noch in 40 Jahren ansehen kann. Die Schülerinnen und Schüler fotografieren sozusagen wie in einer Zeitmaschine“, erklärt Parisi. Pepi Öfner und Nadja Parisi wollen mit diesem Projekt den Blick der Jugendlichen schärfen und sie auf eine Reise schicken. Eine Reise, die zeigen wird, dass Fotos Macht besitzen, dass es wichtig ist, welchen Bildausschnitt der Fotograf wählt und dass es ebenso wichtig ist, den Menschen vor der Kamera nicht nur als Objekt zu betrachten. Sie werden sich Menschen suchen müssen, die von ihnen fotografiert werden wollen. Fremde Menschen, keine Familienmitglieder. Um es mit Friedrich Dürrenmatt zu sagen: „Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie.“ Zur Finissage am 11. April werden die Schüler gemeinsam mit Pepi Öfner ihre Werke ausstellen.

Wie entsteht analoge Fotografie? Angeleitet von Fotograf Pepi Öfner machten die Schüler mit Hilfe einer einfachen Schuhkarton-Lochkamera Schwarzweiß-Fotografien. RS-Foto: Hirsch

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